Arbeiten in der Eiszeit

Schutz und Sicherheit im Winter

Ob im Wald oder auf der Baustelle: Vielerorts muss auch im Winter im Freien gearbeitet werden. Es liegt nicht nur im Interesse von Betriebsinhabern, die Gesundheit ihrer Angestellten zu schützen, sie sind gesetzlich verpflichtet, bei Eis, Schnee und Minusgraden entsprechende Sicherheitsvorkehrungen zu treffen.

Die typischen winterlichen Witterungseinflüsse wie Nässe und Glätte erhöhen die Stolper-, Rutsch- und Sturzgefahr enorm. Schlechtere Lichtverhältnisse durch längere Dunkelheit und Schnee schränken zudem die Sehfähigkeit ein. Ruckzuck wird das Flachdach zur Rutschbahn und der Betriebshof zum Abenteuerspielplatz. Im Winter 2015/2016 ereigneten sich laut der Berufsgenossenschaft Bau (BG Bau) rund 23.000 Arbeitsunfälle, von denen über 5.000 durch stolpern, ausrutschen und stürzen passierten.

Darüber hinaus lassen bei Kälte Beweglichkeit und Koordinationsvermögen nach, wodurch sich das Unfallrisiko ebenfalls erhöht. Niedrige Temperaturen führen nicht nur häufig zu Erkältungen, sondern es besteht zudem die Gefahr, dass zum Beispiel Finger und Zehen erfrieren.

Risiken erkennen und vermeiden

Durch das Arbeitsschutzgesetz sind Unternehmer verpflichtet, mögliche Gefährdungen der Sicherheit und Gesundheit ihrer Beschäftigten zu beurteilen und entsprechende Maßnahmen zum Schutz festzulegen. Für Arbeitsplätze im Freien besagt die Arbeitsstättenverordnung unter anderem, dass sie bei jeder Witterung sicher erreichbar und benutzbar sein müssen. Daher müssen Arbeitgeber zunächst dafür sorgen, dass die Verkehrswege auf dem Betriebsgelände und auf externen Baustellen sicher begeh- und befahrbar sind. Vereiste Baugerüste und Dachflächen dürfen gar nicht betreten werden.

Neben Schneeräumen, Streuen und der Installation einer angemessenen Beleuchtung steht der Kälteschutz auf der Agenda. Die „Grundsätze zur Prävention“ der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) sind neben den gesetzlichen Vorgaben maßgeblich, um Unfall- und Gesundheitsgefahren infolge der Wetterverhältnisse zu vermeiden.

Zwischendurch aufwärmen

Mitarbeitern, die an Freiluftarbeitsplätzen beschäftigt sind, bieten beispielsweise Arbeitszelte und beheizbare Fahrerkabinen als organisatorische Maßnahmen einen Schutz vor Wind und Niederschlägen. Wer komplett im Freien arbeitet, muss die Möglichkeit haben, sich zwischendurch aufzuwärmen und umzuziehen. Aus diesem Grund sind beheizte Pausen-, Aufwärm- und Umkleideräume auf Baustellen Pflicht. Idealerweise gibt es dort zudem die Möglichkeit, sich warme Getränke zuzubereiten. Auch für die Temperaturen gibt es in den Technischen Regeln für Arbeitsstätten Richtwerte: In Aufenthalts- und Sanitärräumen sollten mindestens 21 °C herrschen, in Waschräumen mit Duschen mindestens 24 °C.

Je kälter die Außentemperaturen sind, desto kürzer sollten die Arbeitsintervalle und umso länger die Pausen zum Aufwärmen sein. Anhaltspunkte darüber, wie lange ein Mitarbeiter ununterbrochen der Kälte ausgesetzt sein darf (Kälteexposition) und wie lange die Aufwärmzeit sein muss, gibt die DIN 33403-5. Beträgt die maximale Kälteexposition im Kältebereich II (unter +10 bis -5 °C) 150 Minuten, sind es im Bereich IV (unter -18 bis -30 °C) nur noch 90 Minuten. Die empfohlene Aufwärmzeit steigt von zehn auf 30 Minuten.

