Kinder sind täglich mehr oder weniger gefährlichen Situationen ausgesetzt. Ein Unfall ist schneller geschehen als man glaubt. Dann sollten Sie wissen, was zu tun ist.
Zu Hause, in der Schule oder im Kindergarten, beim Sport und auf der Straße: Jährlich hat in Deutschland jedes sechste Kind unter 18 Jahren einen Unfall, der ärztlich versorgt werden muss. Zunächst aber sind meist die Eltern gefordert: Wissen sie, was im Notfall zu tun ist? Wie reagiert man schnell und richtig, wenn ein Kind sich verletzt hat?
Eine ungesicherte Treppe, ein "Ausrutscher" auf dem feuchten Badezimmerfußboden, eine waghalsige Kletterpartie im Garten: Stürze machen mehr als die Hälfte aller Unfälle aus, die Kindern passieren. Zum Glück bleibt es oft bei einer Beule. Prellungen sollten Sie sofort 20 Minuten lang kühlen, um starke Schwellungen zu vermeiden. Am besten eignen sich dafür Gel-Kompressen - sie sollten stets im Gefrierfach parat liegen! Um die Haut vor Erfrierung zu schützen, legen Sie ein Tuch unter. Bei jedem fünften Unfall geht es jedoch nicht so glimpflich ab und ein Knochen ist gebrochen. Dann treten Schwellungen sowie starke Schmerzen bei Ruhe und in Bewegung auf. Oft ist das betroffene Bein oder der Arm unnatürlich verdreht. Dann gilt: Ruhigstellen durch Abpolstern oder ein Armtragetuch und den Rettungsdienst rufen!
Jeder vierte Unfall bei Kindern hat eine offene Wunde zur Folge, oft am Kopf. Bei einer stark blutenden Wunde legen Sie einen Druckverband an – es sein denn der Knochen ist im Wundbereich verletzt. Der Druckverband besteht aus einer keimfreien Wundauflage, einem Verband, darüber einem Druckpolster und wieder einem Verband. Anschließend fahren Sie mit dem Kind zu einem Unfallchirurgen oder in die Ambulanz des nächsten Krankenhauses. Zeigt das Kind Anzeichen eines Schocks (z. B. Blässe, Frösteln) oder klagt über Kopfschmerzen mit Übelkeit und Erbrechen, rufen Sie den Rettungsdienst. Hat es einen Stoß oder Schlag auf den Kopf erhalten, sollten Sie ebenfalls einen Arzt aufsuchen, um Folgeschäden frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Manchmal bleibt es glücklicherweise bei ein paar Kratzern: Oberflächliche Schürfwunden, die nicht stark bluten, versorgen Sie am besten nach erfolgter Wunddesinfektion mit einem Pflaster- oder Wundschnellverband. Sind sie stark verunreinigt, sollten Sie innerhalb von sechs Stunden einen Arzt aufsuchen. Zur Sicherheit sollten Sie immer überprüfen, wann die letzte Tetanus-Impfung war. Auch das Entfernen von Scherben oder Fremdkörpern sollte einem Arzt überlassen werden.
Ein abgerissener Knopf, Erdnüsse oder ein Legostein des großen Bruders: Hat das Kind ein solches Teil verschluckt, sollten Sie sofort den Arzt aufsuchen. Lebensbedrohlich wird es, wenn das Kind das Kleinteil eingeatmet hat und dieses die Atemwege blockiert. Neben akuter Luftnot treten Hustenreiz und pfeifende Atemgeräusche auf. Das Teil muss so schnell wie möglich „ausgehustet" werden. Da gilt es beherzt zu handeln. Ein kleines Kind nehmen Sie am besten an den Fußgelenken und heben es kopfüber hoch. Einem älteren Kind schlagen Sie bei vornüber geneigtem Oberkörper mit der flachen Hand kräftig zwischen die Schulterblätter. Lässt der Fremdkörper sich so nicht entfernen, wenden Sie den so genannten „Heimlich-Handgriff“ an. Bei diesem umfasst man den Bauch unter dem Brustbein mit beiden Händen von hinten und zieht die Arme ruckartig in Richtung der Wirbelsäule. Im Anschluss sollte der Rettungsdienst alarmiert werden. Fremdkörper, die in Nase oder Ohren feststecken, sind meist nicht lebensbedrohlich, müssen aber stets vom Arzt entfernt werden.
