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Altersgerechte Arbeitsplätze – eine lohnende Investition

Damit Mitarbeiter dem Betrieb möglichst lange erhalten bleiben, müssen entweder ihre Arbeitsplätze altersgerecht gestaltet oder neue Einsatzbereiche gefunden werden. Positive Beispiele gibt es genug – und damit Anregungen für Unternehmen, die sich dieser lohnenden Herausforderung ebenfalls stellen wollen.

Altersgerechte Arbeitsplätze können auf verschiedene Weise geschaffen werden. Zum Beispiel durch Job-Rotation, Veränderung der Tätigkeit, Zuteilung neuer Aufgabenfelder, durch ergonomische Maßnahmen oder durch neue Betriebsstrukturen. Manchmal reichen dabei schon kleine Veränderungen.

Büro oder Werkstatt: Was ist notwendig?

Am einfachsten ist die Schaffung und Gestaltung altersgerechter Arbeitsplätze im Büro. Dies fängt an mit höhenverstellbaren Tischen und Stühlen, die möglichst ergonomisch gestaltet sind. Die Beleuchtung am Schreibtisch sollte doppelt so hell wie üblich sein, zum Licht von oben sollte noch eine Zusatzleuchte kommen. Ein größerer Bildschirm, noch dazu mit einer besonders hohen Auflösung, ermöglicht Älteren ein ermüdungsfreieres Arbeiten. Da sich die Augen älterer Menschen langsamer an unterschiedliche Lichtverhältnisse anpassen, dürfen zwischen verschiedenen Räumen keine allzu großen Helligkeitsunterschiede bestehen. Gerade im Handwerk ist es auf Grund der hohen körperlichen Belastung wichtig, altersgerechte Arbeitsplätze zu schaffen. Dabei gibt es vielfältige Möglichkeiten, wie Beispiele aus der Praxis klein- und mittelständischer Betriebe zeigen.

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Gesunde Arbeitsbedingungen schaffen

Haben es die Mitarbeiter eines Handwerksbetriebs oft mit schweren Lasten zu tun, sollte auf Hilfsmittel wie Treppenkarren oder Kräne zurückgegriffen werden. Neben der Bewältigung schwerer Lasten gehören Vibrationen zu den körperlichen Belastungen von Handwerkern, etwa bei der Arbeit mit einem Bohrhammer, einem Stemmhammer oder einem Winkelschleifer. Auf Dauer können die Hand-Arm-Vibrationen Gelenke und das darum liegende Gewebe schädigen. Vibrationsärmere Elektrowerkzeuge senken diese Belastungen, ob per „Autobalancer“, „Anti Vibration Technology“ oder „Vibration Control“. Die Schonung des Bewegungsapparats kommt vor allem älteren Handwerkern zugute. Eine weitere Maßnahme sind vibrationshemmende Handschuhe. Diese verfügen an den Handinnenflächen über spezielle Pols terungen, die Stöße und Vibrationen dämpfen. Einige Betriebe übernehmen die Kosten für Rückengymnastik-Kurse, um ihren Angestellten Anregungen für ein gesundes rückengerechtes Arbeiten zu geben. Zu den weiteren Maßnahmen gehören angemessene und bequeme Arbeitskleidung sowie spezielle Arbeitsschuhe, deren Sohlen individuell angepasst sind.

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Kleine Ideen mit großer Wirkung finden

Im Bereich der Arbeitsorganisation lassen sich bereits mit kleinen Veränderungen große Wirkungen erzielen. Eine Möglichkeit bietet beispielsweise der Einsatz älterer Mitarbeiter für die Betreuung älterer Kunden. Ihre Kundenansprache ist besonders zielgruppenorientiert. Ein Vorteil, wenn es etwa beim Innenausbau um barrierefreies Wohnen geht. So kann sich ein Betrieb gezielt auf eine wachsende Kundengruppe und einen Markt mit Zukunft einstellen. Notwendige Weiterbildungsmaßnahmen sorgen für Abwechslung zum beruflichen Alltag und schaffen zusätzliche Motivation weiterzuarbeiten. Ein weiteres Praxisbeispiel ist ein Netzwerk aus ehemaligen Mitarbeitern, die als 400-Euro-Kräfte beschäftigt oder mit zweijährigen Beraterverträgen ausgestattet werden. Ein anderes Unternehmen nutzt das Know-how ehemaliger Mitarbeiter, indem die Ruheständler technische Projekte und Serviceleistungen als Senior-Berater betreuen. Als Senior-Trainer werden Rentner mit technischen Spezialkenntnissen und verrentete Service-Techniker eingesetzt, die Schulungen durchführen.

