Die Kinderlähmung (Poliomyelitis) hat noch in den 50er-Jahren auch in den Industriestaaten große Epidemien verursacht. Die Polioviren (es gibt drei verschiedene) werden durch Schmierinfektion über Kot übertragen. Die Symptome ähneln zunächst denen einer Virusgrippe. Befällt der Erreger das Zentralnervensystem, kommt es zu Lähmungen der Arme, Beine und Atmung. Todesfälle treten meist durch Atemlähmung auf. Nach Erkrankung besteht vermutlich eine lebenslange Immunität gegen das Virus, das die Krankheit verursacht hat, jedoch keine Immunität gegen die beiden anderen. Auf einen Patienten mit Lähmungen kommen mindestens 100 andere, die ebenfalls infiziert und damit ansteckend sind, aber keine Krankheitszeichen haben. Auch nachdem Europa von der WHO für poliofrei erklärt wurde, muss weiterhin gegen Polio geimpft werden, denn in Afrika und Asien ist die Krankheit noch verbreitet und kann von hier wieder bei uns eingeschleppt werden.
Die Poliomyelitis-Impfung ist für alle Kinder ab 2 Lebensmonaten empfohlen, eine Auffrischimpfung erfolgt im Jugendalter. Erwachsene sollten 4 Impfungen im Laufe ihres Lebens erhalten haben, egal ob mit dem früher gebräuchlichen Schluckimpfstoff oder der seit 1998 empfohlenen Infektionsimpfung. Auffrischimpfungen sind nur aus beruflichen Gründen oder vor einer Reise nach Asien oder Afrika empfohlen. Europa ist seit 2002 poliofrei.