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Glück ist kein Zufall

Erfolg, Geld, Liebe, Gesundheit, Freundschaft und noch vieles mehr sind begehrte Zutaten für ein glückliches Leben. Wie die Schönheit liegt aber auch das Glück im Auge des Betrachters.

Zum Jahreswechsel, zum Geburtstag, zur Geburt eines neuen Erdenbürgers, zur Firmengründung, vor der Prüfung - es gibt viele Anlässe, zu denen Glückwünsche ausgesprochen werden. Wir haben uns als „Glücksritter“ auf die Suche begeben und dabei herausgefunden: egal, was uns glücklich macht – Hauptsache wir sind es. Auch im Interesse unserer Gesundheit.  

“Das Glück kommt zu denen, die lachen. ”

Japanisches Sprichwort

Wissenswertes aus der Glückforschung

Eine amerikanische Studie zeigt, dass „glückliche“ Probanden, die absichtlich mit Erkältungsviren infiziert wurden, seltener und weniger schwer daran erkrankten als ihre „unglücklichen“ Mitstreiter. Viele Forschungsergebnisse belegen, dass glückliche Menschen gesünder sind und sich dieser Effekt auch auf die Lebenserwartung auswirkt. Darüber hinaus stehen Glück, Gesundheit und Lachen in engerer Verbindung als bisher angenommen.

Was der Volksmund schon immer wusste, ist nun wissenschaftlich bewiesen: „Lachen ist gesund“ – gut gelaunte und nach eigenem Bekunden glückliche Testpersonen hatten nach dem Absolvieren vorgegebener Aufgaben weniger Fibrinogen im Blut als eher missgelaunte Vergleichsprobanden. Dieses Protein ist notwendig zur Blutgerinnung, ein Zuviel davon macht jedoch das Blut dickflüssiger und erhöht somit das Risiko für Erkrankungen der Herzkranzgefäße. Bei fröhlichen Menschen ist also selbst das Blut in der Balance.  

Denken ist Glückssache

Nach Glück streben zu dürfen – die amerikanische Verfassung sieht dieses Recht ausdrücklich vor. Aber was genau macht uns zu glücklichen oder unglücklichen Menschen? „Das Glück deines Lebens hängt von der Beschaffenheit deiner Gedanken ab“, wusste schon der römische Kaiser Marc Aurel. Auch Pippi Langstrumpf und Hans im Glück beherzigen dieses Rezept in ihren Geschichten: Pippi macht sich „die Welt, wie sie mir gefällt“ und Hans tauscht seinen Goldklumpen immer wieder gegen minderwertigere Güter ein und empfindet trotzdem jeden Tausch noch vorteilhafter als den letzten. Am Ende tritt er mit einem Schleifstein beladen den Heimweg an – und kann sein Glück kaum fassen, als der Stein in einen Brunnen fällt: Aus seiner Sicht wurde ihm eine schwere Last genommen. Glücklich ist also, wer die Augen vor der Realität verschließt, offensichtliche Verdrehung von Tatsachen nicht wahrnimmt oder sich lieber gleich komplett seine eigene Welt erdenkt? So einfach ist es leider nicht. Dennoch kann man sich von beiden Figuren einiges abgucken: optimistisch und zuversichtlich in die Welt zu blicken, mehr Gutes als Schlechtes in allen Dingen zu sehen, ist hilfreich.  

Mit Strategie zum Glück

Gut beraten ist, wer sich eine individuelle Glücksstrategie aufbaut. Die muss natürlich zur eigenen Persönlichkeit passen. Dafür einige Vorschläge:

  • Dem Glücklichen schlägt keine Stunde: Fast jeder kennt dieses Gefühl: Ein interessantes Buch liest sich wie von ganz allein. Vergessen sind Zeit und Raum, man geht vollkommen in einer Sache auf – und ist dadurch im sogenannten Flow. Auch wer sich auf seinen Sport fokussiert, gedankenversunken im Hobbykeller werkelt oder sich tanzend in Musik vertieft, befi ndet sich wörtlich übersetzt im „Fluss“: Unser Denken, Fühlen und Wollen stimmen plötzlich überein. Wir werden weder übernoch unterfordert. Im Flow sind wir ganz bei der Sache – und eins mit ihr. Und das macht glücklich. Das Beste daran: Dieser „Rausch“ hat keine Risiken und Nebenwirkungen, könnte aber durchaus ansteckend sein.
  • Vergleichen – aber richtig: Ein klein wenig Neid auf das, was andere besser können oder mehr haben oder erleben – das kennt wohl jeder. Meist gibt es allerdings keinen wirklichen Grund, mit dem eigenen Leben unzufrieden zu sein. Bekanntlich hat jedes Ding zwei Seiten und wer genauer hinschaut, möchte dann gar nicht tauschen. Und manches, um was wir andere beneiden, lässt sich vielleicht auch als Anregung fürs eigene Leben nehmen.
  • In der Gegenwart leben – genussvoll und zufrieden: Das Glück liegt nicht in den Sternen, sondern vor der eigenen Haustür: Wer seinen Tag aktiv gestaltet und off en für Neues ist, erlebt auch im grauen Alltag immer wieder glückliche Überraschungen. Fernab vom Klischee des reichen und schönen Filmstars, der sich erwiesenermaßen auch nicht glücklicher fühlt als der Durchschnittsbürger, sind die meisten Menschen besonders dann zufrieden, wenn sie ihrem Leben einen Sinn zu geben wissen, soziale Beziehungen pflegen und auch hin und wieder für andere da sind.
  • Auf die Balance kommt es an: Eine gute „Work-Life-Balance“, der gesunde Ausgleich zwischen Arbeit und Freizeit, Anspannung und Entspannung, trägt dazu bei, sich auf die eigene Gegenwart zu konzentrieren. Wer nämlich im Hier und Jetzt lebt, schlägt sich nicht mit gedanklichem Ballast vergangener oder zukünftiger Tage herum, sondern genießt stattdessen lieber den Augenblick.
  • Kleinigkeiten sind das große Glück: das gute Gespräch mit Freunden, die gesellige Tischrunde im Kreis der Familie oder einfach den strahlend blauen Himmel – eine kurze Momentaufnahme macht uns die kleinen Dinge bewusst, die oft unbemerkt glücklich machen. Weil wir unsere inneren Einstellungen und Gedanken aktiv beeinfl ussen können, sind wir auch in der Lage, unsere Strategien in Richtung „Glück“ zu verändern. Und vielleicht stellt sich dann im zweiten Schritt auch alles andere Ersehnte ein – wer weiß?

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Damit der Kragen nicht platzt

Aktiv entspannen

Manchmal verlangt uns der Alltag eine Menge ab. So paradox es klingt - gerade dann brauchen Sie Freiräume. Mit sportlichen Aktivitäten profitieren Sie doppelt: das Abschalten fällt leichter und auch auch das körperliche Wohlbefinden verbessert sich.

Hinnehmen, was nicht zu ändern ist

Die Müllabfuhr vor uns fährt beispielsweise nicht schneller, nur weil wir unter Termindruck stehen. Wer sich über diese und andere Alltagsdinge ärgert, schadet bloß sich selbst.

Lächeln befreit

Wer seinem meckernden Gegenüber freundlich und respektvoll begegnet, statt zurückzublaffen, entschärft meist nicht nur die Situation, sondern verschafft sich mit dem Wissen, eine brenzlige Situation unter Kontrolle gebracht zu haben, selbst ein gutes Bauchgefühl.

Streiten Sie

- aber respektvoll und fair. Meinungsverschiedenheiten und Missverständnisse kommen in der besten Partnerschaft vor. Treiben Sie den Partner nicht in die Enge und schlagen Sie nicht verbal um sich. Sprechen Sie rechtzeitig über Konflikte. Bauen Sie nicht Berge von Groll in sich auf.

Bücherbox

Reich und glücklich

John Strelecky; Tim Browson
dtv, ISBN 978-3-423-24908-9

Wer hat nicht schon mal jemanden beneidet und sich gewünscht an dessen Stelle zu sein. Doch was wir mit Begriffen wie „Reichtum“ und „Glück“ verbinden, ist individuell sehr verschieben. Und oft sind es keineswegs nur materielle Dinge. Die beiden Autoren geben Anregungen für eine ganz persönliche Glücksformel. Ungewöhnliche Checklisten, Tipps und inspirierende Geschichten helfen Ihnen dabei. So erfahren Sie Schritt für Schritt, was Ihnen wirklich lieb und teuer ist.

