Starke Zunahme von Rotavirus-Infektionen in der Region Hannover

Virus löst heftigen Brechdurchfall aus – besonders kleine Kinder sind gefährdet – IKK classic rät zu konsequenter Hygiene

Niedersachsenweit wurden dieses Jahr bereits mehr als doppelt so viele Fälle gemeldet wie 2018 insgesamt

In Niedersachsen haben die Meldungen von Rotavirus-Infektionen an das Robert Koch-Institut (RKI) stark zugenommen. Das berichtet die IKK classic. Die Krankenkasse hat die aktuelle Statistik des Bundesinstituts für Infektionskrankheiten ausgewertet. Demnach wurden bis Ende der 25. Kalenderwoche (bis 23. Juni 2019) landesweit fast 3.000 Infektionen (2.964) gezählt. Das sind mehr als doppelt so viele, wie im gesamten Jahr 2018 (1.377). In der Region Hannover sind es sogar mehr als dreimal so viele.

Außer in Sachsen und Thüringen hat die Infektionsrate mit dem für Kinder und Senioren gefährlichen Krankheitserreger in allen Bundesländern zugenommen. Insgesamt wurden in diesem Jahr bereits über 30.000 Infektionen (30.476) beim RKI gemeldet, fast 7.000 Meldungen mehr als im Jahr 2018 insgesamt (23.602). „Die Zahlen schwanken zwar von Jahr zu Jahr stark“, sagt Markus Schrader, Regionalgeschäftsführer der IKK classic in Celle. „Die Steigerung in diesem Jahr ist aber ungewöhnlich, vor allem in Niedersachsen.“ So dramatisch wie der dortige Anstieg sei er nur noch in Brandenburg und Berlin.

„In der Region Hannover wurde die meldepflichtige Krankheit in diesem Jahr bisher bereits bei 1.029 Patienten diagnostiziert“ (bis KW 25), berichtet Schrader „Im gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres waren es nur 233.“ Im gesamten Jahr 2018 wurden in der Region 318 Infektionen gezählt. Einen eindeutigen Grund für die Entwicklung konnte die Krankenkasse nicht nennen. Die Zunahme von Infektionen mit dem Rotavirus ist laut der IKK classic in fast allen niedersächsischen Landkreisen und kreisfreien Städten zu beobachten. Einzige Ausnahmen sind die Städte Oldenburg und Osnabrück sowie der Landkreis Osterholz.

Rotaviren lösen starken Brechdurchfall aus. Harmlos ist eine Ansteckung aber nicht. Die Erkrankung ist meldepflichtig, weil sie vor allem wegen des massiven Flüssigkeitsverlusts für Säuglinge und Kleinkinder lebensgefährlich sein kann. Erbrechen und Durchfall setzen plötzlich und heftig ein, auch Bauchkrämpfe und Fieber können auftreten. Bei Erwachsenen verläuft die Erkrankung meistens milder und ist nur für chronisch Kranke und ältere Menschen riskant.

Die Übertragung der hoch ansteckenden Viren erfolgt hauptsächlich durch Schmierinfektion (fäkal-oral). Winzige Mengen reichen dafür aus. Nach ein bis drei Tagen setzen die Symptome ein. „Vor einer Ansteckung kann man sich kaum schützen“, sagt der IKK classic-Regionalgeschäftsführer. „Die wichtigste Vorsorge ist konsequente Hygiene.“ Deshalb rät die IKK classic, häufig die Hände gründlich zu waschen und den WC-Sitz vor Gebrauch zu desinfizieren – vor allem bei Gemeinschaftstoiletten. Seit einigen Jahren gibt es auch eine Impfung gegen Rotaviren. Die Ständige Impfkommission empfiehlt die Schluckimpfung für alle Säuglinge unter sechs Monaten. Sie sollte möglichst bis zum Alter von 12 Wochen begonnen werden. Je nach Impfstoff sind zwei oder drei Impfstoffdosen in einem Mindestabstand von vier Wochen notwendig.

Niedersachsen

Peter Rupprecht
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