Achten Sie beim Spielzeugkauf nicht nur auf Qualität oder einen günstigen Preis. Wichtig ist vor allem die Sicherheit. Mit diesen Tipps sind Sie auf der sicheren Seite:
Ein heißes Bügeleisen, ein Wasserhahn, der kochendes Wasser ausspuckt, ein Grill, der plötzlich in Flammen steht - kaum ein Kind, das sich im Haushalt noch nicht „die Finger verbrannt" hat. Bei Verbrennungen und Verbrühungen sollten Sie die betroffene Stelle möglichst sofort für ca. 10 Minuten mit Coolpacks oder Wasser kühlen. Bei Verletzungen am Rumpf legen Sie am besten saubere, mit kaltem Wasser getränkte Tücher auf. Danach bedecken Sie die Wunde mit einer keimfreien Auflage. Dabei gilt: Brandblasen nie öffnen und weder Puder noch Mehl oder Brandsalbe auf die Wunde geben! Wenn ein Kleidungsstück Feuer fängt, ersticken Sie die Flammen mit Wasser oder Löschdecken. Den Betroffenen sollten Sie notfalls auf dem Boden wälzen und danach die Brandwunden wie beschrieben versorgen. Bei großflächigen Verbrennungen rufen Sie sofort den Rettungsdienst! Da Schock droht, legen Sie den Verletzten hin, lagern die Beine hoch, decken ihn leicht zu und bleiben in seiner Nähe.
Reinigungsmittel in grellbunten Flaschen üben auf Kleinkinder eine unwiderstehliche Anziehungskraft aus. Wenn sich ein Kind mit ätzender Flüssigkeit die Haut verletzt hat, sollten Sie die durchtränkte Kleidung entfernen, aber nicht abreißen, falls diese am Körper klebt. Dabei arbeiten Sie am besten mit Handschuhen, um nicht selbst mit der ätzenden Substanz in Berührung zu kommen. Die betroffene Stelle spülen Sie 15 bis 20 Minuten unter fließendem Wasser. Danach bedecken Sie die Wunde mit einer keimfreien Wundauflage. Bei Verätzungen am Auge sollten Sie den Kopf des Kindes zur Seite des verletzten Auges neigen und Wasser aus etwa 10 cm Höhe in den inneren Augenwinkel laufen lassen. Dieses fließt dann zum äußeren Augenwinkel ab. Dabei sollten Sie das andere Auge und das unten liegende Ohr vor Spritzern schützen. Bei Verätzungen im Mundbereich lassen Sie das Kind mit Wasser gurgeln. Bitte niemals Erbrechen herbeiführen! Alarmieren Sie den Rettungsdienst, um Folgeschäden und Narbenbildung zu verringern.
Kinder, die sich fahrend fortbewegen, sind zusätzlichen Gefahren ausgesetzt. Mit den richtigen Sicherheitsvorkehrungen lassen sich viele davon ausschalten:
Kinder sind neugierig und probieren alles aus. Sie müssen Erfahrungen, die Erwachsene bereits kennen, erst noch machen. Viele Gefahren erkennen die Kleinen deshalb gar nicht als solche. Eltern können Ihren Kindern aber Gefahren zuhause und im näheren Umfeld aus dem Weg räumen.
Kleinkinder erkunden viel mit dem Mund. Aufpassen sollten Eltern deshalb bei Pflanzen. Besonders gefährlich sind: Herbstzeitlose, Engelstrompete, Goldregen und Tollkirsche. Aber auch die Früchte des Gemeinen Efeus sowie Rinde, Blätter und Früchte des Buchsbaums sind giftig. Verbannen Sie diese Pflanzen aus dem eigenen Garten. Schärfen Sie Ihrem Kind aber auch ein, beim Spielen z. B. im Park oder auf dem Spielplatz keine Pflanzenteile abzureißen und in den Mund zu stecken. Kleinkinder sollten nicht unbeaufsichtigt spielen. Wenn Ihr Kind trotzdem etwas in den Mund steckt oder sogar herunterschluckt:
Auch hier ist Vorsicht geboten: Wasser zieht Kinder magisch an. Sichern Sie deshalb die Regentonne im Garten mit einem abschließbaren Deckel. Kleine Kinder können schon in wenige Zentimeter tiefem Wasser ertrinken. Schützen Sie die Kleinen mit einem unüberwindbaren Zaun vor dem Gartenteich.
