Arm einer Frau mit drei Impf-Pflastern

Booster-Impfung: Aufgefrischt geschützt

Alle sprechen über die Booster-Impfung gegen Corona – und ob damit Nebenwirkungen oder Risiken verbunden sind. Doch Auffrischungsimpfungen sind auch bei anderen Krankheiten schon lange üblich. Warum es Booster schon immer gab, welcher Impfstoff für wen geeignet ist und wann man boostern sollte – alle aktuellen Infos auf einen Blick.

Nach wie vor gilt, dass die Corona-Impfung das beste Mittel gegen die Pandemie ist. Doch manche Menschen sind verunsichert, so schnell nach der zweiten Dosis nun eine dritte Injektion zu bekommen. Hieß es nicht, dass man nach zwei Spritzen auf der sicheren Seite sei? So ist es kein Wunder, dass die Debatte um die Auffrischungsimpfung mindestens ebenso erbittert geführt wird, wie bereits um die ersten beiden Impfungen.

Doch die Corona-Lage ändert sich beinahe täglich. Deshalb sind auch die Empfehlungen aus der Wissenschaft nicht in Stein gemeißelt. Neue Erkenntnisse kommen hinzu und neue Studien werden veröffentlicht, genauso werden alte Annahmen in Frage gestellt oder an die sich verändernden Realitäten der Pandemie angepasst. Das gehört zu den Fundamenten wissenschaftlichen Arbeitens.

Groß angelegte Booster-Impfungen gelten nun als das beste Mittel, um die akute vierte Corona-Welle abzuschwächen und die drohende fünfte Welle durch die Omikron-Variante weitestgehend zu verhindern. Doch was genau bedeutet das für den einzelnen Menschen? Sollte man sich den Booster holen? Welche Nebenwirkungen sind zu befürchten? Und wenn ja, wann und mit welchem Impfstoff sollte die Auffrischungsimpfung geschehen? Das ist der aktuelle Stand der Forschung:

Booster-Impfung empfehlenswert nach drei Monaten

Angesichts der drohenden raschen Ausbreitung der Omikron-Variante rät die Ständige Impfkommission (STIKO) nun zu einer früheren Corona-Drittimpfung: Sie empfiehlt allen Erwachsenen das Boostern bereits drei Monate nach der vollständigen Impfung. 

Aktuellen Daten zufolge ist die Grundimmunisierung durch die ersten beiden Impfungen gegenüber der Omikron-Variante deutlich geringer als gegenüber den zuvor bekannten Varianten des Erregers. Der Impfschutz beginne bereits nach drei bis vier Monaten signifikant nachzulassen. Durch die dritte Impfung steige die Schutzwirkung aber wieder deutlich an. 

Bevorzugt geimpft werden sollten Personen über 70 Jahre und Menschen mit Immunschwäche. Auch Schwangeren wird eine Booster-Impfung ab dem zweiten Trimester empfohlen. Eine Ausnahme sind Personen, die bei ihrer COVID-19-Impfung den Impfstoff von Johnson & Johnson erhalten haben. Hier sollte eine zusätzliche Injektion mit einem mRNA-Impfstoff bereits nach vier Wochen erfolgen, um eine Grundimmunisierung zu gewährleisten.

Das Land Niedersachsen hat vor kurzem eine dritte Impfung sogar schon nach vier Wochen in Aussicht gestellt. Zu beachten ist, dass die empfohlenen Zeitangaben zwischen der zweiten Impfung und dem Booster keine "harte Grenze" darstellen, wie es Markus Beier, Präsident des Bayerischen Hausärzteverbandes ausdrückt, sondern vielmehr eine Richtschnur sind, die nicht auf den Tag genau eingehalten werden muss.

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Booster sind auch bei anderen Impfungen nicht ungewöhnlich

Dass sich die von Wissenschaftlern und Gesundheitspolitikern genannten Abstände zwischen den einzelnen Corona-Impfungen unterscheiden, offenbart jedoch keine Widersprüche, sondern ist der dynamischen Situation geschuldet. Während in normalen Zeiten jahrelang nach dem allerbesten Impfschema gesucht werden könne, so Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, sei in der Corona-Pandemie dafür schlichtweg keine Zeit. Es ging also zunächst darum, großen Teilen der Bevölkerung so schnell wie möglich einen soliden Impfschutz zur Verfügung zu stellen. Nun wird versucht, diesen Schutzmechanismus so gut wie möglich zu optimieren.

