Krankenstand im Thüringer Handwerk gesunken

Handwerker waren 2019 seltener krank; Anteil an Langzeiterkrankungen so hoch wie nie zuvor; Krankenstand im Baugewerbe am höchsten

Erfurt. Der Krankenstand im Thüringer Handwerk war 2019 rückläufig und lag mit 6,0 Prozent unter dem Vorjahreswert von 6,3 Prozent. Das berichtet die IKK classic auf Basis der Arbeitsunfähigkeitsdaten von knapp 30.000 handwerklich Beschäftigten.

An jedem Arbeitstag des Jahres 2019 fehlten also sechs von 100 Beschäftigten im Thüringer Handwerk. Durchschnittlich waren  Handwerker im vergangenen Jahr 21,9 Tage krankgeschrieben, mehr als einen Tag weniger als 2018 (23,0). Die sogenannte Arbeitsunfähigkeitsquote lag mit 60,1 Prozent deutlich unter der aus dem Vorjahr (62,9 Prozent). Von 100 Erwerbspersonen konnten also 60 Personen mindestens einmal im Jahr krankheitsbedingt nicht zur Arbeit gehen. Insgesamt entfielen 2019 auf jeden handwerklich Beschäftigten 1,4 Krankheitsfälle mit einer Dauer von 15,6 Tagen. Die Handwerker im Freistaat waren damit im Vergleich zu 2018 nicht nur seltener krank. Auch die durchschnittliche Falldauer ist mit 15,6 Tagen im Vergleich zum Vorjahr leicht zurückgegangen.

An der Spitze der Krankheitsursachen im Handwerk standen auch im Jahr 2019 die Muskel- und Skelett-Erkrankungen mit einem Anteil von 33,7 Prozent am Krankheitsgeschehen (Vorjahr: 32,8 Prozent). Jeder dritte handwerklich Beschäftigte fiel demnach wegen Beeinträchtigungen am Bewegungsapparat aus. Dahinter folgten Verletzungen und Vergiftungen mit 16,8 Prozent (Vorjahr: 16,9 Prozent) sowie Erkrankungen der Atmungsorgane mit 13,4 Prozent (Vorjahr 15,5 Prozent). Während psychische Erkrankungen bundesweit mit 13,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr leicht zugenommen haben (+0,7 Prozent), blieben sie in Thüringen mit 11,7 Prozent stabil auf Vorjahresniveau.

Anteil der Langzeiterkrankungen so hoch wie nie zuvor

Über die Hälfte der Arbeitsunfähigkeitstage im Thüringer Handwerk ist auf Langzeiterkrankungen zurückzuführen. Ihr Anteil nimmt schon seit Jahren stetig zu und lag 2019 mit 50,3 Prozent (Vorjahr: 49,8 Prozent) so hoch wie nie zuvor. „Angesichts der älter werdende Belegschaft und des anhaltend hohen Prozentsatzes der Muskel- und Skelett-Erkrankungen im Handwerk, ist diese Entwicklung nicht überraschend, bereitet uns aber dennoch Sorgen“, sagt Andreas Gärtner, Landesgeschäftsführer der IKK classic in Thüringen. „Um die Ressourcen älterer Beschäftigte lange zu nutzen, sollten Handwerksunternehmen auf ein altersgerechtes und gesundheitsförderndes Betriebsmanagement setzen.“ 

