Bauchschmerzen, Übelkeit oder Durchfall lassen häufig zuerst an eine Allergie denken. Doch es könnte auch eine Lebensmittelunverträglichkeit dahinterstecken. In jedem Fall gilt es, der Ursache medizinisch fundiert auf die Spur zu kommen und die unverträglichen Lebensmittel zu meiden.
Johann Wolfgang von Goethe
Die Abwehr spielt verrückt – so könnte man kurz eine Allergie beschreiben. Denn gegen normalerweise harmlose Substanzen, wie beispielsweise Eiweiß in der Milch, bildet das Immunsystem des Körpers sinnlos Abwehrstoffe, als gelte es, einen schädlichen Angreifer zu vernichten.
Anders bei einer Lebensmittelunverträglichkeit: Hier fehlen Verdauungsenzyme oder diese arbeiten nur eingeschränkt. Die häufigsten Unverträglichkeiten sind die Laktoseintoleranz, bei der ein Mangel an dem Milchzucker spaltenden Enzym Laktase vorliegt, oder die Fruktosemalabsorption. Davon Betroffene können Fruchtzucker nur in geringeren Mengen als normal verdauen.
Bei einer Pseudoallergie treten Unverträglichkeiten zutage, zum Beispiel auf Lebensmittelzusatzstoffe, ohne dass ein Allergen nachgewiesen werden kann.
Tatsächlich leiden die meisten Menschen an einer Unverträglichkeit, echte Nahrungsmittelallergien sind eher selten. So sind von einer Allergie gegen Kuhmilch nur ein bis drei Prozent der Erwachsenen in Deutschland betroffen, von der Laktoseintoleranz jedoch bis zu 15 Prozent. Viele Pollenallergiker reagieren zusätzlich auf Nahrungsmittel allergisch, zum Beispiel auf Nüsse.

Die Suche nach dem auslösenden Lebensmittel erfordert oft detektivischen Spürsinn. Wer glaubt, ein Lebensmittel nicht zu vertragen, sollte einen Arzt aufsuchen.
Hilfreich ist das Führen eines Ernährungstagebuchs über mehrere Wochen, in dem genau notiert wird, wann welches Nahrungsmittel gegessen oder getrunken wurde und welche Beschwerden zu welchem Zeitpunkt auftraten. Nehmen Sie diese Unterlagen zum Arztbesuch mit. Zusammen mit Haut- und Bluttests liefert dieses erste Hinweise auf den Auslöser.
Den sicheren Nachweis gibt jedoch erst eine Auslassdiät mit anschließender Provokation. Dabei verzichtet der Patient für ein bis vier Wochen auf alle Lebensmittel, die für seine Beschwerden infrage kommen könnten. Anschließend wird der Speiseplan nach und nach um jeweils ein Nahrungsmittel erweitert. Kommt es wieder zu Beschwerden, ist der Auslöser gefunden. Wichtig: Diese Art der Diagnostik sollte nur unter ärztlicher Aufsicht geführt werden, da es beim Patienten zu einem allergischen Schock kommen kann. Oder es wird ohne Notwendigkeit auch auf Lebensmittel verzichtet, die gut vertragen werden.
Einfacher ist der Nachweis einer Laktoseintoleranz oder Fruktosemalabsorption. Dabei wird Wasserstoff in der Atemluft gemessen, welcher verstärkt gebildet wird, wenn Frucht- oder Milchzucker nicht ausreichend verdaut werden können.

Wer gegen ein bestimmtes Lebensmittel allergisch ist, muss darauf verzichten. Natürlich sollte zuvor eine ärztlich gesicherte Diagnose gestellt werden. Denn es macht keinen Sinn, auf bestimmte Lebensmittel „auf Verdacht“ zu verzichten. Bei einem eher selten verzehrten Lebensmittel dürfte das kaum ein Problem sein. Gerade bei Lebensmitteln, die täglich auf dem Speiseplan stehen, wie beispielsweise Milch oder Brot, bedeutet dies allerdings einen erheblichen Einschnitt in Ernährungsgewohnheiten und oft auch in die Nährstoffversorgung. Wichtig ist deshalb, die Alternativen beziehungsweise die verträglichen Mengen zu kennen.
Mit Unterstützung einer Ernährungsfachkraft gelingt meist ein normaler und beschwerdefreier Alltag ohne Mangelerscheinungen. In manchen Fällen ist auch ein Ausweichen möglich. Das lässt sich allerdings nicht pauschal sagen. Bei einer Allergie gegen Äpfel vertragen einige Betroffene durchaus Apfelmus, Apfelkompott oder bestimmte Apfelsorten. Für Kuhmilchallergiker ist es hilfreich zu wissen, gegen welches Milcheiweiß sie allergisch sind: Bei einer Allergie gegen Casein sind die Milchprodukte aller Tiere (also auch Schaf, Ziege und Stute) tabu. Bei einer Molkeneiweiß- Allergie verursachen meist nur Kuhmilchprodukte Beschwerden. Auch bei einer Laktoseintoleranz muss nicht gänzlich auf Milch verzichtet werden. Hart- und Schnittkäse sind laktosearm; Sauermilchprodukte wie Kefir oder Joghurt werden oftmals gut vertragen. Eine Alternative sind laktosefreie Milch und Milchprodukte, die es heute in jedem Supermarkt gibt.

Interessenten und Betroffene finden im Internet zahlreiche Informations- und Beratungsangebote. Oft stehen auch Medien zum Download bereit. Eine kleine Auswahl
Deutsche Gesellschaft für Ernährung