| Krach ist die häufigste Ursache für Gehörschäden in Deutschland. Ganze fünf Millionen Menschen arbeiten regelmäßig bei einem Schallpegel über 85 Dezibel (dB), der das Gehör dauerhaft schädigen kann. Zwar gibt es strenge Gesundheitsvorschriften, doch in der Praxis werden sie oft nicht eingehalten. Allein 2005 wurden 9.787 Fälle beruflich bedingter Lärmschwerhörigkeit gemeldet. |
| Noch viel folgenreicher als der berufsbedingte Lärm ist das Getöse in Alltag und Freizeit. Zwölf Millionen fühlen sich in ihrem Wohnumfeld durch den Straßenverkehr stark belästigt. Manchen Lärmquellen setzen wir uns aber aus freien Stücken aus: Nach einer Silvesternacht mussten vor einigen Jahren knapp tausend Bundesbürger mit akustischen Knalltraumata behandelt werden. |
Sprichwort
Das Ohr, ein fein ausgeklügeltes System der Schallwahrnehmung, ist bei Lärm schnell überfordert. Wie ein Trichter bündelt die Ohrmuschel eintreffende Schallwellen und leitet sie ins Innenohr weiter. Dort biegen sich tausende von winzig kleinen Haarzellen im Schalldruck und leiten die Schwingungen als Nervenimpulse zum Gehirn weiter.
Hohe Lautstärken bedeuten auch einen hohen Schalldruck im Innenohr. Ein kurzer lauter Knall von über 120 dB oder andauerndes Gedröhn über 85 dB können die Haarzellen dauerhaft außer Gefecht setzen. Neben Kopfhörern ist die laute Musik in Diskotheken eine der Hauptursachen. Die dauerhaften Lärmpegel in Clubs reichen bis zu 110 dB, was schon bei einer Belastung von einer Viertelstunde pro Woche zu Hörschäden führt.
Besonders kleine Jungen und junge Männer setzen sich gesundheitsschädigenden Lärmbelastungen aus. Aber auch Mädchen und Frauen sind immer häufiger von Tinnitus und Schwerhörigkeit betroffen. Da die Schäden am Gehör aber oft nur nach und nach eintreten, bemerken die meisten Betroffenen sie erst, wenn es zu spät ist.
Dauerhafte Lärmbelastungen schaden nicht nur dem Ohr, sie können auch andere gesundheitliche Beschwerden auslösen: Schlaflosigkeit, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Magen-Darm-Störungen sowie psychische Beschwerden. Schwerhörigkeit kann darüber hinaus mit seelischen Verstimmungen, Ängsten und Depressionen einhergehen.
Lärmschutz ist darum eine wichtige Gesundheitsvorsorge. Für berufliche Belastungen gelten feste Regeln und Grenzwerte, die man einhalten sollte. Manche finden einen Lärmschutzkopfhörer zu lästig – wirklich lästig aber sind die Folgen, wenn auf Lärmschutz verzichtet wird. Zum Lärmschutz gehören auch Erholungsphasen: Zwischen den lauten Phasen sollten Pausen von mindestens zehn Stunden liegen, damit sich das Gehör regenerieren kann.
In der Freizeit hat jeder seinen Lärmschutz selbst in der Hand. Es lohnt sich, die Musik ein wenig leiser zu stellen, Fenster an befahrenen Straßen besser zu isolieren und beim Diskobesuch Ohrstöpsel zu tragen. Nicht jeder Lärm ist unausweichlich.
Kleinkinder haben ein besonders empfindliches Gehör. Lauter Schall kann ihre Haarzellen noch schneller schädigen als bei Erwachsenen. Darum sollten kleine Kinder vor dem Lärm von Silvester-Knallern, Trillerpfeifen und Knallfröschen geschützt werden. Noch immer werden Spielzeugpistolen verkauft, deren Schüsse mit weit über 120 dB jedes Kinderohr überfordern.

Ich glaub', ich hör' nicht recht
Karin Kippenhahn
Schattauer Verlag, ISBN 978-3-7945-2846-2
Das für Laien gut verständliche Buch ist für alle, die manchmal glauben, dass sie wohl nicht ganz recht hören. Ist das tatsächlich so? Was steckt hinter dem Begriff Tinnitus? Gibt es tatsächlich einen Zusammenhang zwischen Hören und Gefühl? Die Autorin nimmt Sie mit auf einen vergnüglichen Ausflug in die Geschichte der Ohrenheilkunde und möchte zeigen, wie wichtig der Schutz unseres Gehöres ist.
Dieser Beitrag stellt eine allgemeine Information dar. Bitte verwenden Sie diese nicht als alleinige Quelle und fragen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden einen Arzt oder Apotheker.