Neben den speziellen Hinweisen für die unterschiedlichen Arten von Notfall gibt es einige allgemeine Regeln, die Sie beachten sollten, damit Ihr Kind nicht zusätzlich beunruhigt wird:
Noch ein Tipp: Manche Organisationen wie die Johanniter Unfallhilfe bieten Erste-Hilfe-Kurse an, die speziell auf Notfälle im Kindesalter ausgerichtet sind. Vielleicht eine gute Gelegenheit, Vergessenes aufzufrischen und neue Aspekte dazuzulernen?
Wenn trotz aller Vorsichtsmaßnahmen doch etwas passiert, sollten Sie für den Notfall einiges beachten. Je genauer Ihre Angaben sind, desto besser und schneller kann der Notruf reagieren:
Wenn ein Verletzter nicht bei Bewusstsein ist und nicht atmet, sind Wiederbelebungsmaßnahmen nötig. Dazu muss der Helfer abwechselnd beatmen und eine Herzdruckmassage durchführen. Laut Empfehlungen der Internationalen Expertenkommission sollen nach 30 Kompressionen des Brustkorbs zwei Atemspenden gegeben werden. Das gilt für Erwachsene genauso wie für Kinder. Vor allem die Herzmassage sei für das Überleben entscheidend, meinen die Fachleute. Und so geht's:
In der Regel handelt es sich bei Kindern um Bagatellverletzungen. Doch Sie sollten immer für einen Notfall gerüstet sein und folgende Nummern zur Hand haben:
Notrufnummer 112
Wenn Sie den Verdacht haben, dass Ihr Kind etwas Giftiges geschluckt hat, rufen Sie eine der unten stehenden Nummern an. Die Experten am Telefon sagen Ihnen, welche Erste-Hilfe-Maßnahmen in Ihrem Fall richtig sind und ob Sie Ihr Kind ins Krankenhaus bringen müssen.
Giftnotruf Berlin
Notrufnummer: 030 19240
Fax: 030 30686-721
E-Mail: mail giftnotruf de
Oranienburger Straße 285
13437 Berlin
Informationszentrale gegen Vergiftungen Bonn
Telefon: 0228 192-40
Fax: 0228 287-3314
E-Mail:gizbn mailer.ukb.uni-bonn de
Adenauerallee 119
53113 Bonn
Gemeinsames Giftinformationszentrum der Länder Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen (GGIZ)
Telefon: 0361 730-730
Fax: 0361 730-7317
E-Mail: info ggiz-erfurt de
Nordhäuser Str. 74
99089 Erfurt
Giftinformationszentrale Nürnberg
Telefon: 0911 398-2451
Fax: 0911 398-2192
E-Mail: muehlberg klinikum-nuernberg de
Klinikum Nürnberg Nord
Prof.-Ernst-Nathan-Str. 1
90419 Nürnberg
Zentrum für Kinderheilkunde und Jugendmedizin Freiburg
Vergiftungs-Informations-Zentrale
Tel. 0761 192-40
Fax 0761 270-4457
E-Mail: giftinfo kikli.ukl.uni-freiburg de
Mathildenstr. 1
79106 Freiburg
Giftinformationszentrum-Nord der Länder Bremen, Hamburg, Niedersachsen
und Schleswig-Holstein
Telefon: 0551 192-40
Fax: 0551 383-1881
E-Mail: Anfragen giz-nord de
Robert-Koch-Str. 40
37075 Göttingen
Informationszentrum für Vergiftungen Homburg/Saar
Telefon: 06841 192-40
Fax: 06841 162-8438
E-Mail: kigift uniklinik-saarland de
Gebäude 9
66424 Homburg
Giftinformationszentrale Mainz
Telefon: 06131 192-40
Infoline: 06131 232-466
Fax: 06131 23-2468
E-Mail: giftinfo giftinfo.uni-mainz de
Langenbeckstr. 1
55131 Mainz
Toxikologische Abteilung der II. Medizinischen Klinik München
Telefon: 089 192-40
Fax: 089 4140-2467
E-Mail: tox lrz.tum de
Ismaninger Str. 22
81675 München