In 2020 weniger Anträge auf Eltern-Kind-Kuren

Im Jahr 2020 sind in Westfalen-Lippe knapp 36 Prozent weniger Anträge auf Eltern-Kind-Kur eingegangen als im Vorjahr. Mehr als 93 Prozent der Anträge wurden aufgrund von psychischen Erkrankungen gestellt.

(03.03.2021). Die Corona-Pandemie hat das Leben aller Menschen verändert – auch das von Familien mit Kindern. Bereits der Lockdown im Frühjahr 2020 – als Eltern erstmals aufgrund geschlossener Kitas und Schulen neben ihren beruflichen und privaten Verpflichtungen auch noch als Lehrer gefragt waren – hat viele Mütter und Väter an die Grenze ihrer Belastbarkeit gebracht. Da erscheint es naheliegend, dass der Bedarf an Eltern-Kind-Kuren und somit auch die Zahl der bei Krankenkassen eingehenden Anträge gestiegen ist. „Dem ist aber nicht so – zumindest nicht bei uns“, berichtet Dietmar Griese, Landesgeschäftsführer der IKK classic in Westfalen-Lippe. „Bis Dezember 2020 sind bei uns mit 1.634 knapp 901 Anträge auf Eltern-Kind-Kur weniger eingegangen als im Vorjahreszeitraum.“ Die Krankenkasse betreut in Westfalen-Lippe knapp 770.000 Versicherte.

Bereits im März sank die Zahl der Anträge auf Eltern-Kind-Kuren bei der IKK classic in Westfalen-Lippe um 26,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Im April lagen die Antragszahlen um 67,5 Prozent und im Mai sogar um 79,1 Prozent unter den Vorjahreswerten. Die Zurückhaltung bei den Anträgen, die zu 80 Prozent von Müttern gestellt werden, war allerdings nicht nur während der ersten Corona-Welle prägend, sondern setzte sich seitdem weiter fort. Die Zahl sank mit dem zweiten Lockdown im November und Dezember wieder um über 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Insgesamt registrierte die IKK classic in Westfalen-Lippe im Jahr 2020 einen Antragsrückgang um 35,5 Prozent.

„Das heißt aber nicht, dass der Bedarf  tatsächlich gesunken ist“, so Dietmar Griese. Vielmehr sei davon auszugehen, dass Versicherte aus Sorge vor einem Infektionsrisiko diese Leistung nicht beantragt haben. Sogar bereits genehmigte Maßnahmen wurden abgesagt oder verschoben. „Wir erwarten, dass sich die besonderen Belastungen aufgrund der Corona-Pandemie erst mittelfristig auswirken und die Zahl der Anträge in diesem Jahr und den kommenden Jahren deutlich zunehmen wird“, so der Landesgeschäftsführer. Im Gegensatz zum Frühjahrs-Lockdown 2020, müssen die Kureinrichtungen im aktuellen Lockdown nicht komplett geschlossen werden. Um die notwendigen Abstände einzuhalten, können die Einrichtungen ihre Betten jedoch nicht zu 100 Prozent belegen. Es gelten strenge Hygieneregeln, um Eltern und Kinder bestmöglich vor einer Infektion zu schützen.

Bei Eltern-Kind-Kuren stehen Mütter oder Väter im Mittelpunkt der Behandlungen. Die Gründe für die medizinische Notwendigkeit dieser Maßnahme sind häufig psychische Erkrankungen, beispielsweise durch Belastungssituationen im privaten oder beruflichen Bereich. Im Jahr 2020 bezogen sich 93,3 Prozent aller Anträge bei der IKK classic in Westfalen-Lippe auf eine Diagnose aus dem Bereich der psychischen Erkrankungen. Im Jahr 2019 waren es 90,7 Prozent. Die Mitnahme der Kinder ist bei Eltern-Kind-Kuren aus verschiedenen Gründen möglich, zum Beispiel wenn die Betreuung während der Abwesenheit von Mutter oder Vater nicht sichergestellt werden kann, aus sozialen Gründen oder weil das Kind ebenfalls behandlungsbedürftig ist.

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Anträge Eltern-Kind-Kuren 2019-2020 bei der IKK classic in Westfalen-Lippe.

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