Krankenstand im Handwerk so hoch wie nie zuvor

Thüringer Handwerker waren 2017 so krank wie nie zuvor; Gesundheitssituation variiert im Alter deutlich; Krankenstand im Baugewerbe besonders hoch

Erfurt, 19.03.2018. Der Krankenstand im Thüringer Handwerk ist im vergangenen Jahr wieder gestiegen und lag mit 5,9 Prozent so hoch wie nie zuvor. Das berichtet die IKK classic auf Basis ihrer Arbeitsunfähigkeitsdaten von rund 32.000 Erwerbspersonen im Thüringer Handwerk.

An jedem Arbeitstag des Jahres 2017 fehlten also knapp sechs von 100 Beschäftigten im Thüringer Handwerk. Durchschnittlich waren Handwerker im vergangenen Jahr 21,4 Tage krankgeschrieben, einen Tag mehr als 2016. Die Arbeitsunfähigkeitsquote lag mit 61,9 Prozent über der aus dem Vorjahr (61,2 Prozent). Von 100 Erwerbspersonen konnten also fast 62 Personen einmal im Jahr krankheitsbedingt nicht zur Arbeit gehen. Insgesamt entfielen auf jeden Beschäftigten 1,5 Krankheitsfälle mit einer Dauer von 14,7 Tagen. Die Handwerker im Freistaat waren damit im Vergleich zu 2016 nicht nur häufiger krank.  Ein Krankheitsfall dauerte auch fast einen Tag länger als im Vorjahr. Besonders auffällig ist die Zunahme der Langzeiterkrankungen. Ihr Anteil lag 2017 bei 48,7 Prozent und damit um zwei Prozent höher als noch 2016.

Muskel- und Skeletterkrankungen verursachten mit 28,3 Prozent wieder die meisten Krankheitstage im Thüringer Handwerk, gingen im Vergleich zum Vorjahr (28,8 Prozent) aber leicht zurück. Während sich Verletzungen mit 14,4 Prozent und Erkrankungen des Atmungssystems mit 13,4 Prozent auf ähnlichem Niveau wie 2016 bewegten, nahmen psychische Erkrankungen mit 8,9 Prozent zu (2016: 7,7 Prozent).

Ursachen für Arbeitsunfähigkeiten verändern sich mit dem Alter

„Ältere Arbeitnehmer sind zwar seltener krank, weisen aufgrund der längeren Dauer eines Krankheitsfalles aber einen deutlich höheren Krankenstand auf als jüngere Beschäftigte. Diese erkranken hingegen häufiger, ein Krankheitsfall dauert aber meist nur wenige Tage“, erläutert Andreas Gärtner, Landesgeschäftsführer der IKK classic in Thüringen. „Im vergangenen Jahr konnten Thüringer Handwerker über 59 Jahre durchschnittlich wegen 1,6 Krankschreibungen insgesamt 39,4 Tage nicht zur Arbeit gehen. Der durchschnittliche Krankenstand dieser Altersgruppe lag bei 10,8 Prozent. Bei den unter 30-Jährigen waren es im Schnitt 2,2 Arbeitsunfähigkeiten, die insgesamt 15,6 Tage andauerten. Der durchschnittliche Krankenstand lag hier bei 4,3 Prozent“, so Gärtner weiter. Mit dem Alter der Beschäftigten unterscheiden sich auch die Ursachen für Krankschreibungen. Mit zunehmendem Alter führen vor allem chronische und degenerative Erkrankungen zu krankheitsbedingten Fehlzeiten. Bei Thüringer Handwerkers ab 60 Jahren verursachten im vergangenen Jahr Erkrankungen des Muskel- und Skelettsystems über ein Drittel der Arbeitsunfähigkeitstage (37 Prozent). Bei den unter 30-Jährigen spielte diese Ursache kaum eine Rolle (11,7 Prozent). Junge Beschäftigte unter 30 Jahren fielen dagegen hauptsächlich wegen akuter Krankheiten des Atmungssystems (23,6 Prozent) oder Verletzungen (23,7 Prozent) aus.

Krankenstand im Baugewerbe besonders hoch

Beim genaueren Blick in das Krankheitsgeschehen einzelner Branchen fällt auf, dass Beschäftigte im Baugewerbe mit insgesamt 22,7 Arbeitsunfähigkeitstagen 2017 am häufigsten krankgeschrieben waren. Hier war nicht nur der Krankenstand mit 6,2 Prozent am höchsten, ein Krankheitsfall dauerte durchschnittlich 17,5 Tage und damit drei Tage länger als im Handwerksdurchschnitt. Im Gegensatz dazu lag der Krankenstand im Friseurgewerbe mit 4,4 Prozent am niedrigsten. Thüringer Friseurinnen und Friseure waren insgesamt 16,1 Tage krankgeschrieben, sie brauchten durchschnittlich 12,4 Tage um sich im Krankheitsfall auszukurieren

„Angesichts der immer älter werdenden Beschäftigten und der damit einhergehenden Zunahme von Langzeiterkrankungen, sind auch Handwerksunternehmen aufgefordert, die Gesundheit ihrer Mitarbeiter in ihre Managementprozesse zu integrieren. Krankenkassen wie die IKK classic halten im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung verschiedene Angebote für Unternehmen bereit und unterstützen sie bei der Durchführung“, informiert Andreas Gärtner.

©IKK classic

Thüringen

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