Schichtarbeit – So halten Sie Ihre Mitarbeiter fit

Ungefähr ein Viertel aller Arbeitnehmer arbeitet ständig oder regelmäßig im Schichtdienst – Tendenz steigend. Das hat Folgen für die Gesundheit. Doch Unternehmen können einiges tun, damit das Leben nicht zu sehr aus den Fugen gerät.

Wenn Schichtarbeit krank macht

Jede Art von Schichtarbeit kann mit gesundheitlichen und sozialen Belastungen für die Arbeitnehmer verbunden sein. Das gilt besonders für die Schichtarbeit mit Nachtschicht, denn  unsere Körperfunktionen sind in der Nacht nicht auf Leistung und am Tag nicht auf Schlaf programmiert. Der Organismus versucht, sich an diesen ungewöhnlichen Zeitablauf anzupassen. Dies funktioniert jedoch nur bedingt, denn mit jedem freien Tag, mit jedem Urlaub wird er in den „normalen” Tagesablauf zurückgeworfen. Denn der Nachtarbeiter kann sich nun mal nicht aus der Zeitstruktur seiner Umwelt lösen. Er weiß immer, wie spät es ist, er bemerkt Temperatur und Hell-Dunkel-Wechsel, ihm ist bewusst, dass die Nacht als Ruhezeit vorgesehen ist, und er bemerkt, dass seine Umwelt schläft und ruht, wenn er arbeitet.

Durch diese ständigen Anpassungsversuche kommt es zu gesundheitlichen Beschwerden und Erkrankungen wie Schlafstörungen, Nervosität, Konzentrationsstörungen, Leistungsminderung oder Magen-Darm-Beschwerden. Schichtarbeit kann besonders dann zum Risikofaktor für die Gesundheit werden, wenn weitere persönliche Probleme zu Hause oder am Arbeitsplatz hinzukommen.

Arbeitszeitgesetz: Gesundheitsschutz für Arbeitnehmer

Das Arbeitszeitgesetz gibt Vorgaben für die Gestaltung der Arbeitszeit, insbesondere der Nacht- und Schichtarbeit. Im Mittelpunkt steht die gesundheitliche und soziale Unversehrtheit des Arbeitnehmers. Das Gesetz konzentriert sich auf wenige übersichtliche und am Gesundheitsschutz orientierte Grundnormen für die höchstzulässige tägliche Arbeitszeit und für die arbeitsfreien Zeiten während der Arbeit sowie zwischen Beendigung und Wiederaufnahme der Arbeit. Die tatsächliche Arbeitszeit der Arbeitnehmer wird durch Tarifverträge, Betriebsvereinbarungen oder Einzelverträge festgelegt.

Besser: schneller Wechsel der Schichten

Mit einer gut gestalteten Schichtregelung haben Sie die wirksamste Möglichkeit in der Hand, Gesundheitsbeeinträchtigungen und soziale Benachteiligungen Ihrer Mitarbeiter zu mindern. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) hat Empfehlungen für die Gestaltung von Schicht- und Nachtarbeit herausgegeben. Sie befürwortet den schnellen Wechsel der Schichten statt lang rotierende Systeme aus z. B. je einer Woche Früh-, Spät- und Nachtschicht.

Kurz rotierende Systeme, wie ein 2-2-2-Wechsel, wirken sich positiver auf die Gesundheit und auf die soziale Integration aus. Geben Sie die Schichtpläne so früh wie möglich bekannt und vermeiden Sie kurzfristige Änderungen. So können Ihre Mitarbeiter genügend Zeit für Familie, Freunde und eigene Interessen einplanen. Ideal ist es, wenn die Schichtarbeitnehmer ihre Einsätze mitgestalten und diese auf die Arbeitszeiten ihrer Partner abstimmen können.

IKK-Praxistipp: Worauf es bei der Gestaltung von Schichtplänen ankommt.

Checken Sie Ihr Schichtsystem: Möchten Sie wissen, ob das in Ihrem Betrieb eingeführte Schichtsystem den arbeitswissenschaftlichen Empfehlungen entspricht? Die Antwort gibt die Checkliste Schichtplan auf den Projektseiten Arbeitszeit/Schichtarbeit der Initiative „Neue Qualität der Arbeit“ (INQA). Mit dem Tool  „Arbeitszeiten online bewerten“ können Sie zusätzlich das gesundheitliche und soziale Risiko Ihres Arbeitszeitsystems zu beurteilen. 

Knackige Mahlzeiten statt fetter Snacks

Regelmäßige Essenszeiten sind gerade für Schichtarbeiter wichtig, um Magen-Darmstörungen und Müdigkeit zu vermeiden. Deftige und große Mahlzeiten sollten aber tabu sein. Von Vorteil ist es, wenn Sie Ihre Kantine auch nachts öffnen. Belegte Vollkornbrote und -brötchen, leichte Quark- und Joghurtspeisen, Obst- und Gemüsesalate sowie eine warme leicht verdauliche Mitternachtsmahlzeit bringen neue Energie. Lässt sich eine Nachtöffnung nicht verwirklichen, geben Sie Ihrer Belegschaft die Möglichkeit, in einer gut ausgestatteten Küche mit Kühlschrank, Mikrowelle, Herd und Heißwasserkocher mitgebrachte Speisen zu erwärmen oder kleine Mahlzeiten selbst zusammenzustellen. Aufgestellte Automaten sind keine gute Alternative: Die angebotenen Snacks sind meist zu fett oder zu süß.

Cola, Kaffee und Schwarztee sind für viele Nachtarbeiter die bevorzugten Getränke. Das enthaltene Koffein regt zwar an, ein zu hoher Konsum kann jedoch zu Schlaflosigkeit und Magenbeschwerden führen. Bieten Sie deshalb auch andere warme Getränke wie Kräuter- und Früchtetees an, die gerade nachts bei niedriger Körpertemperatur eine wohltuende Wirkung haben.

Was müde Nachtarbeiter munter macht

Sie müssen aktiv sein, wenn der Körper auf Ruhe schaltet. Das hat zur Folge, dass die meisten „Nachtschichtler“ mit Müdigkeitsattacken und Konzentrationsschwäche zu kämpfen haben. Doch nächtliche Durchhänger lassen sich vermeiden:

  • Gewähren Sie Ihren Mitarbeitern stündliche Kurzpausen von 5 bis 10 Minuten zur Entspannung und Bewegung.
  • Vermeiden Sie hohe Temperaturen am Arbeitsplatz. Am besten lässt es sich bei einer Raumtemperatur von ca. 20 °C arbeiten.
  • Helle Lichtquellen mit einer Beleuchtungsstärke ab 1500 Lux halten zwar wach, werden aus arbeitsmedizinischer Sicht jedoch kritisch gesehen, weil sie zu einer längerfristigen Umkehr der Tagesrhythmik führen. Versuchen Sie, mit herkömmlichem Licht die Arbeitsräume gut auszuleuchten und Wände und Fußböden in hellen Farben zu gestalten.