© Getty Images

Walking Football: Die Kunst, eine ruhige Kugel zu schieben

Wenn größere Wehwehchen das Fußballspielen erschweren, hört gerade für ältere Spieler der Ball auf zu rollen. Doch mit Walking Football können auch Senioren noch lange in Aktion treten. Worum handelt es sich dabei genau und wie unterscheidet sich Walking Football vom normalen Fußball?

© Mareen Meyer

Als im Jahr 1966 die ganze Welt darüber diskutierte, ob der Ball nun vor oder hinter der Torlinie des Wembley-Stadions landete, ereignete sich auch im Leben von Wolfgang Spenner ein wichtigeres Ereignis: der Eintritt in den ersten Fußballverein.

Beim SC RW Verne machte er die ersten Schritte, lernte dort das Handwerk eines Fußballers. Wegen seiner Ausdauer wurde Wolfgang von den Mitspielern beneidet – und seinen Gegnern gefürchtet. „Meine bevorzugte Position war das offensive Mittelfeld. Dort kam mir meine Stärke sehr entgegen.“

Spritzigkeit und Ausdauer – Eigenschaften, die sich beim heute 64-Jährigen nicht mehr abrufen lassen. Doch die Liebe zum Fußball ist weiterhin ungebrochen, weshalb sich Wolfgang heute noch als aktiver Spieler das Trikot von Borussia Dortmund überstreift, um für seinen Verein auf Torjagd zu gehen.

© iStockphoto

Walking Football: Laufen strengstens untersagt!

Möglich ist das im Walking Football, einer Variante des eigentlichen Fußballsspiels. Hier können Fußballliebhaber, die die 60 Jahre überschritten haben, wieder für ihren Verein kicken – trotz Knie-, Hüft-, oder Rückenprobleme. Gespielt wird 6 vs. 6 auf kleine Tore ohne Torwart auf einem 21 mal 42 Meter großen Feld.

Wichtig: Wer rennt, begeht ein Vergehen. Denn das Reglement sieht vor, dass dynamische Bewegungen wie Sprints nicht ausgeübt werden dürfen, ebenso Grätschen und Körperkontakt. Außerdem darf der Ball nur bis Hüfthöhe gespielt werden. Das macht das Spiel etwas langsamer und für die Silver Surfer des Rasens wieder attraktiv.

„Deshalb ist ein gutes Auge für den eigenen Mann und Passgenauigkeit im Walking Football enorm wichtig“, erklärt Wolfgang. „Man kann halt niemanden steil schicken.“

© BVB/IKK Classic

Ausdauertraining

Neben Schnelligkeit ist für Fußballer natürlich auch Ausdauer wichtig. Lest hier, wie die Profis ihre Ausdauer trainieren!

Mehr erfahren

Walking Football: In England fing alles an

Erstmals wurde Walking Football im Jahr 2011 beim Chesterfield FC Community Trust gespielt. Heute gibt es alleine in England rund 1000 Mannschaften, die auch in großen Vereinen Anschluss gefunden haben.

Und das nicht nur in England: Auch für klanghafte Vereine wie Benfica Lissabon, 1. FC Köln, Feyenoord Rotterdam, Club Brügge und Bayer 04 Leverkusen laufen die älteren Fußballfans wieder auf. Turniere können im Walking Football also auch groß gedacht werden. Internationale Bekanntschaften und Netzwerke können sich so leicht schließen bzw. knüpfen.  

Auch BVB-Geschäftsführer Carsten Cramer hält Walking Football für eine gute Sache: „Fußball ist tief im Herzen unserer Fans verankert. Und für alle, die auch im steigenden Alter noch aktiv mit Gleichgesinnten kicken möchten, haben wir mit Walking Football ein altersgerechtes und zugleich gesundheitsförderndes Fußballangebot geschaffen.

Walking Football: Sport und Bewegung stehen im Vordergrund

Für die BVB Senioren war der erste Turnierauftritt auch gleich ein Erfolg, als das Team im Oktober letzten Jahres in Gelsenkirchen einen respektablen siebten Platz verbuchen konnte, nach gerade einmal einem Monat nach Gründung der Mannschaft. Eine Möglichkeit zur Revanche gibt es in diesem Frühjahr, wenn die gleichen Teams diesmal in den Niederlanden aufeinandertreffen.

Doch nicht nur der sportliche Wettkampf steht beim Walking Football im Vordergrund, auch das gesellschaftliche Zusammenkommen soll durch den Sport gefördert werden. So ist Walking Football vor allem als Prävention- und Gesundheitssport zu verstehen, der die Stärkung des Gemeinschaftsgefühls und Spaß am Fußball fördern möchte.

© Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA

„Der Leistungsdruck ist sicher nicht so hoch wie der damals in der Jugend“, sagt Wolfgang „Wir bewerten Niederlagen nicht allzu hoch.“ Ob ihm das Tragen des BVB-Emblems auf der Brust trotzdem zur Hochleistung animiert: „Selbstverständlich versucht man 100 Prozent zu geben. Ich kenne das nicht anders.“