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Raus, spazieren gehen, Sonne tanken

Die Sonne scheint heller, es wird endlich wärmer, die Tage werden länger – doch statt wacher zu werden, befällt viele von uns nun die Frühjahrsmüdigkeit. Wie geht das zusammen? Und was kann ich dagegen tun? Wir haben nachgefragt: Bei der Schlaf-Bloggerin Katharina Kunzmann.

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Interview mit Katharina Kunzmann

Katharina Kunzmann ist Journalistin, Buchautorin und Bloggerin. Ihr Thema: Schlaf. Ihr könnt der Schlafmütze (Katharina über Katharina!!!) auf Instagram folgen oder ihr besucht ihr Blog.

  • Wie hast du heute Nacht geschlafen?

    Ich habe heute Nacht gut geschlafen, danke. Was für mich ungewohnt ist, dass ich mir morgens einen Wecker stellen musste – wegen unseres Termins. Ich bin selbstständig und schlafe deshalb meistens aus, bis ich von selbst aufwache. Aber die Schlafqualität war super.

  • Klingt beneidenswert. Kann man gut schlafen lernen?

    Man kann das lernen, ja. In einem ersten Schritt würde ich bei der eigenen Schlafhygiene ansetzen.

  • Was bedeutet Schlafhygiene?

    Das bedeutet nicht nur Betten waschen und alles sauber halten. Dazu gehören auch so Dinge wie: Schaue ich abends auf mein Handy? Das sollte man nämlich nicht tun. Gute und schlechte Gewohnheiten, aber auch die Rahmenbedingen im Schlafzimmer bestimmen die Schlafhygiene.

Schlafhygiene ist, dass man sich abends bewusst auf die Ruhezeit vorbereitet und man keine Dinge macht, die dem Schlaf abträglich sind.
Katharina Kunzmann
  • Stimmt es, dass das blaue Licht der Handy-Displays die Leute wachhält?

    Die Bildschirme sind hell, das registrieren unsere Augen. Immer, wenn es hell ist, wird dem Körper vermittelt: Es ist Tag. Dann werden auch die entsprechenden Hormone gebildet. Beziehungsweise die richtigen Hormone werden nicht gebildet. Nämlich die Schlafhormone, die wir brauchen, um müde zu werden. Deshalb sollte man abends nicht aufs Handy schauen. Auf den Laptop übrigens auch nicht.

  • Was gehört noch zur Schlafhygiene? Jeden Tag ein frischer Pyjama?

    Nein, das braucht man nicht. Das Beste ist, ein Ritual einzuführen. Unser Körper lernt immer noch dazu. Er lernt, wenn wir ein Ritual gefunden haben, dass nach der Aktion nun Schlafenszeit ist. Entsprechend schüttet er die richtigen Hormone aus, die den Körper runterfahren lassen.

  • Und wie könnte ein solches Ritual aussehen?

    Das ist bei jedem anders. Der eine möchte vielleicht in die Badewanne, der andere mag noch ein paar Seiten lesen oder im Tagebuch schreiben. Auch sanftes Yoga oder Meditieren sind ein tolles Ritual.

  • Andere trinken drei Bier! Hilft das auch?

    Ja und nein. Alkohol hilft tatsächlich beim Einschlafen, denn der entspannt nicht nur die Zunge, sondern auch alles andere auch.  Auf lange Sicht aber tut man sich damit keinen Gefallen, denn Alkohol ist ein Nervengift. Wir schlafen zwar besser ein, aber wir schlafen viel schlechter durch. Deshalb fühlen wir uns am nächsten Morgen auch nicht so frisch, wenn wir abends drei Bier getrunken haben.

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  • Stimmt es eigentlich, dass der Schlaf vor Mitternacht wichtiger ist als der Schlaf danach?

    Das stimmt so nicht. Es ist im Grunde egal, wann wir uns schlafen legen. Wichtig ist, dass wir auf die Schlaflänge kommen, die für uns richtig ist. Das ist meist um die acht Stunden. Es gibt aber tatsächlich Frühaufsteher und eher Nachtmenschen, sogenannte Eulen und Lerchen. Und die werden zu einem anderen Zeitpunkt müde. Als Nachteule tut sich dann keinen Gefallen, wenn man sich vor Mitternacht hinlegt – denn als Nachtmensch bin ich da noch nicht müde.

  • Woher kommt dann dieses Gerücht?

    Es mag damit zu tun haben, dass die Menschen einfach mit der Lichtentwicklung gelebt haben. Dass es abends dunkler wird und gegen Mitternacht einfach die meisten Leute müde geworden sind.

  • Du hast vorhin acht Stunden Schlaf für einen Erwachsenen angesprochen. Ist das generell die Dauer oder verändert sich das im Laufe eines Lebens?

    Für einen Erwachsenen ist alles zwischen sechs und neun Stunden normal. Die Zeitspanne ändert sich die ganze Zeit im Leben. Senioren schlafen unterm Strich auch so um die acht Stunden. Nur zerfällt der Schlaf da in mehrere Phasen. Man denke an das Mittagsschläfchen der Oma. Aber unterm Strich wird es nicht viel weniger.

  • Kommt es bei meiner Schlafqualität eigentlich auch auf das Bett an, in dem ich schlafe?

    Ja und nein. Ein Bett, das genau zu dir passt, ist der Idealfall. Aber eine generelle Regel, die für alle gilt, gibt es nicht. Denk nur an den harten Futon der Asiaten – für Europäer ungewohnt, für andere ganz normal. Und schau doch nur die körperlichen Unterschiede an: Ich bin 1,50 Meter und mir ist nachts eher kalt, es gibt andere Menschen, die sind 1,90 und denen ist es nachts zu warm – wie sollte da eine Matratze für alle passen?

Die innere Uhr synchronisiert sich immer mit dem Sonnenlicht, egal, was auf unserer Armbanduhr für eine Zeit angezeigt wird. Bei der Zeitumstellung kommen einige etwas aus dem Tritt. Das ist wie ein Mini-Jetlag, der tangiert auch einige mehr, andere weniger.
  • Aber es macht Leute nicht krank – oder?

    Ich halte diese Stunde mehr oder weniger gesundheitlich für nicht so tragisch. Was man aber nicht wegdiskutieren kann, sind die Zahlen. An den Tagen nach der Zeitumstellung passieren einfach deutlich mehr Autounfälle. Deshalb bin ich auch dafür, dass man die Zeitumstellung abschafft.

  • Ein anderes Thema, das uns nun gerade betrifft, ist die Frühjahrsmüdigkeit. Gibt es die denn wirklich oder ist das nur ein Mythos?

    Die gibt es wirklich. Ungefähr die Hälfte der Menschen spürt die tatsächlich körperlich. Junge Menschen häufiger als Ältere. Und Frauen öfter als Männer.

  • Warum denn das?

    Es spüren besonders die Menschen, die wetterfühlig sind und einen schwachen Kreislauf haben – was Frauen häufiger betrifft als Männer. Worin der Zusammenhang aber genau besteht, konnten Wissenschaftler noch nicht eindeutig nachweisen.

  • Woran liegt denn das überhaupt, dass man im Frühling müde wird?

    Unser Hormonhaushalt kommt ein bisschen aus dem Gleichgewicht, wenn es länger hell ist. Im Winter sind die Tage kurz und eher dunkel, da dominiert das Schlafhormon Melatonin. Im Frühling dominiert das Glückshormon Serotonin. Das wird nur produziert, wenn die Sonne scheint.

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  • Aber dann müssten wir doch einfach alle wacher werden, nicht müder.

    Es ist die Umstellung im Körper, die zu einer größeren Belastung führt. Es dauert ungefähr zwei Wochen, bis die Umstellung geschafft und der Körper wieder im Gleichgewicht ist. Bei Extremfällen kann es auch bis zu einem Monat dauern.

  • Kann ich etwas dagegen tun?

    Es ist dann das allerwichtigste, Sonne zu tanken, damit die Serotonin-Bildung angeregt wird. Um das in Schwung zu bringen: Rausgehen, Sonne tanken, Spazieren gehen – den Kreislauf anregen. Dann wird das wieder. Am besten ist es, Sport im Freien zu machen. Aber es hilft auch schon, in der Sonne zu sitzen.

Das ist erfreulich. Vielen Dank für das Gespräch! Und allzeit eine gute Nacht!

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