Krankenstand im Thüringer Handwerk wieder gestiegen

Handwerker waren 2018 häufiger krankgeschrieben; Gesundheitssituation variiert im Alter deutlich; Krankenstand im Baugewerbe am höchsten

Erfurt. Der Krankenstand im Thüringer Handwerk ist im vergangenen Jahr wieder gestiegen und lag mit 6,3 Prozent so hoch wie nie zuvor. Das berichtet die IKK classic auf Basis ihrer Arbeitsunfähigkeitsdaten von knapp 33.000 Erwerbspersonen im Thüringer Handwerk.

An jedem Arbeitstag des Jahres 2018 fehlten also sechs von 100 Beschäftigten im Thüringer Handwerk. Durchschnittlich waren  Handwerker im vergangenen Jahr 23 Tage krankgeschrieben, knapp zwei Tage mehr als 2017. Die Arbeitsunfähigkeitsquote lag mit 62,9 Prozent über der aus dem Vorjahr (61,9 Prozent). Von 100 Erwerbspersonen konnten also fast 63 Personen einmal im Jahr krankheitsbedingt nicht zur Arbeit gehen. Insgesamt entfielen auf jeden Beschäftigten 1,5 Krankheitsfälle mit einer Dauer von 15,7 Tagen. Die Handwerker im Freistaat waren damit im Vergleich zu 2017 nicht nur häufiger krank.  Ein Krankheitsfall dauerte auch fast einen Tag länger als im Vorjahr.

Auf die Diagnose Muskel- und Skeletterkrankungen entfielen 32,8 Prozent aller Krankheitstage. Im Vergleich zum Vorjahr (28,3 Prozent) eine deutliche Steigerung. Dagegen stiegen Verletzungen mit 16,9 Prozent und Erkrankungen des Atmungssystems mit 15,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr nur leicht an. Auch psychische Erkrankungen bewegten sich mit 11,7 Prozent auf Vorjahresniveau.

Gesundheitssituation variiert im Alter stark

„Ältere Arbeitnehmer sind zwar seltener krank, weisen aufgrund der längeren Dauer eines Krankheitsfalles aber einen deutlich höheren Krankenstand auf als jüngere Beschäftigte. Diese erkranken hingegen häufiger, ein Krankheitsfall dauert aber meist nur wenige Tage. Diese Entwicklung ist im Handwerk deutlicher als in verwaltenden Berufen“, erläutert Andreas Gärtner, Landesgeschäftsführer der IKK classic in Thüringen. „Im vergangenen Jahr konnten Thüringer Handwerker über 59 Jahre durchschnittlich wegen 1,6 Krankschreibungen insgesamt 40,8 Tage nicht zur Arbeit gehen. Der durchschnittliche Krankenstand dieser Altersgruppe lag bei 11,2 Prozent. Bei den unter 30-Jährigen waren es im Schnitt 2,2 Arbeitsunfähigkeiten, die insgesamt 15,8 Tage andauerten. Der durchschnittliche Krankenstand lag hier bei 4,4 Prozent“, so Gärtner weiter. Mit dem Alter der Beschäftigten unterscheiden sich auch die Ursachen für Krankschreibungen. Mit zunehmendem Alter führen vor allem chronische und degenerative Erkrankungen zu krankheitsbedingten Fehlzeiten. Bei Thüringer Handwerkern ab 60 Jahren verursachten im vergangenen Jahr Erkrankungen des Muskel- und Skelettsystems über ein Drittel der Arbeitsunfähigkeitstage (40,5 Prozent). Bei den unter 30-Jährigen spielte diese Ursache eine weniger deutliche Rolle (13,7 Prozent). Junge Beschäftigte unter 30 Jahren fielen dagegen hauptsächlich wegen akuter Krankheiten des Atmungssystems (26 Prozent) oder Verletzungen (25,1 Prozent) aus.

Krankenstand im Baugewerbe besonders hoch

Wie in den Vorjahren auch, waren Beschäftigte im Baugewerbe mit insgesamt 27,2 Arbeitsunfähigkeitstagen im Vergleich zu anderen Gewerken in Thüringen am häufigsten krankgeschrieben. Der Krankenstand lag bei 7,5 Prozent. Bauarbeiter waren damit nicht nur fast fünf Tage länger krank als 2017. Ein Krankheitsfall dauerte mit durchschnittlich 20,8 Tagen auch fast drei Tage länger als im Vorjahr und fünf Tage länger als im Handwerksdurchschnitt. Im Gegensatz dazu lag der Krankenstand im Friseurgewerbe mit 4,6 Prozent auf Vorjahresniveau und im Branchenvergleich am niedrigsten. Thüringer Friseurinnen und Friseure waren insgesamt 16,9 Tage krankgeschrieben und brauchten 13,7 Tage um sich im Krankheitsfall auszukurieren – ein Tag länger als im Vorjahr.

Andreas Gärtner appelliert an Handwerksunternehmen, die Gesundheit ihrer Beschäftigten in ihre Managementprozesse aufzunehmen. „Angesichts der immer älter werdenden Beschäftigten und der damit einhergehenden Zunahme von Langzeiterkrankungen, sind Handwerksunternehmen dringend aufgefordert, in ein betriebliches Gesundheitsmanagement zu investieren. Krankenkassen wie die IKK classic halten im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung verschiedene Angebote für Unternehmen bereit und unterstützen sie bei der Durchführung“.

Infografik

Wichtige Fachausdrücke kurz erläutert

AU-Tage

Für die Berechnung der Arbeitsunfähigkeitstage zählen alle Abwesenheitstage von der Arbeit, für die eine ärztliche „Krankmeldung“ vorliegt. Bei Erkrankungen von nur ein oder zwei Tagen Dauer muss in vielen Fällen keine ärztliche Bescheinigung eingereicht werden. Sie werden daher nicht berücksichtigt. Alle Angaben zu den AU-Tagen beziehen sich auf Kalendertage. Es werden also auch Wochenenden und Feiertage mitgezählt.

AU-Fälle

Ein Arbeitsunfähigkeitsfall ist eine krankheitsbedingte Abwesenheit vom Arbeitsplatz, für die der Krankenkasse eine ärztliche „Krankmeldung“ vorliegt. Bei besonders schwerwiegenden Erkrankungen können auf einen AU-Fall mehrere Krankmeldungen kommen. Dadurch verlängert sich dann die Falldauer.

AU-Dauer/Falldauer

Das ist die durchschnittliche Anzahl an Arbeitsunfähigkeitstagen pro Krankmeldung.

AU-Quote

Die Arbeitsunfähigkeitsquote gibt den Anteil an 100 Beschäftigten an, die im untersuchten Zeitraum mindestens einmal krankgeschrieben war. Eine AU-Quote von 65 % heißt, dass 65 von 100 Beschäftigten mindestens einmal im Jahr krank geschrieben waren.

Krankenstand

Der Krankenstand benennt die Personenzahl, die von hundert ganzjährig Versicherten an einem Tag im untersuchten Zeitraum krankgeschrieben war. Bei einem Krankenstand von 5% waren also durchschnittlich 5 Personen pro Kalendertag krank geschrieben.

Thüringen

Franziska Becher
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