Ziel dieser Initiative des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ist es, sowohl Betrieben als auch ihren Mitarbeitern Anregungen für flexiblere Arbeitszeitmodelle zu geben, die damit gleichzeitig familienfreundlich sein sollen. Familienfreundlichkeit soll so zu einem herausragenden Merkmal der deutschen Wirtschaft werden. Aus diesem Grund wurde die genannte Kampagne im Rahmen des Unternehmensprogramms „Erfolgsfaktor Familie“ ins Leben gerufen.
Nach Ansicht von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder gehe die bisher übliche Alternative Vollzeit- oder Halbtagsbeschäftigung an den Wünschen und Bedürfnissen vieler Eltern vorbei. Erst durch flexiblere Arbeitszeiten mit 30 bis 35 Stunden – auch für Menschen in Führungspositionen – würden Frauen mehr Karrierechancen ermöglicht. Und auch dem Wunsch von Männern nach mehr Zeit für die Familie könne so entsprochen werden. Mit flexibleren Arbeitszeitmodellen, die zwischen Halbtagsjobs und Vollzeit angesiedelt sind, kann auch auf besondere Situationen und private Belastungen reagiert werden.
Innovative und flexible Arbeitszeitmodelle werden von Fachleuten zudem als eine gute Möglichkeit gesehen, vorhandene Mitarbeiter stärker an das Unternehmen zu binden oder neue Mitarbeiter zu gewinnen.
Interessierte Unternehmen finden unter www.erfolgsfaktor-familie.de Hintergrundwissen, Beratung zu rechtlichen Fragen und aktuelle Projekte. Anhand von Unternehmensporträts und Interviews mit Personalverantwortlichen wird aufgezeigt, worauf es bei der Einführung flexibler Arbeitszeitmodelle ankommt und wie diese bereits erfolgreich in Unternehmen genutzt werden.
Eine familienfreundliche Personalpolitik macht Mitarbeiter mit Kindern und vor allem Alleinerziehende glücklich und fördert ihre Karriere. Mitarbeiter werden an das Unternehmen gebunden, dem Fachkräftemangel wird entgegengewirkt und die Produktivität wird gesteigert. Arbeitgeber können sogar mit recht einfachen Maßnahmen Mütter und Väter, die im Berufsleben stehen, unterstützen.
Nur wenige Firmen in Deutschland haben eigene Betreuungsplätze für die Kinder der Mitarbeiter. Das ermittelte das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln (IW) im aktuellen Unternehmensmonitor Familienfreundlichkeit im Auftrag des Bundesfamilienministeriums und der Robert Bosch Stiftung. Ende 2009 hatten lediglich 2,4 Prozent der Firmen einen Betriebskindergarten oder eine eigene Kindertagesstätte. Damit ist der Anteil in den vergangenen Jahren gesunken: 2006 betrug er noch 3,5 Prozent. Zugleich sind weniger Firmen bereit, Eltern zum Beispiel durch finanzielle Zuschüsse oder einen Tagesmütterservice bei der Kinderbetreuung zu unterstützen. Mehr Entgegenkommen zeigen viele Chefs aber, wenn ein Kind krank ist und zuhause betreut werden muss. Mehr als die Hälfte der Unternehmen gesteht es Beschäftigten dann zu, auch über den gesetzlichen Anspruch von zehn Tagen pro Jahr hinaus zu Hause zu bleiben.
Auch wenn es mit der Umsetzung teilweise noch hapert, plant doch der Großteil der Unternehmen, sich mit Familienfreundlichkeit auseinander zu setzen. Fast 80 Prozent von rund 1.300 befragten Unternehmen geben dem Thema Familienfreundlichkeit eine hohe beziehungsweise eine relativ hohe Bedeutung. Bei der ersten Befragung im Jahr 2003 waren es erst 46 Prozent.
