Gesundheitssituation im Handwerk in Westfalen-Lippe

Krankenstand bleibt auf hohem Niveau – Krankheitsdauer deutlich gestiegen – auffallend hohes Krankheitsgeschehen im Bau- und Ausbaugewerbe

(09.04.2021). Trotz Corona-Pandemie ist der Krankenstand im Westfälisch-Lippischen Handwerk 2020 nur leicht gestiegen und lag mit 5,8 Prozent knapp über dem Vorjahreswert von 5,7 Prozent. Das berichtet die IKK classic auf Basis der Arbeitsunfähigkeitsdaten von über 132.000 handwerklich Beschäftigten mit Krankengeldanspruch.

An jedem Arbeitstag des Jahres 2020 fehlten demnach knapp sechs von 100 Beschäftigten im Handwerk. Durchschnittlich waren Handwerkerinnen und Handwerker in Westfalen-Lippe im vergangenen Jahr 21,3 Tage krankgeschrieben (Vorjahr: 20,8 Tage). Die sogenannte Arbeitsunfähigkeitsquote lag mit 54,2 Prozent aber deutlich unter der aus dem Vorjahr (56,8 Prozent) und war so niedrig wie seit Jahren nicht mehr. „Ganz offensichtlich haben die Angst vor einer Corona-Ansteckung in der Arztpraxis, die Hygiene- und Abstandsregelungen, aber auch die Zunahme von Kurzarbeit und die damit einhergehende Angst um den Arbeitsplatz dafür gesorgt, dass sich im vergangenen Jahr weniger Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer krankschreiben ließen“, vermutet Dietmar Griese, Landesgeschäftsführer der IKK classic Westfalen-Lippe, ein Zusammenspiel verschiedener Gründe. Insgesamt entfielen 2020 auf jeden handwerklich Beschäftigten 1,2 Krankheitsfälle mit einer durchschnittlichen Dauer von 17,7 Tagen. Damit ist zwar die Anzahl der Krankheitsfälle zurückgegangen (2019: 1,4 Fälle), die durch-schnittliche Falldauer einer Arbeitsunfähigkeit im Vergleich zum Vorjahr (2019: 15,3 Tage) aber deutlich höher.

Anteil der Langzeiterkrankungen so hoch wie nie zuvor
Über die Hälfte der Arbeitsunfähigkeitstage bei den Handwerker:innen in Westfalen-Lippe ist auf Langzeiterkrankungen zurückzuführen. Ihr Anteil nimmt schon seit Jahren stetig zu und lag 2020 mit 55,9 Prozent (Vorjahr: 53,5 Prozent) so hoch wie nie zuvor. „Angesichts der immer älter werdenden Belegschaft ist diese Entwicklung nicht überraschend, bereitet uns aber dennoch Sorgen“, so Dietmar Griese. Die meisten Ausfalltage verursachten Muskel- und Skelett-Erkrankungen mit einem Anteil von 37,1 Prozent am Krankheits-geschehen (Vorjahr: 36,3 Prozent). Mehr als jede/r dritte handwerklich Beschäftigte fiel demnach wegen Beeinträchtigungen am Bewegungsapparat aus. Dahinter folgten Verletzungen und Vergiftungen mit 17,3 Prozent (Vorjahr: 17,8 Prozent). Psychische Erkrankungen liegen mit 13 Prozent auf Platz drei und sind im Vergleich zum Vorjahr gestiegen (2019: 12,5 Prozent). Erkrankungen der Atmungsorgane machten 11,8 Prozent aller Fehltage (Vorjahr: 12 Prozent) aus. 

Krankenstand im Baugewerbe am höchsten
Wie bereits in den Vorjahren auch, war das Krankheitsgeschehen im Bau- und Ausbaugewerbe 2020 besonders hoch. So sorgten die körperlich schweren und anstrengenden Tätigkeiten bei den Beschäftigten in dieser Gewerbegruppe nicht nur für den höchsten Krankenstand von 7,3 Prozent sondern mit einem Wert von 26,8 auch für die meisten Krankheitstage. „Auch der Anteil der Langzeit-erkrankungen lag mit 63,6 Prozent mit Abstand am höchsten, was mit einem sehr hohen Anteil an Muskel- und Skeletterkrankungen von 44,3 Prozent begründet werden kann“, sagt Dietmar Griese. Den geringsten Krankenstand gab es im Gesundheits-, Körperpflege- und Reinigungsgewerbe mit 5,1 Prozent. Die Mitarbeiter:innen dieser Gewerbegruppen wiesen mit 17,1 Prozent jedoch einen überdurchschnittlichen Anteil von psychischen Erkrankungen auf. Die niedrigste Arbeitsunfähigkeitsquote im Branchenvergleich lag mit 49,6 Prozent im Nahrungsmittelgewerbe. Fleischer:innen, Bäcker:innen oder Konditor:innen waren im Durchschnitt zwar nur einmal im Jahr krank. Dafür dauerte diese Arbeitsunfähigkeit mit 22,5 Tagen von allen handwerklichen Gewerbegruppen am längsten.

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