IKK-Praxistipp Stress im Arbeitsumfeld

Führungskräfte haben einen direkten Einfluss auf die Gesundheit und Leistungsbereitschaft der Mitarbeiter. Hier erfahren Sie, wie Arbeitgeber und Führungskräfte im Berufsalltag mit dem Thema Stress umgehen können.

Im Interview: Katja Keller-Landvogt, Gesundheitsexpertin der IKK classic

Was sind die drei wichtigsten Aspekte beim Thema „Stress im Arbeitsumfeld“?

Laut Stressreport sind die Spitzenreiter der psychischen Anforderungen in der Arbeitswelt seit Jahren unverändert. Auf Platz 1 ist die gleichzeitige Betreuung verschiedener Aufgaben – das Multi-Tasking. Gefolgt von starkem Termin- und Leistungsdruck, ständig wiederkehrenden Arbeitsvorgängen und Störungen sowie Unterbrechungen bei der Arbeit.

Im europäischen Vergleich geben deutsche Beschäftigte mehr Termindruck an, berichten aber seltener von Arbeitsunterbrechungen sowie eintönigen Aufgaben.

Welche Rolle kommt dem Arbeitgeber oder der Führungskraft bei diesem Thema zu?

In dieser Position haben sie die beste Möglichkeit Arbeitsbedingungen zu gestalten. Ein Vorgesetzter, der offen ist für die Probleme und Belastungen der Mitarbeiter, kann dann auch Arbeitsabläufe oder -bedingungen verbessern. Das hat eine hohe präventive Wirkung. Die Ergebnisse des Stressreports haben gezeigt, je häufiger die Unterstützung von Vorgesetzten erfolgt, desto geringer ist die Anzahl von gesundheitlichen Beschwerden. Selbst wenn sich die Arbeitsbedingungen nicht verändern lassen, fühlt sich der Beschäftigte emotional  unterstützt, weil er ernst genommen und verstanden wurde. Da aber auch der Arbeitgeber und die Führungskräfte unter Termin- und Leistungsdruck stehen, ist es auch wichtig, gut für die eigene Gesundheit und Stressbewältigung zu sorgen.

Kann man Stress vermeiden oder wie kann man ihn zumindest verringern?

Da sich Stress nicht immer vermeiden lässt, sollte nach Ressourcen gesucht werden – im organisatorischen wie auch ideellen Bereich. Stressreduzierend wirkt zum Beispiel soziale Unterstützung, indem sich Mitarbeiter gegenseitig unterstützen. Das funktioniert vor allem dann, wenn es die Führungskraft vorlebt. Ein wichtiger Faktor ist das Thema „Wertschätzung“. Wenn Mitarbeiter Lob und Anerkennung bzw. regelmäßiges konstruktives Feedback bekommen, sie alle wichtigen Informationen zum Arbeitsprozess und Betriebsgeschehen erhalten und sie aktiv in Prozesse und Entscheidungen eingebunden sind, wird eine schwierige Situation gleich weniger stressend erlebt. Zudem steigt die Motivation und Leistungsfähigkeit.

Und welche organisatorischen Möglichkeiten haben Unternehmen?

Wichtig ist es, die Arbeitsabläufe und -prozesse unter die Lupe zu nehmen, wie wir das beim betrieblichen Gesundheitsmanagement mit den Analyseinstrumenten tun. Durch den Austausch zwischen Mitarbeitern und Führungskräften, z.B. in regelmäßigen Besprechungen, können Vorschläge entwickelt werden, wie sich Reibungsverluste in Arbeitsprozessen beseitigen lassen. Eine gute Arbeitsvorbereitung hilft, Fehler und unnötige Zeitverzögerungen zu vermeiden. Und zu guter Letzt sollten für alle wichtigen Aufgaben klare Verantwortlichkeiten festgelegt werden. Das verringert Stress ungemein.

10 praktische Tipps für Führungskräfte:

  • Einstellung gegenüber den Mitarbeitern prüfen: Wozu brauche ich meine Mitarbeiter? / Was bin ich ohne mein Team? / Woran merken meine Leute, dass sie mir wichtig sind? / Wo liegen wessen Stärken? / Was wäre, wenn sich meine Mitarbeiter gegen mich verschwören würden?
  • Die Mitarbeiter im persönlichen Gespräch fragen, wie es Ihnen geht?
  • Mich als Ansprechpartner bei Problemen anbieten und im Bedarfsfall für ein Gespräch Zeit nehmen.
  • Beim Gespräch das Gesagte des Mitarbeiter wirklich verstehen, ohne gleich ein „aber“ anzuschließen und Lösungen für Probleme erarbeiten bzw. anbieten.
  • Überlegen, wie sinnvolle Mitarbeiterbeteiligung möglich wird.
  • Regelmäßige Besprechungen mit den Mitarbeitern durchführen um Schwachstellen und Belastungen aufzudecken und Positives erfragen.
  • Klare Verantwortlichkeiten schaffen, Aufgaben klären
  • Teamzusammenhalt fördern durch gemeinsame Aktivitäten
  • Miteinander lachen, denn Arbeit soll Spaß machen
  • Überlegen, wie eine optimale Information der Mitarbeiter aussehen könnte.

Die IKK classic bietet Ihnen umfassende Unterstützung in Sachen Gesundheit im Betrieb in Form vom betrieblichen Gesundheitsmanagement an.

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