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Gleitzone im Niedriglohnbereich

Für Beschäftigte im Niedriglohnbereich, auch Gleitzone genannt, gibt es eine besondere Beitragsberechnung. Die Gleitzonenregelung verhindert bei Überschreiten der Geringfügigkeitsgrenze einen abrupten Anstieg der Beitragsbelastung auf den vollen Sozialversicherungsbeitrag. So bleiben niedrig bezahlte Jobs attraktiv.

Berechnung der Gleitzonenformel

Arbeitnehmer mit einem regelmäßigen monatlichen Arbeitsentgelt in der Gleitzone von 450,01 Euro bis 850 Euro zahlen einen mittels Gleitzonenformel reduzierten Anteil am Gesamtsozialversicherungsbeitrag. Der Beitragsanteil des Arbeitgebers wird hingegen aus dem tatsächlich erzielten Arbeitsentgelt berechnet. Die Berechnung vereinfacht unser Gleitzonenrechner.

Gleitzone im Niedriglohnbereich

Innerhalb der Gleitzone besteht in allen Zweigen der Sozialversicherung grundsätzlich Versicherungspflicht nach den allgemeinen Vorschriften. Abweichungen ergeben sich bei Entgelten in der Gleitzone hinsichtlich der Höhe des beitragspflichtigen Arbeitsentgelts und der Tragung der Beiträge.

Bezieht ein Arbeitnehmer regelmäßig ein monatliches Entgelt von 450,01 Euro bis 850 Euro, liegt er mit seinem Verdienst in der Gleitzone. Hier steigen die Arbeitnehmer-Beiträge zur Sozialversicherung gleitend von einem ermäßigten auf das reguläre Niveau an. Bei mehreren Beschäftigungen zählt das insgesamt erzielte Arbeitsentgelt.

Die Ermäßigung bezieht sich nur auf die Sozialversicherungsbeiträge des Arbeitnehmers – nicht auf die des Arbeitgebers. Einer Ihrer Mitarbeiter verdient mindestens 450,01 und höchstens 850 Euro? Dann berechnen Sie die Beiträge zur Sozialversicherung auf Grundlage der sogenannten fiktiven beitragspflichtigen Einnahme.

Übrigens: Mehrere versicherungspflichtige Beschäftigungen müssen addiert werden. Liegt der Gesamtverdienst in Summe über 850 Euro, so gelten die Regelungen der Gleitzone nicht.

Die Regelungen sind ebenso nicht anzuwenden bei folgenden Personenkreisen:

  • Auszubildende

  • Arbeitnehmer, deren Beiträge aufgrund eines fiktiven Arbeitsentgelts ermittelt werden (zum Beispiel behinderte Menschen in anerkannten Werkstätten für behinderte Menschen)

  • Personen, die an einer Wiedereingliederungsmaßnahme teilnehmen

  • Bezieher von Kurzarbeiter- oder Saison-Kurzarbeitergeld

  • Teilnehmer am freiwilligen sozialen oder freiwilligen ökologischen Jahr

  • Umschüler

Berechnung der Sozialversicherungsbeiträge

Während der Arbeitgeber auch in der Gleitzone seinen Anteil am Gesamtsozialversicherungsbeitrag vom tatsächlichen Bruttoarbeitsentgelt zahlt, trägt der Arbeitnehmer seinen Beitragsanteil nur von der fiktiven beitragspflichtigen Einnahme. Der Zusatzbeitrag in der Krankenversicherung sowie der Beitragszuschlag in der Pflegeversicherung für Kinderlose sind von den Beschäftigten hingegen allein zu tragen.

Der Beschäftigte hat allerdings die Möglichkeit, auf Antrag seine Beiträge zur Rentenversicherung aus dem vollen Arbeitsentgelt zu zahlen. Damit erhöht sich sein Beitragsanteil auf die Hälfte des vollen Beitrages. Die Erklärung zur Zahlung höherer Rentenversicherungsbeiträge hat der Beschäftigte gegenüber seinem Arbeitgeber abzugeben. Sie kann für die Dauer der Beschäftigung nicht zurückgenommen werden und wirkt nur für die Zukunft.

  • 1. Schritt

    Zunächst bestimmen Sie die fiktive beitragspflichtige Einnahme nach der Formel:

    F x 450 + ([850/(850-450)] - [450/(850-450)] x F) x (AE - 450)

    Hier steht der Buchstabe 'F' für den sogenannten Gleitzonenfaktor, der jedes Jahr vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales festgelegt wird. Für das Kalenderjahr 2020 beträgt er 0,7547 (30 Prozent / 39,55 Prozent). Das Kürzel 'AE' bezeichnet das tatsächliche Arbeitsentgelt. Durch Einsetzen der Zahlen errechnen Sie die fiktive beitragspflichtige Einnahme.

