Jedes 3. Kind im Kreis Wesel kommt per Kaiserschnitt auf die Welt

36,2 Prozent aller Kinder im Kreis Wesel wurden im Jahr 2019 per Kaiserschnitt zur Welt gebracht – der Kreis liegt damit über dem NRW-Durchschnitt

(03.02.2021) Im Jahr 2019 wurden im Kreis Wesel laut aktuellsten Zahlen des Statistischen Landesamts 1.675 von 4.630 Kindern per Kaiserschnitt zur Welt gebracht. “Damit entfielen 36,2 Prozent aller Geburten im Kreis auf diese Geburtsmethode, im NRW-Durchschnitt waren es 30,3 Prozent. Noch 1994 betrug allerdings der Anteil der Kaiserschnitte in Deutschland lediglich 17,3 Prozent, die natürlich Geburt wurde in den letzten Jahrzehnten durch diese Geburtsmethode immer mehr verdrängt“, so Michael Lobscheid von der IKK classic.

Warum immer mehr Entbindungen per Kaiserschnitt erfolgen, ist nicht eindeutig geklärt. „Es gibt Situationen, in denen ein Kaiserschnitt medizinisch unumgänglich ist, beispielsweise um das Leben von Mutter und Kind zu schützen“, so Michael Lobscheid. „In den meisten Fällen gibt es jedoch einen ärztlichen Ermessensspielraum, der offensichtlich unterschiedlich genutzt wird.“ Hinzu kommt, dass viele Frauen den Kaiserschnitt einer natürlichen Geburt vorziehen. Beispielsweise weil sie glauben, dies sei die sicherere Methode und sie Angst vor Schmerzen und Komplikationen haben, oder weil sie so an einem bestimmten Termin entbinden können.

Zwar sind die Komplikationen bei einem Kaiserschnitt dank des medizinischen Fortschritts zunehmend gesunken, trotzdem handelt es sich bei dieser Methode immer noch um einen großen medizinischen Eingriff, der nicht gefahrlos ist. So haben beispielsweise Frauen schon nach einer natürlichen Geburt ein erheblich gesteigertes Risiko, eine Thrombose oder eine Lungenembolie zu bekommen, durch einen Kaiserschnitt steigt dieses Risiko aber noch weiter an. Außerdem haben Kaiserschnittkinder ein höheres Risiko, später an Diabetes Typ 1, Allergien, Asthma und Zöliakie, eine Überempfindlichkeit gegenüber Weizenbestandteilen in der Nahrung, zu erkranken. Zudem wirkt sich ein Kaiserschnitt auf zukünftige Schwangerschaften aus. Durch die Narbe ist die Einnistung des Embryos in der Gebärmutter häufiger beeinträchtigt.

„Bei einem normalen Schwangerschaftsverlauf sollte deshalb die Notwendigkeit eines Kaiserschnitts immer gut abgewogen und mit dem Arzt und der Hebamme besprochen werden“, so Michael Lobscheid.

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