Das als Folsäure bekannte Vitamin B 9 ist nach dem Vitamin C eine der wichtigsten Substanzen für den menschlichen Körper. Es sorgt für einen reibungslosen Ablauf der Zellfunktionen wie Zellbildung, Zellteilung und Zelldifferenzierung. Besonders die Bildung von roten und weißen Blutzellen sowie der Aufbau von Schleimhautzellen zählen zu den Hauptaufgaben des Vitamins.
Folsäure wird außerdem für den Aufbau und den Stoffwechsel der DNA, dem Träger der Erbinformationen, benötigt. Sie wird also immer dort besonders gebraucht, wo viele neue Zellen entstehen: Eine ganz wichtige Rolle spielt sie deshalb bei der Produktion der Spermien und bei der Entwicklung des Embryos.
Bei der Spermienbildung im Hoden macht sich die positive Wirkung der Folsäure gleich zweifach bemerkbar.
Niederländische Forscher wiesen in einem Experiment nach, dass Folsäure in der Kombination mit Zink die Bildung von Spermien deutlich anregt und damit die Fruchtbarkeit erhöht. Aber nicht nur die Produktion der Spermien wird angekurbelt. Die Folsäure sorgt außerdem dafür, dass gesunde Spermien gebildet und Gendefekte reduziert werden, wie Wissenschaftler der Universität Berkeley/Kalifornien in einer Studie belegen konnten. Sie stellten fest, dass Männer, die sich folsäurereich ernähren, bis zu 30 Prozent weniger Spermien mit beschädigtem oder fehlerhaftem Erbgut aufweisen als Männer, die wenig Folsäure zu sich nehmen.
Außerdem sorgt Folsäure für eine gesunde Entwicklung des Embryos. Eine ausreichende Vitamin-B 9 -Versorgung des Kindes über die Mutter verhindert Fehlentwicklungen oder Missbildungen des Neuralrohrs.
Das Neuralrohr ist die erste Entwicklungsstufe des zentralen Nervensystems. Aus ihm entwickeln sich später das Rückenmark und das Gehirn. Ein Folsäuremangel kann deshalb schwerwiegende Folgen haben. Die Komplikationen können von Lippen-Kiefer-Gaumen-Segel-Fehlbildungen bis hin zu einem „offenen Rücken“ (Spina bifida), zu Wassereinlagerungen im Kopf (Hydrocephalus) sowie in besonders schweren Fällen zum Fehlen von Teilen oder sogar des gesamten Gehirns (Anenzephalie) reichen. Auch Fehlgeburten werden mit einem Fohlsäuremangel in Verbindung gebracht.
Frauen mit Kinderwunsch sollten schon vor der Schwangerschaft auf eine ausreichende Folsäureversorgung achten. Um von Anfang an sicher zu gehen, dass dem Embryo für seine Entwicklung ausreichend Folsäure zur Verfügung steht, sollten Sie deshalb sofort, wenn Sie versuchen schwanger zu werden, mit der Einnahme von Folsäurepräparaten beginnen.
Die vorsorgende Einnahme ist wichtig, da die Ausbildung des Neuralrohrs, wofür die Folsäure gebraucht wird, bereits zwischen dem 22. und 28. Schwangerschaftstag stattfindet. Also dann, wenn viele Frauen meist noch gar nicht wissen, dass sie ein Kind erwarten. Ärzte schätzen den täglichen Bedarf einer Schwangeren auf 800 Mikrogramm. Um die Deckung dieses Bedarfs zu sichern, werden zusätzlich zu einer ausgewogenen und vollwertigen Ernährung Nahrungsergänzungsmittel mit 400 Mikrogramm Folsäure empfohlen. Zur genauen Anwendung und Dosierung sollten Sie sich auf jeden Fall von ihrem Gynäkologen beraten lassen.
Vitamin B 9 konnte erstmals in Spinatblättern nachgewiesen werden, von denen sich auch der Name „Folsäure“ ableitet (lat. folium = Blatt). Außer in grünem Gemüse wie Spinat oder Broccoli steckt die gesunde Substanz vor allem in Weizenkeimen, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten sowie in Hefe und in Eigelb. Aber auch Zitrusfrüchte und ihre Säfte sind eine natürliche Folsäurequelle. Bei fleischlicher Kost rangiert Leber an erster Stelle, denn dieses Organ ist der Folsäurespeicher. Schwangere sollten allerdings lieber auf Leber verzichten, da sie Stoffe enthalten kann, die das Kind schädigen können.
Trotzt des reichhaltigen Nahrungsangebots nehmen viele Deutsche zu wenig Folsäure auf. Statt der empfohlenen 400 Mikrogramm pro Tag kommen viele nur auf 200 – 250 Mikrogramm. Das liegt vor allem an den Ernährungsgewohnheiten. Zu oft stehen industriell verarbeitete Lebensmittel auf dem Speiseplan. Diese enthalten nur noch wenig Folsäure, denn durch lange Verarbeitungsketten wird ein beträchtlicher Teil des sehr licht- und hitzempfindlichen und leicht wasserlöslichen Vitamins zerstört. Setzen Sie also auf frische, unverarbeitete Produkte. Vermeiden Sie bei Gemüse lange Lagerzeiten, lassen Sie es beim Waschen nicht zu lang im Wasser liegen und dünsten Sie es mit nur wenig Flüssigkeit.
Ein weiterer Folsäurekiller ist die UV-Strahlung. Frauen mit Kinderwunsch sollten deshalb auf ausgiebige Sonnenbäder - egal, ob im Freien oder im Solarium - verzichten.