Gegen den Trend: Mehr Kinder und Jugendliche in Essen wegen einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus

2021 mussten 37,9 Prozent mehr Kinder und Jugendliche wegen einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus behandelt werden – deutliche Unterschiede bei Mädchen und Jungen

(Essen, 10.01.2023) Mussten nach den aktuellen Zahlen des Statistischen Landesamts NRW 2020 in Essen noch 58 Kinder und Jugendliche im Alter von zehn bis unter 20 Jahre in einem Krankenhaus wegen einer akuten Alkoholvergiftung behandelt werden, so waren es 2021 sogar 80 - eine Steigerung von 37,9 Prozent. „Damit verlief die Entwicklung in Essen gegen den Trend in NRW, landesweit nahm die Zahl um 7,4 Prozent ab“, so Michael Lobscheid von der Krankenkasse IKK classic. „Und man darf nicht vergessen, diese Zahlen sind nur die Spitze des Eisbergs. Bei weitem nicht alle Kinder und Jugendlichen mit einem Vollrausch landen auch im Krankenhaus, die Dunkelziffer ist entsprechend hoch“. Die Entwicklung zwischen Jungen und Mädchen in Essen war dabei sehr unterschiedlich. Während bei den Jungen die Zahl um 42,4 Prozent zunahm, stieg die Zahl bei den Mädchen um 32,0 Prozent. „Allerdings sollte man die Zahlen nicht überinterpretieren. Denn: Im Jahr 2020, als die Einschränkungen durch die Corona-Pandemie begannen, sank die Zahl der wegen Alkoholmissbrauchs stationär behandelten Kinder und Jugendlichen überdurchschnittlich um 52,5 Prozent“, so Michael Lobscheid.

Warum manche Jugendliche so viel trinken, wissen selbst die Experten nicht ganz genau. Klar ist aber: Viele Kinder und Jugendliche glauben, dass Alkohol sie erwachsen, selbstbewusst, attraktiv, sexy oder mutig macht. Außerdem sind die alkoholischen Mixgetränke immer noch sehr beliebt, bei denen man den Alkohol nicht schmeckt, deren Wirkung aber sehr schnell einsetzt.

„Eine Hauptursache für den hohen Alkoholkonsum bei uns ist sicherlich auch der niedrige Preis. Deutschland ist eines der wenigen Länder in Europa, wo man sich noch immer für ein Taschengeld zu Tode trinken kann. Hinzu kommt, dass Alkohol an Kiosken und Tankstellen rund um die Uhr verfügbar ist, die Hersteller für ihre Produkte frei werben dürfen und der Jugendschutz oft nur auf dem Papier besteht. Deshalb bleibt die Alkoholprävention bei Kindern und Jugendlichen ein ganz wichtiger Punkt und sollte noch weiter ausgebaut werden“, so Michael Lobscheid.

Hinweis für die Radaktion: Bei den erfassten Fällen von Kindern und Jugendlichen mit einer Alkoholvergiftung werden nur die Kinder und Jugendlichen erfasst, die ihren Wohnsitz auch tatsächlich in Essen haben. Kinder und Jugendliche, die in Essen wegen einer Alkoholvergiftung behandelt wurden und ihren Wohnsitz in einer anderen Stadt haben, fließen nicht in die Statistik ein.

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