Schützende Kleidung ist unverzichtbar

Zusätzlich zu technischen und organisatorischen Maßnahmen ist bei Kältearbeitsplätzen die entsprechende Schutzkleidung unverzichtbar. Wetterschutzkleidung, Arbeitsschuhe, Handschuhe sowie Kopf- und gegebenenfalls Gesichtsschutz bilden die Persönliche Schutzausrüstung (PSA), die gemäß der PSA-Benutzungsverordnung vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellt werden muss. Wie bei anderen Maßnahmen des Arbeitsschutzes muss die Auswahl der Kleidung auf Basis einer Gefährdungsbeurteilung getroffen werden. Dabei helfen eine Fachkraft für Arbeitssicherheit oder auch der Betriebsarzt.

Bei Schutzkleidung spielt neben der eigentlichen Schutzfunktion der Tragekomfort eine wichtige Rolle. So ist es sinnvoll, auf Atmungsaktivität der Kleidung zu achten, damit die Feuchtigkeit nach außen abgeleitet wird und die Mitarbeiter nicht ins Schwitzen kommen. Handschuhe sollten die Beweglichkeit der Finger nicht einschränken. Häufig ist auch die Kombination von Schutz-und Warnkleidung empfehlenswert.

Bei der Arbeit in der Kälte wird auch die Haut extrem beansprucht und sollte zum Beispiel durch Kälteschutzcreme geschützt werden. Hier gelten die gleichen Vorgaben wie für andere Gefährdungen und Belastungen am Arbeitsplatz: So genannte Hautmittel gehören zur persönlichen Schutzausrüstung und müssen den Beschäftigten zur Verfügung gestellt werden.

Über Gefahren regelmäßig informieren

Im Arbeitsschutzgesetz, in der Arbeitsstättenverordnung und auch im Regelwerk der DGUV ist vorgeschrieben, dass Unternehmer mindestens einmal jährlich ihre Beschäftigten über mögliche Gefährdungen und die entsprechenden Schutzmaßnahmen unterweisen müssen. Dazu gehört auch eine Erläuterung über die richtige Verwendung der PSA. Als Basis dient die schriftliche Betriebsanweisung des Arbeitgebers, die unter anderem Angaben über den Einsatz, die Ausführung und die Tragedauer der Schutzkleidung enthält. Wichtig sind in der Betriebsanweisung und in der mündlichen Unterweisung Informationen für die Beschäftigten, wie sie Schäden erkennen können. Arbeitnehmer sind nach den DGUV „Grundsätzen zur Prävention“ nicht nur verpflichtet, ihre PSA anzulegen, sondern sie auch vor dem Benutzen auf sichtbare Mängel zu untersuchen.

Grippeschutz anbieten

Die durchaus sinnvolle Grippeimpfung kann nicht angeordnet, aber angeraten und beispielsweise vom Betriebsrat organisiert werden. Seitens des Arbeitnehmers besteht jedoch keine Verpflichtung zu einem gesundheitsfördernden Verhalten.

Checkliste für Arbeiten im Winter

  • Gefährdungsbeurteilung über Unfall- und Gesundheitsgefahren am Arbeitsplatz durch Kälte, Nässe und Glätte erstellen.
  • Technische Maßnahmen wie das Räumen und Streuen von Verkehrswegen und das Bereitstellen von beheizten Sozialräumen durchführen.
  • Maßnahmen zur Arbeitsorganisation wie Arbeitszeiten in der Kälte und Aufwärmzeiten planen.
  • Persönliche Schutzausrüstungen gegen Kälte und Nässe für die Beschäftigten beschaffen.
  • Betriebsanweisung über Gefahren und Schutzmaßnahmen im Winter erstellen und Unterweisungen der Beschäftigten durchführen.

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