Ein wertvoller Wissenstransfer lässt sich auch durch wechselnde Arbeitsgruppen mit gemischter Altersstruktur erreichen: Ältere erfahren so von den Jüngeren etwas über neue Technologien und Entwicklungen, Jüngere profitieren von den Erfahrungen und dem Wissen Älterer. Andererseits können Ingenieure im Ruhestand projektbezogen reaktiviert werden. Zum Beispiel wenn ein Auftrag abgewickelt werden muss, bei dem eine ältere Technologie zur Anwendung kommt, die jüngere Ingenieure nicht mehr kennen bzw. beherrschen.

Zu den arbeitsorganisatorischen Maßnahmen gehört auch ein altersgerechter Schichtplan: Weniger aufeinander folgende Nachtschichten, ein schnellerer Wechsel der Schichten und eine Vorwärtsrotation der Schichtabfolge. Ältere Mitarbeiter brauchen zudem flexiblere und häufigere kurze Pausen als ihre jüngeren Kollegen.

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Ein altersgerechtes Fließband

Manchmal lohnt es sich auch für mittelständische Betriebe, auf Konzerne zu schauen. In diesem Falle, wenn sie selbst nach dem Fließbandprinzip produzieren lassen. Denn ein führender Automobilhersteller hat für die Achsgetriebemontage erstmals ein altersgerechtes Fließband eingerichtet. Ohne die über 50-Jährigen wäre ein Dreischichtbetrieb kaum mehr aufrechtzuerhalten gewesen. Ziel war es, Arbeitnehmer körperlich weniger zu belasten. So finden jetzt sämtliche Handgriffe zwischen Bauch- und Schulterhöhe statt. Dadurch werden Schulter und Nacken entlastet, Partien, die bei monotoner Arbeit besonders gefährdet sind. Elastischer Holzboden statt Beton an den Arbeitsplätzen schont die Kniegelenke, dazu kommen Spezialschuhe.

An einer Fertigungsstraße haben die Monteure Hocker erhalten, damit sie sich auch an Steharbeitsplätzen hinsetzen können. Mit einer speziell entwickelten Zange werden die Achsgetriebe mit weniger Kraftaufwand montiert. Regale lassen sich in der Höhe verstellen. Werden einseitige Belastungen zu stark, wird an den Arbeitsplätzen rotiert. Gymnastikanleitungen hängen an den Maschinen, Physiotherapeuten können mit den Mitarbeitern direkt am Arbeitsplatz Übungen machen. Das Ergebnis: Die Produktivität der älteren Mitarbeiter gleicht der der Jüngeren am normalen Fließband, die Qualität ist sogar noch ein bisschen besser.

Sind allerdings die Arm-Hand-Bewegungen verlangsamt, ist Fließbandarbeit für Ältere weniger geeignet. Sofern organisatorisch möglich, ist Gruppenarbeit die bessere Alternative. Der (Zeit-)Druck des Arbeitstaktes ist geringer und Ältere können ihre Erfahrungen stärker einbringen.

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Belastungsdokumentation

Ein anderes Großunternehmen untersucht systematisch die Arbeitsplätze seiner Mitarbeiter, um unter dem Motto „Ergonomie am Arbeitsplatz statt Frühverrentung“ den Erfahrungsschatz und die Kompetenz älterer Mitarbeiter zu bewahren. Das „Belastungsdokumentationssystem“ (BDS) erfasst wichtige Parameter: physische Belastungen, das Gewicht zu bewegender Lasten, die Körperhaltung, Konzentrationsanforderungen, die Beleuchtungssituation, Lärm, Erschütterungen, Zugluft und Temperaturen. Alle Parameter zusammen ergeben das Ergebnis für den einzelnen Arbeitsplatz.

Grundsätzlich sind Verbesserungen oft auf einfache Weise zu erreichen. Beispielsweise muss ein Mitarbeiter nach der Umgestaltung seines Arbeitsplatzes nicht mehr in die Hocke gehen. Nun kann er seine Tätigkeit in aufrechter Körperhaltung ausführen und dadurch seinen Rücken schonen. Solche Veränderungen sind auch für klein- und mittelständische Unternehmen machbar. Positiver Nebeneffekt: Viele Maßnahmen kommen auch jüngeren Arbeitnehmern zugute – quasi als Prävention im Sinne einer vorausschauenden, auch alternsgerecht genannten Arbeitsplatzgestaltung.

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