Jedes 3. Baby im Kreis Wesel wird per Kaiserschnitt geboren

32,8 Prozent aller Kinder im Kreis Wesel wurden im Jahr 2018 per Kaiserschnitt zur Welt gebracht – der Kreis liegt damit deutlich über dem NRW-Durchschnitt

(09.07.2020) Im Jahr 2018 wurden im Kreis Wesel laut den aktuellsten Zahlen von IT.NRW 1.510 von 4.599 Kindern per Kaiserschnitt zur Welt gebracht – 32,8 Prozent aller Geburten entfielen auf diese Geburtsmethode. „Damit liegt der Kreis Wesel nicht nur deutlich über dem NRW-Durchschnitt von 29,9 Prozent, sondern auch über dem Bundesdurchschnitt von 29,1 Prozent. Zum Vergelich:1994 betrug der Anteil der Kaiserschnitte in Deutschland lediglich 17,3 Prozent, die natürliche Methode wird also durch den Kaiserschnitt immer mehr verdrängt“, so Michael Lobscheid von der IKK classic.

Warum immer mehr Entbindungen per Kaiserschnitt erfolgen, ist nicht eindeutig geklärt. „Es gibt Situationen, in denen ein Kaiserschnitt medizinisch unumgänglich ist, beispielsweise um das Leben von Mutter und Kind zu schützen“, so Michael Lobscheid. „In den meisten Fällen gibt es jedoch einen Ermessensspielraum, der von Ärzten und Krankenhäusern offensichtlich ganz unterschiedlich genutzt wird.“ Hinzu kommt, dass viele Frauen den Kaiserschnitt einer natürlichen Geburt vorziehen. Beispielsweise weil sie glauben, dies sei die sicherere Methode und sie Angst vor Schmerzen und Komplikationen haben, oder weil sie so an einem bestimmten Termin entbinden können .

Zwar sind die Komplikationen bei einem Kaiserschnitt dank des medizinischen Fortschritts zunehmend gesunken, trotzdem handelt es sich bei dieser Methode immer noch um einen großen medizinischen Eingriff, der nicht gefahrlos ist. So haben beispielsweise Frauen schon nach einer natürlichen Geburt ein erheblich gesteigertes Risiko, eine Thrombose oder eine Lungenembolie zu bekommen, durch einen Kaiserschnitt steigt dieses Risiko aber noch weiter an. Außerdem haben Kaiserschnittkinder ein höheres Risiko, später an Diabetes Typ 1, Allergien, Asthma und Zöliakie, eine Überempfindlichkeit gegenüber Weizenbestandteilen in der Nahrung, zu erkranken. Zudem wirkt sich ein Kaiserschnitt auf zukünftige Schwangerschaften aus. Durch die Narbe ist die Einnistung des Embryos in der Gebärmutter häufiger beeinträchtigt.

„Bei einem normalen Schwangerschaftsverlauf sollte deshalb die Notwendigkeit eines Kaiserschnitts immer gut abgewogen und mit dem Arzt und der Hebamme besprochen werden“, so Michael Lobscheid.

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