Thüringer Handwerk: Weniger Beschäftigte waren länger krank

Krankenstand bleibt auf hohem Niveau; Krankheitsdauer deutlich gestiegen; Auffallend hohes Krankheitsgeschehen im Bau- und Ausbaugewerbe

Erfurt. Trotz Corona-Pandemie ist der Krankenstand im Thüringer Handwerk 2020 nur leicht gestiegen und lag mit 6,1 Prozent knapp über dem Vorjahreswert von 6,0 Prozent. Das berichtet die IKK classic auf Basis der Arbeitsunfähigkeitsdaten von rund 27.000 handwerklich Beschäftigten mit Krankengeldanspruch.

An jedem Arbeitstag des Jahres 2020 fehlten demnach sechs von 100 Beschäftigten im Thüringer Handwerk. Durchschnittlich waren Handwerker im vergangenen Jahr 22,5 Tage krankgeschrieben (Vorjahr: 21,9 Tage). Die sogenannte Arbeitsunfähigkeitsquote lag mit 57,4 Prozent deutlich unter der aus dem Vorjahr (60,1 Prozent) und war so niedrig wie seit Jahren nicht mehr. „Ganz offensichtlich haben die Angst vor einer Corona-Ansteckung in der Arztpraxis, die Hygiene- und Abstandsregelungen aber auch die Zunahme von Kurzarbeit und die damit einhergehende Angst um den Arbeitsplatz dafür gesorgt, dass sich im vergangenen Jahr weniger Arbeitnehmer krankschreiben ließen“, vermutet Andreas Gärtner, Landesgeschäftsführer der IKK classic in Thüringen, ein Zusammenspiel verschiedener Gründe.

Insgesamt entfielen 2020 auf jeden handwerklich Beschäftigten 1,2 Krankheitsfälle mit einer Dauer von 18 Tagen. Damit ist zwar die Anzahl der Krankheitsfälle zurückgegangen, die durchschnittliche Falldauer einer Arbeitsunfähigkeit lag mit 18 Tagen im Vergleich zum Vorjahr (15,6 Tage) aber deutlich höher.

Die meisten Ausfalltage verursachten Muskel- und Skelett-Erkrankungen mit einem Anteil von 33,8 Prozent am Krankheitsgeschehen (Vorjahr: 33,7 Prozent). Jeder dritte handwerklich Beschäftigte fiel demnach wegen Beeinträchtigungen am Bewegungsapparat aus. Dahinter folgten Verletzungen und Vergiftungen mit 16,2 Prozent (Vorjahr: 16,8 Prozent) sowie Erkrankungen der Atmungsorgane mit 13,8 Prozent (Vorjahr 13,4 Prozent). Psychische Erkrankungen machten 12,6 Prozent aller Fehltage aus und sind im Vergleich zum Vorjahr (11,7 Prozent) gestiegen.  

Anteil der Langzeiterkrankungen so hoch wie nie zuvor

Über die Hälfte der Arbeitsunfähigkeitstage im Thüringer Handwerk ist auf Langzeiterkrankungen zurückzuführen. Ihr Anteil nimmt schon seit Jahren stetig zu und lag 2020 mit 52,8 Prozent (Vorjahr: 50,3 Prozent) so hoch wie nie zuvor. „Angesichts der älter werdende Belegschaft und des anhaltend hohen Prozentsatzes der Muskel- und Skelett-Erkrankungen im Handwerk, ist diese Entwicklung nicht überraschend, bereitet uns aber dennoch Sorgen“, so Andreas Gärtner.

Krankenstand im Baugewerbe am höchsten

Wie bereits in den Vorjahren auch, war das Krankheitsgeschehen im Bau- und Ausbaugewerbe 2020 besonders hoch. So sorgten die körperlich schweren und anstrengenden Tätigkeiten bei den Beschäftigten in dieser Gewerbegruppe nicht nur für den höchsten Krankenstand (6,7 Prozent) sondern auch für die meisten Krankheitstage (24,4). Auch der Anteil der Langzeiterkrankungen lag mit 59,5 Prozent mit Abstand am höchsten, was mit dem hohen Anteil an Muskel- und Skeletterkrankungen (40,6 Prozent) begründet werden kann. Mit einem Krankenstand von 4,3 Prozent und 17,4 krankheitsbedingten Fehltagen  war  das Bekleidungs-, Textil- und Ledergewerbe erneut die Gewerbegruppe mit dem geringsten Krankheitsgeschehen im Thüringer Handwerk. Ein Krankheitsfall dauerte durchschnittlich 15,4 Tage, was sich auch im geringen Anteil der Langzeiterkrankungen mit nur 38,5 Prozent widerspiegelt. Die niedrigste Arbeitsunfähigkeitsquote im Branchenvergleich lag mit 51,4 Prozent erneut im Nahrungsmittelgewerbe. Fleischer, Bäcker oder Konditoren waren im Durchschnitt zwar nur einmal im Jahr krank. Dafür dauerte diese Arbeitsunfähigkeit mit 20,9 Tagen von allen handwerklichen Gewerbegruppen am längsten.

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