Best-Practice: So gelingt Integration im Unternehmen

Das Handwerk steht vor großen Herausforderungen: Neben der Digitalisierung werden in vielen Betrieben Mitarbeiter dringend gesucht – 250.000 offene Stellen gibt es im Handwerk. Demgegenüber steht auf dem Arbeitsmarkt eine große Zahl an Bewerbern mit Migrationshintergrund.

Trotzdem schrecken noch immer viele Betriebe davor zurück, Mitarbeiter zu beschäftigen, die einen anderen kulturellen Background haben. Dass die Integration von Flüchtlingen und anderen ausländischen Menschen gelingen kann, beweisen jedoch unzählige Erfolgsgeschichten; zum Beispiel die folgende:

Best-Practice: Ralf Sklarski

Bauunternehmen in Böblingen

Etwa die des Bauunternehmens Sklarski mit seinen 50 Beschäftigen aus insgesamt 14 Ländern – von Albanien über die Türkei, Polen, Kroatien und Portugal bis Mazedonien. Wir haben den Betrieb in Böblingen besucht und nach dem interkulturellen Erfolgsrezept gefragt. Ralf Sklarskis erste Antwort klingt überraschend simpel: „Wir gehen einfach gut miteinander um, so wie man es sich unter Menschen wünscht.“

Dieser sehr kollegiale Umgang sei die Basis für eine harmonische Zusammenarbeit – und für den Erfolg des Bauunternehmens. „Wir wachsen irre schnell von innen heraus. Das liegt auch daran, dass unsere Mitarbeiter neue Kollegen in ihrem Bekanntenkreis anwerben, weil ihnen ihre Arbeit richtig Spaß macht. „Bei uns schimpft keiner über seinen Chef oder seine Kollegen. Egal, bei wem man nachfragt, alle sind zufrieden – und das hat nichts mit Geld zu tun, sondern mit der Art und Weise miteinander umzugehen“, sagt Sklarski. „Auch Bauarbeiter freuen sich über ein Lächeln, ein freundliches Wort oder Lob für ihre Arbeit. Darüber hinaus arbeiten wir nur mit hochwertigen Materialien und guten Maschinen – auch das honorieren unsere Mitarbeiter.“

Moslem ist nicht gleich Moslem

„Um ein positives Arbeitsklima zu schaffen, muss man feinfühlig sein“, erklärt der Bauunternehmer. Nach einem Beispiel gefragt, erklärt er, dass türkische und mazedonische Moslems nicht nur sehr unterschiedlich sind, sondern dass er auf diese Unterschiede auch eingeht.

Seine mazedonischen Mitarbeiter dürfen freitags um Punkt 15 Uhr gehen, denn um 15.30 Uhr wollen sie in der Moschee sein. Das heißt für Sklarski, dass er das – egal, wie umständlich es auch sein mag – organisiert. „Diese Freiräume muss man schaffen“, sagt Sklarski.

Daraus ergeben sich aber auch Spannungen: „Wenn sich die Kollegen darüber beschweren, dass die Mazedonier um 15 Uhr gehen dürfen, muss man kommunizieren, dass die Mazedonier dafür am Samstagabend kommen, um Arbeiten zu erledigen, für die auf der Baustelle kein Verkehr sein darf.“

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Überwindung von Sprachbarrieren

„Egal wo man arbeitet, das Wichtigste ist, dass sich alle verstehen“, sagt Sklarski. Die Sprachbarriere überwindet er, indem er selber „Baustellensprache“ spricht und die wichtigsten Vokabeln in zehn bis zwölf Sprachen sprechen und verstehen kann.

Bei seiner Personalplanung achtet er darauf, dass in jeder Kolonne mindestens einer dabei ist, der gut Deutsch spricht. Zudem hält er seine Mitarbeiter an, immer Deutsch zu sprechen, damit sie Sprachkenntnisse erwerben. „Aber ich sensibilisiere sie mit Humor“, sagt Sklarski. „Wenn ich sage ‚Ich hab nix verstanden‘ lachen alle und geben sich Mühe, Deutsch zu sprechen.“ Einige der Mitarbeiter von Sklarski besuchen Deutschkurse – freiwillig und nach 18 Uhr.

Zeugnisse sind zweitrangig

Fehlender Nachwuchs? Fachkräftemangel? Kein Thema für Ralf Sklarski. „Wenn man auf dem normalen Weg der Akquise keine Azubis auf dem Arbeitsmarkt findet, weil sie den Job einfach nicht für attraktiv halten, muss man eben gucken, wie man Leute rekrutieren kann“, erklärt Sklarski sein Vorgehen. „Das heißt konkret, Leute, die älter sind als 16 an die Hand zu nehmen und auszubilden. Und zwar nicht nur in der Schule, sondern im Betrieb selbst. Das hat auch Vorteile: etwa dass 25- oder 30-Jährige keine Flusen im Kopf haben.“ Auch das Zeugnis sei ihm egal, es gehe um den Willen und die Lust etwas zu leisten.

Die Fortbildung findet auf der Baustelle statt, das ist Handwerk. Die Grundkomponente ist der Wille, fleißig zu sein.
Ralf Sklarski, Bauunternehmer

Soziale Kompetenzen sind gefragt

Eine weitere Besonderheit bei der Arbeit mit Zuwanderern ist die soziale Kompetenz, denn viele Migranten leben und arbeiten in Deutschland unter besonderen Bedingungen, beispielsweise sind sie weit weg von ihren Familien. Ralf Sklarski unterstützt seine ausländischen Mitarbeiter nicht nur beim Ausfüllen von Formularen, er fragt auch aktiv nach ihren Bedürfnissen und Nöten. „Wenn man sich bemüht und Soft Skills an den Tag legt, bekommt man das in Form von Dankbarkeit, Fleiß und Zugehörigkeitsgefühl zurück. Ich begrüße jeden meiner Mitarbeiter jeden Morgen persönlich, dabei merke ich dann auch schnell, wenn einer ein Problem hat.“

Dieses sehr individuelle Eingehen auf sein Team hat auch wirtschaftliche Vorteile für das Unternehmen: „Dass alle zufrieden sind, zeigt sich bei uns alleine schon bei den Krankheitstagen, die sehr gering sind“.

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Konflikte kommen vor

Natürlich gibt es auch Konflikte. Beispielsweise, wenn ein ausländischer Helfer sich vom deutschen Meister beleidigt fühlt und diesem dann droht. Sklarski sorgt in solchen Fällen für klare Verhältnisse: „Konflikte werden geklärt. Und es gibt klare Grenzen, die für alle gelten – egal, ob Meister, Helfer oder Facharbeiter.“ Im konkreten Fall des Helfers hat Ralf Sklarski sich mit ihm an einen Tisch gesetzt, den Konflikt geklärt und Grenzen erklärt. Seitdem funktioniert die Zusammenarbeit wieder. „Man muss nah an den Leuten dran sein und es muss geredet werden, sonst kann es eskalieren.“

Ein geschickter Geselle verdient relativ schnell gutes Geld, mehr als ein junger Architekt, der erst mal viele Jahre studieren muss.

Handwerk hat goldenen Boden, nicht nur für Häuptlinge, auch für die Indianer.
Ralf Sklarski, Bauunternehmer

Für Führungskräfte im Handwerk hat er einen elementaren Rat: „Man muss Menschen mögen. Egal, welcher Couleur, egal welcher Herkunft.“ Das Erfolgsrezept seines Betriebs ist zugleich sein Motto: „Wir stehen für Vielfalt“.   

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