Mehrfache Impfungen sind dabei kein Corona-spezifisches Phänomen und sagen zunächst auch nichts über die Wirksamkeit der Impfstoffe aus. Das offenbart bereits ein Blick in den eigenen Impfpass, oder – wenn es zu lange her ist – in den der eigenen Kinder. Auch wenn es um andere Krankheitserreger geht ­– wie etwa Diphtherie, Tetanus oder Polio – erfolgt zunächst eine Grundimmunisierung, dann etwa vier Wochen später eine zweite Dosis und nach einem halben Jahr eine dritte Impfung, um einen vollständigen Impfschutz zu erhalten.

Selbst dann sind bei bestimmten Erregern immer wieder Auffrischungsimpfungen nötig, um die bestmögliche Immunisierung im Laufe der Zeit wiederherzustellen. Im Falle der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) zum Beispiel alle fünf Jahre, bei älteren Menschen über 60 Jahren alle drei Jahre. Auch bei Tetanus empfiehlt die STIKO sogenannte „anlasslose Auffrischungen“ alle zehn Jahre. Und schließlich empfehlen Ärzte vor allem älteren Personen und Menschen mit Immunschwäche seit vielen Jahren auch eine jährliche Grippe-Impfung – je nachdem, welche Varianten des Influenza-Virus für die kommende Saison als prävalent vorhergesagt werden. Booster gab es also schon immer. Nur wurden sie nicht so genannt.

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Wer boostert am besten mit welchem Impfstoff?

Interessant ist jedoch nicht nur die Frage, ob überhaupt eine Booster-Dosis nötig ist, sondern auch, welcher Impfstoff für welche Person am besten geeignet ist. Laut einer neuen Studie, die in der Fachzeitschrift "The Lancet" veröffentlicht wurde, sind sogenannte Kreuzimpfungen, also die Kombination verschiedener Impfstoffe, am wirksamsten. Fachleute sprechen auch von einem heterologen Impfschema.

Hat man etwa bei den ersten beiden Terminen jeweils den mRNA-Impfstoff von Biontech erhalten, empfiehlt es sich, bei der dritten Impfung den Impfstoff von Moderna zu verabreichen. Das gleiche Prinzip gilt auch andersherum. Auch bei Personen, die ihre Grundimmunisierung durch Astrazeneca erhielten, wurde der beste Effekt mit Biontech oder Moderna beobachtet.

Über andere oder neue Nebenwirkungen braucht man sich dabei keine Sorgen zu machen. Die Impfreaktionen nach der Booster-Impfung waren vergleichbar mit denen nach der zweiten Dosis, das zeigten die Studien zur Zulassung der Auffrischungsimpfung. Dazu zählten etwa Müdigkeit, Kopfschmerzen, Schmerzen oder Schwellungen an der Einstichstelle, unter Umständen auch Fieber, Muskelschmerzen und Schüttelfrost.

Diese Impfreaktionen traten in der Regel wenige Tage nach den Booster-Impfungen auf und hielten ein bis zwei Tage an. Schwere Nebenwirkungen zeigten sich nicht, auch keine Herzmuskel- und Herzbeutelentzündungen. Dafür regt der Booster die Produktion von Antikörpern stark an und sorgt für deutlich mehr Schutz als nach den ersten beiden Dosen.

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Hohe Schutzwirkung durch Booster-Impfung

Der Nutzen des Boosters ist angesichts dieser eher geringen Einschränkungen jedenfalls enorm: Wie eine Studie aus Israel, wo bereits im Sommer mit dem Boostern begonnen wurde, zeigt, verringerten sich die Infektionen in der Gruppe mit Auffrischungsimpfung ab zwölf Tagen nach der Verabreichung um den Faktor 11,3 gegenüber einer Kontrollgruppe von zweifach geimpften Personen. Schwere Krankheitsverläufe waren um den Faktor 19,5 seltener als bei der Gruppe ohne Booster.

Doch während ein Großteil der deutschen Bevölkerung noch darauf wartet, einen Termin für die Booster-Impfung zu bekommen, ist derweil schon von einer vierten Impfung die Rede, die möglicherweise nötig sein wird. Die Omikron-Variante des Virus zeigt ungewöhnlich viele Mutationen – noch laufen Studien, die untersuchen, wie gut die heutigen mRNA-Impfstoffe auch gegen Omikron schützen. Ob, wann und für wen in Zukunft also weitere Auffrischungsimpfungen nötig sein werden, ist unsicher.

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