Weniger Infektionskrankheiten in der Region Hannover

Maßnahmen zum Schutz vor Corona verhindern auch Ansteckung mit anderen Viren und Bakterien

2020 war bestimmt durch Abstand halten, Maske tragen und Hände waschen. Das verhinderte nicht nur die Verbreitung des Coronavirus SARS-CoV-2, sondern machte auch anderen Krankheitserregern das Leben schwer. Die IKK classic hat aktuelle Infektionsstatistiken vom Robert Koch-Institut ausgewertet. Das Ergebnis für die Region Hannover: Wesentlich weniger Menschen mussten im vergangenen Jahr mit den Folgen von Atemwegs- und Magen-Darm-Infekten kämpfen.

Im Januar informierte das Robert Koch-Institut (RKI) darüber, dass in Deutschland viele Infektionskrankheiten im Corona-Jahr 2020 im Vergleich zu den Vorjahren deutlich zurückgegangen sind. Die zentrale Einrichtung der Bundesregierung zur Krankheitsüberwachung und -prävention sammelt nicht nur Daten zum Infektionsgeschehen mit SARS-CoV-2, auch Fallzahlen zu vielen anderen meldepflichtigen Erkrankungen laufen dort zusammen und werden statistisch ausgewertet. Besonders deutlich war der Rückgang bei Atemwegs- und Magen-Darm-Krankheiten.

Wie sahen die Entwicklungen im Ausnahmejahr 2020 bei Infektionskrankheiten in der Region Hannover aus? Die IKK classic in Niedersachsen hat die Statistiken des RKI vom letzten Jahr genauer betrachtet und mit den Daten von 2019 verglichen. Ihr Fazit: Die Region ist keine Ausnahme. Auch hier wurden weniger Magen-Darm- und Atemwegserkrankungen diagnostiziert.

Deutlich weniger Magen-Darm-Erkrankungen
Fachleute sprechen von gastrointestinalen Infektionen, Laien nennen sie Magen-Darm-Erkrankungen. Ausgelöst werden die Beschwerden im Verdauungstrakt durch Viren und Bakterien. Die Ansteckung erfolgt überwiegend über den Verzehr von belasteten Lebensmitteln oder durch sogenannte Schmierinfektionen. Dabei werden Erreger in kleinsten Spuren von Stuhlresten an den Händen von Erkrankten weitergetragen – entweder über den direkten Kontakt von Mensch zu Mensch oder indirekt über verunreinigte Gegenstände, wie Türklinken, Treppengeländer oder Einkaufswagen.

Zu den häufigsten Erregern, die Durchfall, Erbrechen und Bauchschmerzen auslösen, gehören Rotaviren, Noroviren, Salmonellen und Campylobacter. In den meisten Fällen erkranken Betroffen nicht schwerwiegend und erholen sich vollständig. Durch den hohen Flüssigkeits- und Salzverlust können solche Infektionen aber gefährlich für Säuglinge, Senioren und Menschen mit geschwächtem Immunsystem werden. Um eine unkontrollierte Verbreitung der Erreger zu vermeiden, sind diese Erkrankungen meldepflichtig.

„Alle Erkrankungen, die durch die genannten Krankheitserreger verursacht werden, sind 2020 in der Region Hannover deutlich seltener als im Jahr zuvor aufgetreten“, berichtet Markus Schrader, Regionalgeschäftsführer bei der IKK classic. Besonders stark war der Rückgang von Infektionen mit Rotaviren. 2019 waren davon 1.175 Personen in und um Hannover betroffen, 2020 waren es 112 – 90,5 Prozent weniger. Die Fallzahl von Erkrankungen mit dem Norovirus ist im vergangen Jahr um 51,3 Prozent gesunken (2020: 384 Fälle, 2019: 788 Fälle). Bei der Salmonellose wurde ein Rückgang um 45,8 Prozent verzeichnet, 2019 hatten sich 216 Personen mit Salmonellen angesteckt, 2020 waren es nur 117. Mit Campylobacter mussten im letzten Jahr 645 Betroffene in der Region kämpfen, 18,5 Prozent weniger als im Jahr zuvor. 2019 waren es 792 Personen, die von ihrem Arzt eine entsprechende Diagnose erhielten.

„Über die Gründe für den starken Rückgang an Fallmeldungen von gastrointestinalen Infektionen können wir nur spekulieren“, sagt der IKK classic-Regionalgeschäftsführer. „Mit Sicherheit haben aber die erhöhten Hygienemaßnahmen durch die Corona-Pandemie einen Anteil daran.“ Als weiterer Grund gibt die IKK classic an, dass möglicherweise weniger Menschen aus Angst vor Ansteckung mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 ihren Arzt aufgesucht haben, obwohl sie Beschwerden hatten.

Rückgang bei Grippe und Keuchhusten
Ähnlich wie Coronaviren werden Keuchhusten auslösende Pertussis-Bakterien und die für Grippe ursächlichen Influenzaviren meistens durch Tröpfcheninfektionen von Mensch zu Mensch übertragen. Beide Infektionen lösen Atemwegserkrankungen aus, die mit vielen weiteren körperlichen Beschwerden einhergehen können. Gegen beide Erreger gibt es seit einigen Jahren effektive Impfungen. Trotzdem erkranken jedes Jahr viele Menschen in Deutschland an Keuchhusten und Grippe. Auch diese Erkrankungen wurden im vergangenen Jahr deutlich weniger in der Region Hannover diagnostiziert. „Mund-Nase-Masken und Abstandsregeln sorgen dafür, dass Tröpfcheninfektionen vermindert werden“, sagt Markus Schrader von der IKK classic. „Die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie wirken sich deshalb auch auf die Verbreitung anderer Erkrankungen aus.“

Keuchhusten ist 2020 im Vergleich zum vorherigen Jahr deutschlandweit von 10.315 Fällen um 66,5 Prozent auf 3.457 Fälle gesunken. In Niedersachsen betrug der Rückgang 61,7 Prozent, von 457 Fällen im Jahr 2019 auf 175 Fälle in 2020. In der Region Hannover hat sich die Fallzahl von 116 (=2020) um 57,8 Prozent auf 49 (=2020) reduziert.

Auch bei der Grippe verzeichnete die Region Hannover einen Rückgang. 2019 wurden von dort 2.063 Fälle gemeldet, 2020 waren es 1.494 – 569 Fälle weniger. Von diesen 1.494 Grippefällen wurden zudem 1.376 Infektionen vor dem 22. März 2020 diagnostiziert. „Das war der Tag, an dem Deutschland das erste Mal in den Lockdown ging“, erinnert der IKK classic-Regionalgeschäftsführer. Im gesamten Zeitraum danach wurden in der Region also nur noch 118 weitere Fälle im Jahr 2020 gezählt. Wie sieht die aktuelle Situation aus? Bisher hat das RKI die Fallzahlen bis Ende Januar 2021 veröffentlicht. Demnach wurden in ganz Niedersachsen insgesamt fünf Infektionen mit dem Influenzavirus gemeldet, keine davon in der Region Hannover. Zum Vergleich: Im Januar 2020 zählte Niedersachsen bereits insgesamt 1.014 Grippe-Erkrankte.

Hinweis an Rekationen: Der IKK classic liegen entsprechende Daten für alle Landkreise und kreisfreien Städten in Niedersachsen vor. Bitte nehmen Sie einfach Kontakt zum Pressereferenten auf, falls Sie Interesse an den Angaben für bestimmte Regionen haben.

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