
Seit der ersten erfolgreichen Nierentransplantation vor über 50 Jahren hat der medizinische Fortschritt immer komplexere Organübertragungen ermöglicht. Heutzutage helfen Transplantationen Tausenden lebensbedrohlich Erkrankten und chronisch kranken Menschen. Die Erfolgsquoten sind in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen: Knapp 90 Prozent der verpflanzten Nieren sind nach einem Jahr noch funktionstüchtig, rund 75 Prozent sind es noch nach fünf Jahren. Noch besser ist die Bilanz bei der Augenhornhaut. Hier haben nach einem Jahr noch 95 Prozent ihre volle Funktionsfähigkeit, nach fünf Jahren immerhin noch 80 Prozent.
Wer auf eine Organspende angewiesen ist, hat einerseits keine Zeit zu verlieren, muss sich andererseits aber gedulden. Die Wartelisten für Spenderorgane sind lang. Für viele Patienten am Ende zu lang. Höchste Zeit also, um in Sachen Organspende aktiv zu werden.
Laut einer repräsentativen Forsa-Umfrage vom September 2011 sehen das über 70 Prozent der Bundesbürger, die Organspenden richtig und wichtig finden, genauso. Warum hinken die Zahlen der tatsächlichen Träger eines Spenderausweises dann so weit hinterher?
Neben ganz praktischen Gründen, wie dem bloß fehlenden Ausweis, fühlen sich manche verunsichert. Die Auseinandersetzung mit dem eigenen Tod, die Sorge, im Fall des Falles nur noch als „Organlieferant“ und nicht mehr als Individuum betrachtet zu werden, oder auch die Furcht davor, am Ende gar nicht „richtig“ tot zu sein, machen nachdenklich. Doch diese düsteren Szenarien sind unbegründet, denn strenge Richtlinien verhindern ein missbräuchliches Verhalten.
Indisches Sprichwort
Für oder wider Organspende – das ist eine sehr persönliche Frage, die sich jeder selbst stellen muss. Eine schwierige Entscheidung, denn sie setzt die Beschäftigung mit dem eigenen Tod voraus. Vielen Menschen fällt das schwer. Und im Todesfall sind die Angehörigen oft damit überfordert, anstelle des Verstorbenen über eine Organspende zu entscheiden.
Andere haben Angst, dass sie als potenzielle Organspender in einer lebensbedrohlichen Situation verfrüht aufgegeben werden oder sie zum Zeitpunkt der Organentnahme noch gar nicht tot sind. Doch in Deutschland gelten strenge Gesetze, die den gern in Krimis thematisierten Organhandel verhindern.
Interview mit Burkhard Tapp, Pressesprecher des Bundesverbandes der Organtransplantierten (BDO)
Sie wissen aus ganz persönlicher Erfahrung, worüber Sie sprechen – vor einigen Jahren haben Sie eine neue Lunge erhalten. Wie kam es dazu?
Als ich im Alter von einem Jahr die Masern hatte, zog ich mir zusätzlich noch eine Lungenentzündung zu, die meine Lunge schädigte. Die Folgejahre waren dann immer wieder von Krankenhausaufenthalten und Medikamenten geprägt. Allerdings wurde mein Zustand erst 1991, da war ich 35 Jahre alt, lebensbedrohlich. Nur eine Spenderlunge konnte mich zu diesem Zeitpunkt auf Dauer retten.
Mussten Sie lange auf ein passendes Organ warten? Wie hat sich dieses Warten für Sie ausgewirkt?
Nachdem ich ab 1991 bei Eurotransplant gemeldet war, begann das lange Warten. Das bedeutete, von nun an rund um die Uhr für Eurotransplant erreichbar zu sein. Während der folgenden zehn Jahre kam ich mehrmals für ein vorhandenes Organ infrage. Teilweise war ich schon im OP – bis sich herausstellte, dass die Qualität der jeweiligen Lunge doch nicht ausreicht. Meine tatsächliche Transplantation fand schließlich 2002 statt.
Wissen Sie, wer Ihnen das Organ gespendet hat?
In Deutschland bleibt die Organspende anonym. Ich weiß also nichts über „meinen“ Spender. Die Angehörigen erhalten von der DSO etwa sechs Wochen nach der Organspende einen Brief, in dem ihnen mitgeteilt wird, welche Organe der verstorbenen Person transplantiert wurden und wie es den Empfängern geht. Es gibt die Möglichkeit, über die DSO anonym einen Dankesbrief an die Angehörigen zu schreiben. Darüber hinaus können Spenderangehörige und Organempfänger an allgemeinen Begegnungstreff en der DSO teilnehmen.

Sie möchten endlich "Nägel mit Köpfen machen" und einen Organspende-Ausweis haben?

Verständlich, dass fast jeder bei einem so sensiblen Thema vielen Fragen hat. Informieren Sie sich zum Beispiel auf diesen Seiten
Deutsche Stiftung Organtransplantation

Die interaktive Informationstour "ORGANPATEN werden" der BZgA möchte Menschen anregen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Deshalb berührt sie alle Kernfragen zum Thema Organspende, redet offen über diese persönliche Entscheidung und regt zum Nachdenken an. Im direkten Gespräch vor Ort soll dabei keine Frage unbeantwortet bleiben.
Die Termine erfahren Sie unter www.organpaten.de/info-tour.