Mehr Gesundheit im Handwerksbetrieb

Forschungsprojekt e-RegioWerk abgeschlossen

Prozess- und Teamentwicklung in Kleinbetrieben führen zu größerer Arbeitszufriedenheit

In kleinen und mittelständischen Handwerksbetrieben lassen sich Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung aufgrund der flachen Hierarchie und direkten Führungsstruktur sehr gut umsetzen. Dennoch wurden bisher für diese Zielgruppe nicht viele  Maßnahmen entwickelt und erprobt. Abhilfe schafft jetzt das Projekt „e-RegioWerk“, bei dem über einen Zeitraum von dreieinhalb Jahren – auch onlinegestützte – Maßnahmen zur Prozess- und Teamentwicklung und ein neues Coachingkonzept für Inhaberpaare erprobt und evaluiert wurden. Am Montagabend wurden die Ergebnisse von den Projektpartnern im Hotel Santa Isabel im Europapark Rust vorgestellt.

Worum es bei „e-RegioWerk“ geht, erläuterte Katja Keller-Landvogt von der IKK classic, als Handwerkerkrankenkasse und Präventionsanbieter für Handwerksbetriebe einer der Projektpartner: „Regio“ bedeute, dass das Projekt in zwei Regionen in Deutschland durchgeführt wurde, nämlich im Kölner Raum und in Ortenau und Freiburg. Das „e“ deute auf digitale Angebote des E-Learnings und verschiedener Online-Analysetools hin, die von der Technischen Hochschule Lübeck entwickelt wurden. „Werk“ stehe für das Handwerksnetzwerk zwischen den Kreishandwerkerschaften Freiburg und Ortenau und den 25 teilnehmenden kleinen und mittelständischen Betrieben in der Region. Konzeptentwicklung und –evaluation lagen bei der Universität Hamburg. Gefördert wurde das Projekt e-RegioWerk vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.

„Da das Handwerk eine tragende Wirtschaftssäule ist, ist das gut angelegtes Steuergeld“, betonte Handwerkskammerpräsident Johannes Ullrich, der seinerzeit die Durchführung des Projektes als damaliger Kreishandwerksmeister in der Region Südbaden ermöglicht hatte. Die Trainer der IKK classic unterstützten die teilnehmenden Betriebe in zwei Haupt-Handlungsbereichen: Prozess- und Teamentwicklung sowie Gesundheitscoaching für Inhaberpaare.

Die entscheidende Frage lautet: Was hat es gebracht? In zwei Phasen wurden die Betriebe evaluiert und die Ergebnisse einer Kontrollgruppe gegenübergestellt. Nicht nur beim Aspekt der Durchführung effektiver Teamsitzungen, des gegenseitigen Verständnisses und der wertschätzenden Kommunikation im Team schnitten die teilnehmenden Betriebe auch vier Monate nach Ende des Trainings deutlich besser ab als die Kontrollgruppe, sondern auch bei der Arbeitszufriedenheit, wie Dr. Busch hervorhob.

Mit dem Gesundheitscoaching für Inhaberpaare betrat das Projektteam Neuland – „das gab es bisher nicht“, sagte Projektleiterin Dr. Christine Busch. Aufgrund der besonderen Einbindung der Inhaberpaare in die betrieblichen Anforderungen lassen sich Arbeit und Freizeit nicht trennen, da Arbeit und Privates stark verwoben seien, erläuterte Katja Keller-Landvogt. Deshalb war das Hauptziel des Coachings, „Erholungsinseln“ zu entwickeln. Dass die Paare gelernt haben, sich ihre Ressourcen wie Handlungs- und Entscheidungsspielraum, Familie, Freunde, Verein bewusst zu machen, und sich gegenseitig als Co-Coach zur Verfügung stehen, das heißt, sich immer wieder gegenseitig zu erinnern an ihre „Erholungsinseln“, habe signifikant zu einer Steigerung der Erholung und zu einer Reduzierung von Burnout-Indikatoren geführt, so Dr. Busch.

Wie eine solche gegenseitige Unterstützung aussehen kann, beschrieb das Unternehmerpaar Stefan und Natalie Hofmann. Konkret heißt das zum Beispiel, Auszeiten bewusst im Kalender zu blockieren, mehr auf die eigenen Bedürfnisse zu hören, ein Schild neben das Telefon zu stellen, auf dem „Sag mal nein“ steht, Stopp-Signale zu vereinbaren, damit man nicht in eine Stress-Spirale gerät, und „als Paar noch mehr zu kommunizieren“.

Wie geht es nun weiter? Ab dem Jahr 2020 übernimmt die IKK classic „Teamentwicklung“ als neues Training in ihr Angebot des Betrieblichen Gesundheitsmanagements, inklusive eines Online-Teamarbeits-Analysewerkzeugs. Auch das „Coaching für Inhaberpaare von Kleinbetrieben“ bietet die Krankenkasse künftig an. Es wird auch zukünftig ständig evaluiert und verbessert. Online-Kurse für Betriebsinhaber zu „Leben in Balance“, „Effektive Teamsitzungen“, Gesund Führen“ und „Mitarbeiter mit Behinderungen“ sind frei verfügbar unter www.e-regiowerk.de. Und das Online-Analysewerkzeug, das auch zur Dokumentation der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen genutzt werden kann, kann über die Kreishandwerkerschaften Ortenau und Freiburg sowie die IKK classic genutzt werden.

Mehr Informationen über e-RegioWerk für interessierte Betriebe gibt es bei den  Kreishandwerkerschaften Ortenau und Freiburg-Breisgau-Hochschwarzwald-Markgräflerland.

Bildmaterial

Teambildung mit Lego: Wie sehe ich mich und meine Aufgabe und wie bauen wir uns alle zu einem Team zusammen?

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Das Projektteam Katja Keller-Landvogt (IKK classic), Bernhard Ritter (Geschäftsführer Kreishandwerkerschaft Freiburg), Michaela Moser (Kreishandwerkerschaft Ortenau), Andreas Drotleff (Kreishandwerksmeister Ortenau), Yanina Mallock (Universität Hamburg), Dr. Christine Busch (Universität Hamburg)

Foto: IKK classic

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Nach Abschluss des Projekts wurden die Teilnehmer mit einem Zertifikat ausgezeichnet.

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Baden-Württemberg

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