Einige familiäre Häufungen sind offenbar vielmehr darauf zurückzuführen, dass nahe Verwandte eines Krebspatienten aus Besorgnis häufiger zu einer Früherkennungsuntersuchung gehen. Bei ihnen werden Tumoren daher auch öfter oder in einem früheren Stadium entdeckt als in Familien, in denen keine Krebserkrankung bekannt war. Auf diesen Zusammenhang sind Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg bei einer Auswertung des schwedischen Familienkrebsregisters gestoßen.
Ihre Aussagen stützen die Forscher auf die Beobachtung, dass bei Angehörigen von Krebspatienten auffällig viele Tumoren im Jahr der ersten Krebsdiagnose in der Familie entdeckt wurden. Dieser Zusammenhang zeigte sich besonders deutlich bei Töchtern, deren Mütter an Brustkrebs erkrankt waren. Bei ihnen wurde im Jahr der Diagnose bei der Mutter knapp 5-mal häufiger ein lokaler Brustkrebs diagnostiziert als bei der Allgemeinbevölkerung. Fünf Jahre später war dagegen kaum noch eine familiäre Häufung zu beobachten. Ähnliche Effekte zeigten sich auch bei Geschwistern von Brustkrebspatientinnen.
Beim Brustkrebs gehen Experten bislang davon aus, dass fünf bis acht Prozent der Patientinnen ein vererbtes oder vererbbares Risiko aufweisen. Als ein Indiz für ein genetisches Risiko gilt etwa, wenn eine nahe Verwandte vergleichsweise jung erkrankt, mehrere Brustkrebspatientinnen in der Familie bekannt sind oder ein Mann von einem Brusttumor betroffen ist. Für gesunde Frauen, die auf Grund erblicher Belastung ein erhöhtes Erkrankungsrisiko tragen, empfehlen Experten daher besonders frühzeitige und regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen.