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Der BVB und die Menschenrechte – Teil I

Was hat Fußball mit den Menschenrechten zu tun? Eine ganze Menge. Schließlich basieren sowohl der Sport, als auch das Zusammenleben auf dem Gedanken des „Fair Play“. Der BVB engagiert sich intensiv in diesem Bereich. Die Aktivitäten des Vereins sind in der Abteilung Corporate Responsibility gebündelt. Wir haben uns mit Abteilungsleiter Daniel Lörcher unterhalten.

  • In der ersten Mannschaft des BVB spielen 27 Sportler aus 18 verschiedenen Nationalitäten zusammen. Im Profisport funktioniert kulturelle Vielfalt ganz offensichtlich.

    Ja, das stimmt. Unsere erste Mannschaft lebt tagtäglich vor, dass und wie ein Miteinander funktioniert. Diese Heterogenität ist aber auch ein Spiegel unserer Gesellschaft – und damit der Fans. Unsere Anhänger sind ja auch sehr vielfältig. Da gibt es nicht nur die weißen Fans christlichen Glaubens. Unsere Fans sind sehr divers – und das ist auch gut so. 

  • Und wie erreicht ihr diese Fans?

    Das funktioniert über unterschiedliche Ansätze. Wir machen vor, dass es vollkommen normal ist, in einer heterogenen Gesellschaft zu leben. Unser Vorteil ist die enorme Strahlkraft des BVB. Wir machen es uns zunutze, dass BVB-Fans Interesse daran haben, mit ihrem Verein gemeinsam etwas zu erleben. Das kann ganz unterschiedlich sein: Fußballspiele, aber auch mal eine Bildungsreise. Die Klammer Fußball und die emotionale Nähe der Menschen zum BVB ermöglichen es uns, auch über andere Themen ins Gespräch zu kommen. 

  • Klappt das mit dem Vorleben denn? Ist Rassismus im Fußball – gerade im Stadion – nicht immer noch weit verbreitet?

    Das stimmt so nicht mehr. In den vergangenen Jahren hat es da schon einen großen Wandel gegeben. Es ist gottseidank nicht mehr alltäglich, dass schwarze Spieler mit Affenlauten bedacht werden. Aber darauf dürfen wir uns nicht verlassen. Wir müssen uns ständig vor Augen halten, dass wir vielfältig sind. Wir müssen diesen gemeinsamen Kontext immer wieder herstellen. 

  • Wie kann das gelingen?

    Indem wir nicht nur sagen, wie wir nicht reden wollen. Wir müssen positiv motivieren, sich aktiv gegen rassistisches Gedankengut zu stellen; und der BVB hat hier klare Botschaften. 

  • Welche Botschaften sind das?

    In einem ersten Schritt hat der BVB erklärt, dass er für Vielfalt und Toleranz steht. Danach, in den Jahren nach 2013, hat er sich deutlich gegen Rassismus, gegen Antisemitismus gestellt. Die einzelnen Diskriminierungsformen wurden klarer benannt. Die Botschaften sind über die Langfristigkeit immer stärker geworden. 

  • Vor einiger Zeit wurde die Mannschaft des BVB für eine Kampagne gekapert, die sich gegen rechte Gewalt ausgesprochen hat. Auf großformatigen Plakaten wurden Spieler gezeigt, die Slogans wandten sich gegen Nazis. Wie habt ihr diese Initiative aufgenommen?

    Das war rein rechtlich betrachtet natürlich eine klare Markenrechtsverletzung (lacht), aber gleichzeitig haben die Botschaften uns so gut gefallen, dass es schwierig war, sich davon zu distanzieren. Wir haben erklärt, dass wir nicht dafür verantwortlich sind, wenngleich wir die Botschaften inhaltlich gut finden. Ich fand aber vor allem die Entwicklung cool, die dahintersteckt. 

  • Welche Entwicklung meinst du damit?

    Vor zehn Jahren wäre wohl niemand auf die Idee gekommen, unter der BVB-Flagge so etwas zu machen. Heute wird dagegen die Frage gestellt: Ist das wirklich der BVB, oder nicht? Das heißt, der Schritt, den der BVB gemacht hat, wird dadurch eher noch bestärkt. Der BVB könnte der Absender sein, dem wird so eine Message zugetraut. 

  • Das ist im Vergleich zu 2012 – Schlagzeile in der taz: „Der BVB ist auf dem rechten Auge blind“ – schon nicht verkehrt.

    Ja, das stimmt. Damals gab es leider einige unschöne Vorfälle. Es gab den Nationalen Widerstand Dortmund, der verboten wurde, und als Reaktion darauf gab es einen Solidaritätsbanner auf der Süd. Es gab einen tätlichen Angriff auf einen Fanprojektmitarbeiter und einen Fanbetreuer von Neonazis. Es gab den Vorwurf der Verwicklung von Ordnern in die rechte Szene. Generell ein Klima, das nicht nur von der organisierten extremen Rechten kam. Es war ein Klima, in dem Rassismus anknüpfungsfähig war. 

  • In den Profi Mannschaften funktioniert das bunte Miteinander ja sehr gut. Was könnt ihr dazu beitragen, dass es auch bei den Fans nachhaltig funktioniert?

    Wir versuchen, Menschen zu bestärken, in Diskussionen zu gehen, Haltung zu zeigen, Stellung zu beziehen. Das ist die Rolle, die der BVB gut ausfüllen kann. Wir können klare Stellungnahmen abgeben, auch bei rechtem Terror wie in Halle oder in Hanau. Das klar zu benennen, zu sagen, das war ein antisemitischer Anschlag, das war rechter Terror - damit bestärken wir auch die Menschen, das selbst zu benennen, in ihrem Umfeld Stellung beziehen. Unsere Fans sollen denken dürfen: Wenn unser Verein das klar benennt, dann kann ich das auch so benennen! Man findet dort Argumente, wie man beispielsweise im Familien- oder Freundeskreis gegen jemand argumentiert, der gegen Flüchtlinge wettert. 

  • Auf welchen Kanälen erreicht ihr eure Zielgruppe?

    Auf allen uns zur Verfügung stehenden. Unsere Zielgruppe sind alle BVB Fans, die ein Interesse daran haben, mit uns gemeinsam etwas zu machen. Wir bieten Workshops an, veranstalten Lesungen oder laden zu Bildungsreisen ein. In solchem Rahmen funktioniert es über die gezielte Ansprache, manchmal sind es auch offene Mitteilungen über die Homepage oder das Mitgliedermagazin. Und dann sind da natürlich auch die Social-Media-Kanäle mit einer kumulierten Reichweite im zweistelligen Millionenbereich. Wir wollen unsere Botschaften gezielt sehr breit streuen, um möglichst vielen Fans die Chance zu geben, daran teilzunehmen. 

Noch mehr Infos zum Engagement in Sachen Menschenrechte gibt´s im zweiten Teil des Interviews.

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