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Leben mit dem Krebs: IKK classic Talk auf Clubhouse

Über Krebs spricht man nicht? Sollte man aber! Denn: Dieser Befund betrifft allein in Deutschland jedes Jahr eine halbe Millionen Menschen. Zum Weltkrebstag schilderten Verena und Achim Sam ihre Erfahrungen mit der tückischen Krankheit – im IKK classic Talk auf der Audio-Social-App Clubhouse. Rund 120 Zuhörerinnen und Zuhörer verfolgten die bewegende Geschichte von Verenas Kampf gegen den Krebs.

Es ist Sommer und brütend heiß. In Flipflops laufen Verena und Achim durch die pulsierende Stadt. Ihr Ziel: das radiologische Institut. Wenige Stunden später verlässt das vormals unbeschwerte Ehepaar das Gebäude in Bleischuhen. Denn ihr schrecklicher Verdacht hat sich bestätigt: Verena hat Krebs – eine unheilbare Form von Brustkrebs, wie sich bald herausstellt. Ihre Lebenserwartung: stark verkürzt. So schildert Achim Sam den Tag, der alles veränderte.

Anlässlich des Weltkrebstages am 4. Februar leisteten Fitnesstrainerin Verena und ihr Mann Achim, seinerseits Autor und Ernährungsexperte, Aufklärungsarbeit: In einer von der IKK classic organisierten Talkrunde auf der neuen Audio-App Clubhouse, sprachen sie über ihr Leben mit Krebs – ehrlich, authentisch und sehr persönlich. Live und vor knapp 120 Zuhörerinnen und Zuhörern erzählten die beiden, wie der Schockmoment der Diagnose ihren Alltag auf den Kopf stellte und was ihnen in den schweren Wochen danach Halt gab.

Krebs bedeutet nicht nur Leben oder Tod

Der Hamburger Host und Moderator Ralf Leitner führte durch das gut einstündige Format, bei dem sich gegen Ende Zuhörerinnen und Zuhörer mit Fragen und eigenen Erfahrungen in die bewegte Diskussion einbrachten. "Das war natürlich ein riesiger Schock. Aber ich habe mir schon sehr bald nach der Diagnose gedacht: Ich bin nicht die Person, die in drei Jahren nicht mehr hier ist", berichtete Verena. "Ich werde jetzt alles tun, dass es weitergeht." Besonders geholfen habe ihr in den ersten Monaten der Sport, obwohl mancher Arzt ihr zunächst von körperlichem Training abgeraten habe. Sie vertraute dabei auf ihr Bauchgefühl – das könne sie jedem Betroffenen nur raten.

Sie habe sich nach der Schockdiagnose neu kennengelernt, findet Verena. "Der Krebs war ein Weckruf. Ich sehe ihn als Chance, das Leben und mich zu entdecken – und ja, auch Dankbarkeit zu entwickeln." Immer schon sei sie sehr diszipliniert gewesen, so die 38-Jährige. Heute aber ginge sie nachsichtiger um mit sich selbst: Die Vorzeigesportlerin erlaubt sich mehr Ruhephasen, nimmt den Fuß öfter vom Gas und hört stärker auf ihren eigenen Körper. Dass Menschen mit Krebs aber keinesfalls weniger leistungsfähig sind, bestätigte eine Zuhörerin, die 2013 selbst erkrankte: "Das Stigma Krebs muss weg. Man kann als Krebspatientin genauso viel leisten wie gesunde Menschen." Auch Achim reagierte beeindruckt, als Verena sich von ihrer Krankheit so gar nicht unterkriegen ließ: "Sie hat sogar angefangen, Gesangsunterricht zu nehmen. Alles an ihr ist nach vorne gerichtet. Diese Entwicklung ist für mich so unfassbar."

Nach der Diagnose stellte Verena auch ihre Ernährung um, ernährt sich heute zu 80 Prozent pflanzlich. Von Askese halte sie aber nichts. Auch mal ein Stück Fleisch oder ein Glas Wein gönnt sie sich, denn: "Genuss macht für mich ein Stück Lebensqualität aus." An vielen Stellen des Gesprächs vermittelten Achim und Verena den Zuhörerinnen und Zuhörern: Das Leben mit dem Krebs kann auch ein gutes Leben sein – womöglich eines mit weniger prognostizierter Quantität. Dafür eines, das in anderer Hinsicht wertvoller und reicher sein kann. So beschreibt das Paar ihre Erfahrungen auch in ihrem Buch, dem "Krebs-Kompass".

