Gesundheitspolitische Veranstaltung der B 52-Verbändekooperation Baden-Württemberg

„Die Zukunft der Gesundheit ist digital!“

Vertreter aus Politik, Wissenschaft und dem Gesundheitswesen beleuchteten die Chancen und Risiken der Digitalisierung

„Digitalisierung und Künstliche Intelligenz (KI) haben unendliche Chancen für die Medizin. Diese Chancen müssen wir nutzen!“ Baden-Württembergs Sozial- und Integrationsminister Manne Lucha gehört in Sachen Gesundheit 4.0 zu den Treibern, daran ließ er am Mittwoch im Stuttgarter Hospitalhof vor rund 200 Zuhörern keinen Zweifel. Baden-Württemberg kann in Sachen Digitalisierung im Gesundheitswesen als Vorreiter in Deutschland gelten: Die Videosprechstunde docdirekt, das elektronische Rezept (E-Rezept) GERDA (Geschützter E-Rezept-Dienst der Apotheken), das Konzept zur Personalisierten Medizin laufen und sollen letztendlich auch in die Regelversorgung übergehen, wie der Minister betonte. Welche Hürden auf dem Weg dorthin noch zu nehmen sind, welche Risiken und Vorbehalte bestehen, das zeigten die vielen unterschiedlichen Redebeiträge bei der Veranstaltung „Gesundheit 4.0 – Wie digital wird die medizinische Zukunft?“ der B 52-Verbändekooperation Baden-Württemberg.

Die Kooperation, bestehend aus dem BKK Landesverband Süd, der IKK classic, der KNAPPSCHAFT und dem Verband der Ersatzkassen (vdek) Landesvertretung Baden-Württemberg, lud zu der Vortrags- und Diskussionsveranstaltung ein, um aktuelle Fragen zur Digitalisierung des Gesundheitswesens zu beleuchten. Dass hier Handlungsbedarf besteht, betonte Biggi Bender von der B 52-Verbändekooperation in ihrer Begrüßung: „Wir beziehen bewusst die Nutzerperspektive ein, um digitale Versorgungsstrukturen mit den Patientinnen und Patienten zu finden. Aus diesem Grund halten wir es für zwingend notwendig, dass bei der elektronischen Patientenakte die Datenschutzprobleme zeitnah gelöst werden.“

Tatsächlich hat das Land beim Thema Digitalisierung im Gesundheitswesen bereits vielversprechende Lösungsansätze anzubieten. Beispiel: Nach dem telemedizinischen Behandlungsangebot von docdirekt, das als Pilotprojekt bereits alle Versicherten im ganzen Land nutzen können, wird ab November 2019 mit dem Projekt GERDA nun auch das E-Rezept zur Verfügung stehen. Wie Dr. Günther Hanke, Präsident der Landesapothekerkammer, berichtete, sind bei dem Projekt auch alle Apotheken-Softwarehäuser eingebunden, um das Verfahren sicher und für die Zukunft auch bundesweit einsetzbar zu gestalten.

Während die digitalen Datenströme beim E-Rezept in geordneten Bahnen fließen, ist die Integration von Daten für den Einsatz von  Künstlicher Intelligenz (KI) in der  Medizin die Herkulesaufgabe, sagte Prof. Dr. Oliver Kohlbacher, Professor für Angewandte Bioinformatik an der Universität Tübingen. Problem sei, die bereits jetzt vorhandenen Daten aus unterschiedlichsten Systemen so zu vereinbaren, dass KI darauf zugreifen und sie verwerten kann – für Diagnostik, Therapievorschläge, Medikamentenentwicklung und Anwendungen in der Personalisierten Medizin. Kohlbacher forderte, bei diesen Entwicklungen immer auch die Patienten und das medizinische Personal mit einzubeziehen und einen bundesweit einheitlichen rechtlichen Rahmen für die Nutzung von Daten zu schaffen.

Mit Blick auf die Patienten betonte Hardy Müller, Generalsekretär des Aktionsbündnisses Patientensicherheit, dass die digitale Gesundheitskompetenz jedes und jeder Einzelnen eine wichtige Voraussetzung für die Digitalisierung im Gesundheitswesen sei. Gleichzeitig müsse die Nutzen-/Schadensbilanz der einzelnen Anwendungen sehr sorgfältig untersucht werden.

Die anschließende Podiumsrunde zeigte, wie unterschiedlich die Erwartungen und Erfahrungshorizonte der einzelnen Beteiligten sind. Unter der Moderation von Dr. Florian Staeck von der Ärztezeitung diskutierten Prof. Uwe Bähr, Vorsitzender des Landesseniorenrats, Dr. Rosita Cottone, Referentin im Bundesministerium für Bildung und Forschung, Jürgen Ehret, Weiterbildungsassistent in einer Hausarztpraxis, Jacqueline Kühne von der B 52-Verbändekooperation als Vertreterin der Krankenkassen und Dr. Thilo Walker, Referatsleiter für Digitalisierung im Gesundheitswesen im Sozial- und Integrationsministerium Baden-Württemberg.

Einig waren sich alle Teilnehmer jedoch über eines: „Die Zukunft der Gesundheit ist digital“, wie Anton Haupenthal von der B 52-Verbändekooperation in seinem Resümee der Veranstaltung feststellte. Er appellierte an die anwesenden Akteure des baden-württembergischen Gesundheitswesens, weiterhin eng und konstruktiv zusammenzuarbeiten, um die vielfältigen Chancen der Digitalisierung zum Wohl der Patienten im Land zu nutzen.

Gemeinsame Pressemitteilung zum Download

Bildmaterial

Foto: Gemeinsam aktiv für die Digitalisierung im Gesundheitswesen: Dr. Günther Hanke (Landesapothekerkammer), Prof. Dr. Oliver Kohl-bacher (Universität Tübingen), Biggi Bender (B 52-Verbändekooperation), Manne Lucha (Sozial- und Integrationsminis-ter), Hardy Müller (Aktionsbündnis Patientensicherheit), Jacqueline Kühne, Siegbert Hermann und Kai Swoboda (alle B 52-Verbändekooperation)

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Hintergrund:

Zur Arbeitsgemeinschaft B 52-Verbändekooperation Baden-Württemberg gehören der BKK Landesverband Süd, die IKK classic, der Verband der Ersatzkassen Baden-Württemberg und die KNAPPSCHAFT – Regionaldirektion München. Circa 60 Prozent der Bürgerinnen und Bürger in Baden-Württem­berg vertrauen diesen Krankenkassen und sind bei diesen versichert.

Die vier Krankenkassenarten bilden seit vielen Jahren eine einzigartige Kooperationsgemeinschaft, die es so nur in Baden-Württemberg gibt und die es sich zum Ziel gesetzt hat, gemeinsame Interessen und politische Positionen abzustimmen und dadurch Effizienzsteigerungen, Synergieeffekte und noch mehr Qualität für die Versicherten und Patienten zu erreichen.

Baden-Württemberg

Bettina Uhrmann
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