Es geht auch leise

Lärmschutz am Arbeitsplatz

Ratternde Maschinen, kreischende Sägen –  in Handwerk und Industrie geht es laut zu. Nach Angaben der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) sind in Deutschland ca. fünf Millionen Arbeitnehmer während ihrer Tätigkeit gesundheitsschädlichem Lärm von 85 Dezibel und mehr ausgesetzt. Das hat Folgen: Jährlich erkennen die Berufsgenossenschaften mehr als 6000 Fälle  von Lärmschwerhörigkeit als Berufskrankheit an.

Doch nicht immer sind es laute Maschinen, welche die Gesundheit negativ beeinträchtigen. Auch ein ständig hoher Geräuschpegel in Büroräumen kann belastend sein. Nach einer Untersuchung der BAuA beeinträchtigen Schalldruckpegel in Büroräumen zwischen 40 und 70 Dezibel die Konzentrationsfähigkeit um 20 bis 30 Prozent.

Weniger Leistung in lauten Betrieben

Zu den negativen Auswirkungen von Lärm auf die Gesundheit zählen nicht nur Hörschäden, wie Schwerhörigkeit, Hörsturz oder Tinnitus. Eine ständig hohe Geräuschkulisse beeinträchtigt auch die Konzentration, die Kommunikation und das soziale Verhalten am Arbeitplatz. Das führt zu Stress, der wiederum Herz-Kreislauf-Störungen hervorrufen kann. Lärm erhöht zudem das Unfallrisiko, da er Signale und Warnungen verdeckt.

Für den Arbeitgeber lohnen sich Investitionen in die Lärmvermeidung also mehrfach: Ruhigere Arbeitsplätze schützen die Gesundheit der Mitarbeiter, sorgen für weniger Ausfallzeiten durch lärmbedingte Erkrankungen und erhöhen die Produktivität und Leistungsfähigkeit des Betriebes.

Wie laut darf es sein?

Sind Arbeitnehmer über einen achtstündigen Arbeitstag verteilt Lautstärken von 80 Dezibel und mehr oder kurzzeitig einer extremen Lärmbelastung von 135 Dezibel ausgesetzt, ist der Arbeitgeber nach dem Arbeitsschutzgesetz und der Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung verpflichtet, tätig zu werden. Für Lärm im Büro gibt es dagegen keine verbindlichen Grenzwerte. Die Geräuschkulisse ist dort  so niedrig zu halten, wie es nach der Art des Betriebes möglich ist. Empfohlen werden für routinemäßige Büroarbeiten Schalldruckpegel von weniger als 55 Dezibel, fürTätigkeiten, die besondere Konzentration verlangen, sollte es nicht mehr als 45 Dezibel sein.

Lärmquellen ausfindig machen

Zunächst gilt es herauszufinden, ob Beschäftigte am Arbeitsplatz Lärm ausgesetzt sind, wie hoch dieser tatsächlich ist und welche Quellen dafür verantwortlich sind.

Lärmmessungen müssen nach dem Gesetzgeber von fachkundigen Personen, wie der Fachkraft für Arbeitssicherheit, nach dem Stand der Technik durchgeführt werden. Während größere Betriebe hierfür meist auf eigenes geschultes Personal zurückgreifen können, besteht für kleinere Unternehmen die Möglichkeit, externe Fachkräfte zu verpflichten. Unterstützung bieten Berufsverbände, Innungen und Kammern, die häufig für ihre Mitgliedsunternehmen Rahmenverträge für eine sicherheitstechnische Betreuung ausgehandelt haben.

Starker Lärm: Der Arbeitgeber in der Pflicht

Zeigen Lärmmessungen eine Belastung von 80 Dezibel im Mittel eines Achtstundentages oder kurzzeitige Spitzenlautstärken von 135 Dezibel muss der Arbeitgeber seine Mitarbeiter auf die außergewöhnliche Lärmbelastung hinweisen, Gehörschutz zur Verfügung stellen und eine arbeitsmedizinische Beratung und Untersuchung anbieten.

Bei einer Lärmbelastung von 85 Dezibel über den Tag verteilt oder Spitzenlautstärken von 137 Dezibel und mehr reichen diese vorbeugenden Maßnahmen jedoch nicht mehr aus. Der Arbeitgeber ist nun verpflichtet, den hohen Lärmpegel am Arbeitsplatz zu senken, das Tragen von Gehörschutz zu kontrollieren und das Gehör der Beschäftigten medizinisch untersuchen zu lassen. Kommt er seinen Pflichten nicht nach, können Berufsgenossenschaften und Gewerbeaufsichtsämter einschreiten.