Der Krebs war auch ein Weckruf.
Verena Sam
Alles an ihr ist nach vorne gerichtet. Diese Entwicklung ist für mich so unfassbar.
Achim Sam

Krebsvorsorge für Frauen

Um Brustkrebs oder Gebärmutterhalskrebs rechtzeitig zu erkennen, bietet die IKK classic regelmäßige kostenfreie Krebsfrüherkennungsuntersuchungen an. Werden Symptome und Warnsignale frühzeitig erkannt, verbessern sich die Chancen auf Heilung deutlich. IKK-versicherte Frauen ab 20 Jahren haben jährlich Anspruch auf eine Krebsvorsorge beim Frauenarzt.

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Der Krankheit den Schrecken nehmen

Ein Blick zurück:  Achim und Verena stehen mitten im Leben, glücklich veheiratet und topfit – bis der Krebs sich den Lebensplan des Paares schnappt und den Rotstift ansetzt. 2018 erhält Verena mit gerade mal 35 Jahren die Diagnose "Brustkrebs im fortgeschrittenen Stadium". Ein Schock, mit dem sie keineswegs alleine dasteht. Jedes Jahr erkranken in Deutschland rund eine halbe Million Menschen an Krebs. Die Krankheit kann jeden treffen – egal ob jung oder alt, ob Risikogruppe oder nicht. Auch darauf machten Verena und Achim im Gespräch aufmerksam.

Was das Hamburger Ehepaar bewegte, an dem IKK classic Talk auf Clubhouse zum Weltkrebstag teilzunehmen: das oft in schwarz oder weiß gemalte Bild vom Krebs in der Öffentlichkeit. "Wenn über die Krankheit gesprochen wird, heißt es oft, es gibt entweder Heilung oder Untergang", sagt Achim. Das jedoch sei falsch: "Es gibt auch ein Leben mit dem Krebs." Worte, die Mut machen und im Publikum Widerhall fanden: "Ich finde es ganz wichtig, dass man darüber redet", so eine Zuhörerin. Je mehr man sich damit beschäftige, desto besser sei es – auch für alle Angehörigen der Betroffenen.

Ich finde es ganz wichtig, dass man darüber redet.
Clubhouse-Zuhörerin
Achim und Verena Sam halten sich im Arm © Gulliver Theis

Über Verena und Achim Sam

Verena Sam, Jahrgang 1982, ist ausgebildete Fitness-Trainerin und Personal-Coach. Ihr Mann Achim Sam (40) ist Ernährungswissenschaftler und Bestsellerautor. Für die IKK classic klärt er im YouTube-Format "Gutes Essen, schlechtes Essen" unterhaltsam und informativ über das Thema Ernährung auf.

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Auch Angehörige dürfen weinen

Eine Erfahrung, die auch das Paar auf der Clubhouse-Bühne gemacht hat: Im Gegensatz zu Verena habe Achim häufiger mit dem Schicksal gehadert und sich gerade in der Anfangszeit hilflos gefühlt. "Ich habe in meinem Leben viel gearbeitet und gefeiert", so Achim. "Verena, mein liebster Mensch, hat hingegen immer gesund gelebt – aber sie ist erkrankt. Ich habe oft gefragt: Warum trifft es dich? Du bist doch fit. Warum nicht mich?"

Denn für viele Menschen im Umfeld der erkrankten Person ist das Thema oft besonders schwer zu verarbeiten. Gerade weil etwa Familie und Angehörige selbst nicht viel tun können, sondern mit der Angst leben müssen, einen wertvollen Menschen zu verlieren, wie eine Zuhörerin bestätigte: "Es ist völlig in Ordnung, als Angehöriger zu weinen. Das gehört dazu. Achim und Verena, ich danke euch, dass ihr so offen darüber sprecht."

Arzt-Patienten-Gespräch © Shutterstock

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