Hamburg: Hauptstadt der späten Mütter

Mehr Nachwuchs in Hamburg – fast jedes dritte Neugeborene hat eine Mutter, die älter als 35 Jahre ist – höchster Wert in Deutschland.

Hamburg, 9. März 2017. 19.768 Kinder kamen im Jahr 2015 in Hamburg zur Welt. Das sind 729 Neugeborene bzw. 3,83 Prozent mehr als im Jahr zuvor (2014: 19.039 Neugeborene). Damit setzt sich der Trend zu mehr Nachwuchs in der Hansestadt fort. Er überragt sogar die bundesweite Steigerungsrate von 3,17 Prozent. Die Krankenkasse IKK classic hat dazu aktuelle Zahlen der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder ausgewertet.

Auffällig ist demnach auch, dass immer mehr Frauen über 35 Jahren Mütter werden. Im Jahr 2015 betrug der Anteil der späten Mütter bundesweit 23,12 Prozent, den Spitzenwert lieferte Hamburg. „Fast 30 Prozent (29,49 Prozent) der Hamburger Babys, die 2015 entbunden wurden, haben Mütter, die über 35 Jahre älter als sie selbst sind“, sagt Peter Rupprecht von der IKK classic. „Im Jahr 2005 betrug der Wert in der Hansestadt knapp 26 Prozent, im Jahr 2000 lag er unter 21 Prozent.“

Nach Hamburg mit dem größten Anteil an späten Müttern folgten im Jahr 2015 Berlin mit 26 Prozent und Bayern mit 25 Prozent, den geringsten Anteil mit 17 Prozent hat Sachsen-Anhalt. Über das Alter der Väter gibt die Statistik keine Auskunft.

Schwangere Frauen ab 35 Jahren gelten in Deutschland automatisch als Risikoschwangere. Tatsächlich müssen sie eher mit Komplikationen, wie Schwangerschaftsdiabetes, hohem Blutdruck und einer Plazentaschwäche rechnen. Diese Probleme lassen sich aber medizinisch gut behandeln. Auch das Risiko einer Chromosomen-Anomalie beim Kind oder gar einer Fehlgeburt wächst mit dem Alter der Mutter. „Ältere Schwangere sollten deshalb die Vorsorgeuntersuchungen besonders gewissenhaft wahrnehmen“, rät Rupprecht.

Aktuelle Forschungen zeigen aber auch, dass es Faktoren gibt, die die biologischen Gefahren einer späten Schwangerschaft mehr als kompensieren. Das Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock kam bei seinen Untersuchungen zum Ergebnis, dass Kinder davon profitieren, wenn ihre Mütter sie erst spät zur Welt bringen. Die Forscher fanden heraus, dass die Kinder älterer Mütter größer waren, bessere Schulleistungen erzielten und mit einer höheren Wahrscheinlichkeit eine Universität besuchten als die Kinder jüngerer Mütter.

Hamburg

Peter Rupprecht
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