Unternehmen können das öffentliche Angebot von Kinderbetreuungsplätzen ergänzen und so die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für die Mitarbeiter verbessern. Eine familienbewusste Personalpolitik bietet nicht nur Vorteile für die Beschäftigten, sondern auch für die Betriebe selbst. So kommt zum Beispiel eine Studie der Prognos AG von 2003 zu dem Ergebnis, dass sich Investitionen in familienfreundliche Maßnahmen betriebswirtschaftlich rechnen. Dies bestätigen auch die Unternehmen, die familienfreundlich sind und dafür mit dem „audit Berufundfamilie“ ausgezeichnet wurden. Eine Befragung von zertifizierten Unternehmen durch das Forschungszentrum Familienbewusste Personalpolitik der Universität Münster zeigt, dass die Wertschöpfung pro Mitarbeiter dort höher ist als bei weniger familienfreundlichen Unternehmen.
Immer mehr Unternehmen betrachten die Kosten für die Kinderbetreuung weniger als reinen Kostenfaktor, sondern vielmehr als Investition. Denn durch das Betreuungsangebot sind die Mitarbeiter motivierter und engagierter, was Marktchancen eröffnet und die Wettbewerbsfähigkeit fördert. Auch für das positive Arbeitgeberimage (Employer Brand) ist die betriebliche Kinderbetreuung vorteilhaft. Es schafft Anreize für qualifizierte Arbeitskräfte, sich dort zu bewerben und hilft somit dem Unternehmen, Fachkräfte zu gewinnen. Dies ist aufgrund des fortschreitenden Fachkräftemangels ein wichtiger Aspekt. Weitere Gründe, sich als Unternehmen für eine familienfreundliche Personalpolitik zu engagieren, sind:
Dies sind nur einige Motive, sich als Unternehmen familienfreundlich zu geben. Der Unternehmensmonitor Familienfreundlichkeit des IW Köln bestätigt, dass die Unternehmen mit familienfreundlicher Personalpolitik auch eigene Vorteile haben.
Nach einer Befragung von 1319 Unternehmen im Januar 2009 durch das Institut der deutschen Wirtschaft wurden dafür folgende Gründe genannt:
| 93,2 Prozent | qualifierte Mitarbeiter halten oder gewinnen |
| 93,1 Prozent | die Arbeitszufriedenheit der Mitarbeiter erhöhen |
| 80,1 Prozent | die Produktivität steigern |
| 77,4 Prozent | aus der Elternzeit zurückkehrende Mitarbeiter schnell intergrieren |
| 75,3 Prozent | gesetzliche oder tarifvertragliche Vorgaben einhalten |
| 72,1 Prozent | Kosten durch geringere Fluktuation und niedrigeren Krankenstand senken |
| 66,4 Prozent | den Beschäftigten mehr Zeitsouveränität verschaffen |
| 62,9 Prozent | Überstunden zu reduzieren |
| 58,4 Prozent | einen zentralen Bestandteil der Personalentwicklung realisieren |
| 46,8 Prozent | ausdrückliche Wünsche der Mitarbeiter erfüllen |
| 45,2 Prozent | die Abwesenheitsdauer von Eltern oder Mitarbeitern mit pflegebedrüftigen Angehörigen verkürzen |
Mehrfachnennungen möglich
Nicht nur das Angebot von Kita-Plätzen macht Unternehmen familienfreundlich. Es gibt diverse Möglichkeiten, berufstätige Eltern zu unterstützen, unter anderem mit flexiblen Arbeitszeiten und Unterstützung während und nach der Elternzeit:
Für kleinere Unternehmen, bei denen der Betreuungsbedarf von Kindern der Mitarbeiter gering ist und öfter schwankt, bietet sich eine Kooperation mit anderen Unternehmen an. Wenn ein oder mehrere benachbarte Unternehmen ebenfalls Interesse an Kinderbetreuung haben, kann eine gemeinsame Kindertageseinrichtung gegründet werden. Hier können unterschiedliche Unternehmen oder auch andere Institutionen wie Behörden eine gemeinsame Tageseinrichtung für die Kinder aufbauen und nutzen. Die Vorteile sind:
Kleinere Unternehmen können meistens ganz anders auf Mitarbeiter mit Kindern reagieren, weil die Entscheidungswege kurz sind und alles individueller geregelt werden kann.
Hinweis: Unter www.business-wissen.de können Sie den kompletten Artikel inklusive Beispielen aus der Praxis nachlesen.