Gesundheitssituation variiert im Alter stark

In den letzten 10 Jahren ist das Durchschnittsalter der Beschäftigten im Thüringer Handwerk von 38 auf 45,3 Jahren (2019) angestiegen. Ältere Arbeitnehmer sind zwar seltener krank, weisen aufgrund der längeren Dauer eines Krankheitsfalles aber einen deutlich höheren Krankenstand auf als jüngere Beschäftigte. Diese erkranken hingegen häufiger, ein Krankheitsfall dauert aber meist nur wenige Tage. Diese Entwicklung ist im Handwerk deutlicher als in verwaltenden Berufen. Im vergangenen Jahr waren Thüringer Handwerker über 59 Jahre durchschnittlich 37,5 Tage (2018: 40,8 Tage) krankgeschrieben. Der Krankenstand dieser Altersgruppe lag bei 10,3 Prozent und damit deutlich niedriger als noch 2018 (11,2 Prozent). Bei den unter 30-Jährigen waren es im Schnitt 15 Arbeitsunfähigkeitstage und damit knapp ein Tag weniger als 2018 (15,8). Der durchschnittliche Krankenstand lag hier bei 4,1 Prozent (2018: 4,4 Prozent).

Krankenstand im Baugewerbe am höchsten

Beim Vergleich der Arbeitsunfähigkeitsdaten in allen handwerklichen Gewerbegruppen ist vor allem das hohe Krankheitsgeschehen des Bau- und Ausbaugewerbes auffällig. Hier lag mit 6,7 Prozent nicht nur der Krankenstand am höchsten. Beschäftigte in dieser Gewerbegruppe waren mit 24,4 Tagen auch am längsten krankgeschrieben. Ebenso war der Anteil an Langzeiterkrankungen mit 59,6 Prozent am höchsten. Der niedrigste Krankenstand mit 4,3 Prozent entfiel auf das Bekleidungs-, Textil- und Ledergewerbe. Schneider, Kürschner und Co. wiesen nicht nur die wenigsten Krankheitstage (15,8) auf, ein Krankheitsfall war mit durchschnittlich 11,2 Tagen auch relativ kurz. Die geringste Arbeitsunfähigkeitsquote im Branchenvergleich lag mit 51,9 Prozent im Nahrungsmittelgewerbe. Fleischer, Bäcker oder Konditoren waren im Durchschnitt nur einmal im Jahr krank. Allerdings dauerte diese Arbeitsunfähigkeit mit 21,3 Tagen ungewöhnlich lang. Im Gegensatz dazu lag die AU-Quote im Glas-, Papier- und Keramikgewerbe mit 64,3 Prozent am höchsten. Glaser, Töpfer oder Buchbinder waren mit 1,6 AU-Fällen zwar mehrfach im Jahr krankgeschrieben. Die Genesungszeit eines Krankheitsfalls lag mit 11,7 Tagen aber knapp vier Tage unter dem Handwerksdurchschnitt. Das spiegelte sich auch im Anteil der Langzeiterkrankungen wieder, der in dieser Branche mit 33,3 Prozent am geringsten ausfiel. 

Wichtige Fachausdrücke kurz erläutert

Krankenstand: benennt die Personenzahl, die von hundert ganzjährig Versicherten an einem Tag im untersuchten Zeitraum krankgeschrieben war. Bei einem Krankenstand von 5 Prozent waren also durchschnittlich 5 Personen pro Kalendertag krankgeschrieben.

AU-Quote: Die Arbeitsunfähigkeitsquote gibt den Anteil an 100 Beschäftigten an, die im untersuchten Zeitraum mindestens einmal krankgeschrieben waren

Gesundheitsquote: Die Gesundheitsquote gibt an, wie viel Prozent der Versicherten im untersuchten Zeitraum kein einziges Mal krankgeschrieben war. Die Gesundheitsquote stellt damit den Gegenwert zur AU-Quote dar.

AU-Tage: Für die Berechnung der Arbeitsunfähigkeitstage zählen alle Ab-wesenheitstage von der Arbeit, für die eine ärztliche Krankmeldung vorliegt. Alle Angaben zu den AU-Tagen beziehen sich auf Kalendertage.

AU-Fälle: Ein Arbeitsunfähigkeitsfall ist eine krankheitsbedingte Abwesenheit vom Arbeitsplatz, für die der Krankenkasse eine ärztliche Krankmeldung vorliegt.

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