    Die für das Kalenderjahr 2020 anzuwendende Formel kann wie folgt vereinfacht werden, wobei die ungerundeten Werte (ohne Kürzung der Nachkommastellen) anzusetzen sind:

    Beitragspflichtige Einnahme = 1,129864706 x AE – 168,824117647

    Beispiel: 

    Beschäftigung mit einem regelmäßigen monatlichen Arbeitsentgelt von 650 € – Berechnung  der beitragspflichtigen Einnahmen für das Kalenderjahr 2020:

    Beitragspflichtige Einnahme = 1,129864706 x 650 € – 168,824117647 
    Beitragspflichtige Einnahme = 565,59 €

  • 2. Schritt

    Von dieser fiktiven Einnahme berechnen Sie nun die Gesamtbeiträge zur Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung unter Anwendung des jeweils halben Beitragssatzes und verdoppeln anschließend den kaufmännisch gerundeten Betrag. So vermeiden Sie Rundungsdifferenzen.

  • 3. Schritt

    Dann bestimmen Sie die Arbeitgeber-Beitragsanteile und zwar nicht von der fiktiven beitragspflichtigen Einnahme, sondern vom tatsächlichen Arbeitsentgelt und unter Anwendung des halben Beitragssatzes.

  • 4. Schritt

    Von den Gesamtbeiträgen ziehen Sie die Arbeitgeber-Beitragsanteile ab und ermitteln so die Arbeitnehmer-Beitragsanteile.  

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Mehrere Beschäftigungen

  • Wenn ein Arbeitnehmer mehrere Beschäftigungen ausübt, so werden die Arbeitsentgelte aus allen Beschäftigungen zusammengerechnet, um die entsprechenden Sozialversicherungsbeiträge ermitteln zu können. Dabei gilt die besondere Gleitzonen-Beitragsberechnung immer dann, wenn die Summe der Einkünfte zwischen 450,01 und 850 Euro liegt. 

  • Beispiel

    Beschäftigung A mit einem monatlichen Arbeitsentgelt von 350 €
    Beschäftigung B mit einem monatlichen Arbeitsentgelt von 250 €

  • Ergebnis

    Die monatlichen Arbeitsentgelte der beiden geringfügigen Beschäftigungen liegen zwar jeweils unterhalb der Gleitzone, da jedoch die Summe der monatlichen Arbeitsentgelte in Höhe von 600 € in der Gleitzone liegt, finden die besonderen Regelungen zur Gleitzone Anwendung. 

  • Hinweis

    Insbesondere bei geringfügigen Nebenbeschäftigungen können die besonderen Vorschriften über die Zusammenrechnung mit der Hauptbeschäftigung zu unterschiedlichen versicherungsrechtlichen Beurteilungen führen. Soweit der Beschäftigte in der Nebenbeschäftigung in einzelnen SV-Zweigen versicherungsfrei bleibt bzw. in der Rentenversicherung von der Versicherungspflicht befreit ist, sind daraus zu den betreffenden Versicherungszweigen auch keine individuellen Beiträge zu zahlen.

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Gleitzonen-Beitragsrechner

Gleitzonenrechner

Meldungen

Ein Meldetatbestand für den Eintritt in eine oder den Austritt aus einer Beschäftigung der Gleitzone besteht nicht. Bei einem Eintritt oder Austritt einer Beschäftigung in oder aus der Gleitzone sind demnach keine Meldungen durch den Arbeitgeber abzugeben.

Bei Beschäftigungen in der Gleitzone ist die Meldung mit einem Merkmal zu versehen, sofern ein Arbeitsentgelt (Jahresmeldung, Abmeldung, Unterbrechungsmeldung) gemeldet wird. 

Folgende Schlüssel sind zulässig:

  • 0 = Kein Arbeitsentgelt innerhalb der Gleitzone bzw. Verzicht auf die Anwendung der Gleitzonenregelung in der gesetzlichen Rentenversicherung

  • 1 = Gleitzone; tatsächliche Arbeitsentgelte betragen in allen Entgeltabrechnungszeiträumen von 450,01 Euro bis 850 Euro

  • 2 = Gleitzone; Meldung umfasst sowohl Entgeltabrechnungszeiträume mit tatsächlichen Arbeitsentgelten von 450,01 Euro bis 850 Euro als auch solche mit Arbeitsentgelten unter 400,01 Euro oder über 800 Euro.

  • Hinweis: Bei Angabe der Kennziffern "1" oder "2" ist in die Meldungen als beitragspflichtiges Bruttoarbeitsentgelt die reduzierte beitragspflichtige Einnahme einzutragen.

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