Die Neurobiologie des Glücks

Tobias Esch
Thieme, ISBN 978-3-13-166111-1

Alle Menschen wollen glücklich sein“, erkannte schon Aristoteles. Was aber macht glücklich? Was ist Glück überhaupt? Wie entsteht es und wie kann man es halten? Die Philosophie beschäftigt sich schon seit Jahrtausenden mit diesen Fragen. Dass Psychologie, Medizin und Neurowissenschaften nach dem Glück suchen, ist jedoch relativ neu. Tobias Esch, Neurowissenschaftler und Professor für Integrative Gesundheitsförderung, nähert sich dem Thema Glück interdisziplinär. Er setzt die neuesten Erkenntnisse aus Neurobiologie, Hirn- und Glücksforschung sowie aus der ressourcenorientierten Medizin und der angewandten Präventivmedizin zueinander in Beziehung und leitet daraus Empfehlungen für eine angewandte „Glückspraxis“ ab.

Glücksmedizin

Werner Bartens
Droemer, ISBN 978-3-426-27517-7

Ein gesundes Leben zu führen ist eigentlich ganz einfach. Ohne schlechtes Gewissen und ohne die Einflüsterungen der Diät-, Wellness- und Pharmaindustrie lebt es sich nicht nur entspannter, sondern auch besser.
In »Glücksmedizin« finden Sie gesunde Hinweise zu lustvollem Essen und Trinken, zum passenden Gewicht, dem richtigen Maß an Bewegung, zu Nähe und Zuneigung. Gegen Stress helfen oftmals scheinbar unbedeutende Kleinigkeiten. Und weil uns das in der Hektik des Alltags oftmals gar nicht so bewusst wird, lassen Sie sich doch auf einfach auf die Empfehlungen des Autors ein.

Glück für Dummies

W. Doyle Gentry
Wiley-VCH, ISBN 978-3-527-70515-3 

Glücklich oder nicht - das hängt von verschiedenen Faktoren ab. Einige können wir beeinflussen, bei anderen gelingt uns das weniger. Ob im Privatleben oder am Arbeitsplatz - nehmen Sie Ihren Alltag doch mal unter die Lupe. Kleine Ursache - große Wirkung, das trifft auf viele Situationen zu. Erfahren Sie wie Optimismus und Achtsamekeit für ein positives Lebensgefühl sorgen; nutzen Sie Ihre Stärken und pflegen Sie soziale Beziehungen. Es lohnt sich.

Fundsache

Glücklichsein ist angeboren. Die gute Nachricht: Man kann es auch trainieren. "Denn über den zugrunde liegenden biologischen Mechanismus verfügt jeder", sagte Professor Tobias Esch von der Hochschule Coburg auf einer Veranstaltung.
Die menschlichen Gene prägen nur knapp zur Hälfte (40 Prozent) die Fähigkeit glücklich zu sein. Weitere 40 Prozent kann der Mensch, zum Beispiel durch sein Verhalten, selbst beeinflussen.

"Besonders interessant für mich als Arzt ist, dass Glück die Gesundheit fördert", meinte der Allgemeinmediziner Esch. Während Stress den Blutdruck steigert und das Immunsystem schwächt, stärkt Glück die körpereigene Abwehr und mindert Ängste und Depressionen.Neurobiologisch machen das verschiedene Hormone möglich. "Ursächlich für den Zustand tiefer Zufriedenheit ist Stickstoffmonoxid", erklärte Esch. Das Molekül verhindert, dass Stresshormone wirken können. Bei Freude setzt der Körper Dopamin frei. Hat es das verarbeitet der Körper zu endogenem Morphium, wodurch mehr Stickstoffmonoxid ausgeschüttet wird.

Was jeder für das eigene Glück tun kann, fasste Esch in vier Punkten zusammen: Positiv denken und handeln, pro Tag eine halbe Stunde bewegen, 20 Minuten täglich für sich Zeit nehmen und mediterran oder asiatisch essen. Glück kommt also nicht nur selten allein, sondern jeder hat es selbst in der Hand.

Quelle: Ärztezeitung, 29. Dezember 2011

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