So lässt sich Krach am Arbeitsplatz vermeiden

  • Geräuscharme Geräte:

Schon beim Kauf von Werkzeugen und Maschinen sollte der Unternehmer geräuscharme Geräte auswählen. Dafür reicht ein Blick in die Betriebsanleitung oder Verkaufsunterlagen, da Hersteller verpflichtet sind, über die Geräuschabgabe zu informieren. Auch freiwillige Umweltkennzeichen bieten Orientierung, zum Beispiel der Blaue Engel. Doch manchmal reicht die konsequente Wahl lärmarmer Geräte nicht, um eine ruhige Arbeitsatmosphäre zu schaffen. Denn kommen mehrere Lärmquellen gleichzeitig zusammen, verstärkt das den Umgebungslärm. Absolute Sicherheit geben letztlich nur Lärmmessungen am Arbeitsplatz.

  • Gute Raumakustik:

Produktionshallen und moderne Gebäude schneiden bei der Akustik häufig schlecht ab aufgrund ihres hohen Anteils an Glas, Beton und Stahl. Abhilfe schaffen schallabsorbierende Unterdecken, Tapeten, Akustikputz oder spezielle Schallabsorber in Form von Kegeln oder Würfeln an der Decke. Besonders in Großraumbüros lassen sich mit schallabsorbierenden Stellwandelementen und Tischaufsätzen eine ruhigere Atmosphäre schaffen. Holzmöbel sollten bevorzugt werden. Für andere Möbel gibt es mikroperforierte Kunststofffolien zum Aufkleben, die den Schall absorbieren. Auch Vorhänge, Bilder, Teppiche und Pflanzen sind gute Lärmschlucker. Eine gute Trittschalldämmung im Fußboden sorgt zudem dafür, dass Mitarbeiter in den unteren Büros nicht jeden Fußtritt hören.

  • Lärmbereiche abgrenzen:

Nicht immer können laute Arbeiten zu Zeiten oder in Räumen erledigt werden, in denen andere nicht gestört werden. Dann sind Schallschutzkabinen oder -kapseln, unter denen Maschinen verborgen werden können, eine gute Lösung. Diese Bereiche muss der Arbeitgeber als Gefahrenzone kennzeichnen, die nur mit Gehörschutz betreten werden dürfen. In Büro- und Verwaltungsgebäuden verbessert eine räumliche Trennung zwischen kommunikativen Bereichen und solchen, in denen konzentriert gearbeitet werden muss, die Leistung. Dies kann zum Beispiel durch eine entsprechende Zonierung, die Einrichtung von Besprechungsräumen, Einzelbüros oder von Teeküchen für informelle Gespräche in Pausen geschaffen werden. Geräte, die von mehreren Personen benutzt werden, wie Drucker oder Kopierer, gehören in separate Räume. Falls das nicht möglich ist, können kleinere Geräte hinter Trennwänden oder unter Schallhauben gestellt werden. Spezielle Unterlagen sorgen für eine Lärmdämmung nach unten.

  • Gehör- und Körperschutz:

Lässt sich starker Lärm trotz aller Bemühungen nicht vermeiden, müssen die Mitarbeiter Gehörschutz tragen, die der Arbeitgeber zur Verfügung stellt. Häufig reichen Kapselgehörschützer oder Gehörschutzstöpsel, die mit verschiedenen Dämmwerten angeboten werden. Besonders sicher und bequem zu tragen sind Otoplastiken. Sie werden individuell an die Lärmsituation des jeweiligen Arbeitsplatzes und an die Ohranatomie des Mitarbeiters gefertigt wird. Bei hoher Lärmbelastung ist das Tragen von Schallschutzhelmen sinnvoll, um die Übertragung von Schallwellen über den Kopf auf das Innenohr zu vermeiden. Schutzanzüge müssen bei Schalldruckpegeln oberhalb von 130 Dezibel getragen werden, um die inneren Organe zu schützen.

Generell gilt für den Gehörschutz, dass die Filter Geräusche nur so weit dämpfen, dass sie Gehörschäden vermeiden, Warnsignale aber noch durchlassen. Auch eine Verständigung unter den Beschäftigten muss noch möglich sein. Bei der Auswahl, Anpassung und Überprüfung des richtigen Schutzes unterstützt die Fachkraft für Arbeitssicherheit oder der Betriebsarzt den Arbeitgeber. Doch der beste Gehörschutz nützt nichts, wenn er nicht getragen wird. Neben einer regelmäßigen Kontrolle ist allen Mitarbeitern klar zu machen, dass sie sich ohne Schutz bleibende Hörschäden zuziehen, auch wenn es „nur mal kurz“ etwas lauter wird. Gehen Vorgesetzte mit gutem Beispiel voran und tragen selbst immer Gehörschutz beim Betreten von Lärmbereichen, erhöht das die Akzeptanz bei den Beschäftigten.

IKK classic unterstützt Sie

Im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements unterstützt die IKK classic Betriebe bei der Analyse von Arbeitsplätzen und -situationen, der Implementierung von Maßnahmen zur Lärmminderung und zur Reduzierung von Stress.

Unsere Gesundheitsmanager vor Ort informieren Sie auch gern persönlich über alle Angebote oder Sie schicken uns eine Mail an bgm@ikk-classic.de.

Hier finden Sie außerdem Informationen zum Thema Tinnitus.

Verordnungen rund um Lärm am Arbeitsplatz