IKK-Praxistipp „Suchtprävention am Arbeitsplatz“

Führungskräfte haben einen direkten Einfluss auf die Gesundheit und Leistungsbereitschaft der Mitarbeiter. Das Thema Sucht am Arbeitsplatz bedarf jedoch einer besonderen Sensibilität. Hier erfahren Sie, wie Arbeitgeber und Führungskräfte im Berufsalltag damit umgehen können.

Im Interview: IKK-Suchtexperte Andreas Rieker

Was sind die drei wichtigsten Aspekte beim Thema „Suchtprävention am Arbeitsplatz“

Das Thema „Suchtprävention am Arbeitsplatz“ ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Es muss von allen Mitarbeitern mit getragen werden und kann nicht in der Verantwortung einzelner Personen liegen.

Es muss darauf geachtet werden, dass keine ideologische oder allgemein arbeitspolitische Auseinandersetzung im Vordergrund steht. Deshalb muss deutlich werden, dass es nicht um den Suchtmittelkonsum im Allgemeinen geht, sondern dass das Thema auf die Auswirkungen des Suchtmittelkonsums am Arbeitsplatz und die Arbeitszeit begrenzt ist.

Die Umsetzung von „Suchtprävention am Arbeitsplatz“ wird nur dann Erfolg haben, wenn der Betrieb ein Gesamtkonzept erarbeitet, in welchem sowohl der grundsätzliche Umgang mit Suchtmitteln am Arbeitsplatz wie auch das strukturierte Vorgehen bei suchtmittelbedingten Auffälligkeiten geregelt wird.

Welche Rolle kommt dem Arbeitgeber bei diesem Thema zu?

Das Thema muss im Betrieb hierarchisch von oben nach unten organisiert werden, gleichzeitig aber von unten nach oben mitgetragen werden. Das bedeutet, der Arbeitgeber ist Dreh- und Angelpunkt. Ohne die Unterstützung durch den Arbeitgeber oder die Führungskraft kann ein Konzept im Betrieb nicht umgesetzt werden. Gleichzeitig muss sie alle notwendigen Maßnahmen initiieren, um bei den Mitarbeitern die Unterstützung für die Umsetzung zu bekommen. Dies beinhaltet vor allem Schulungs- und Infoveranstaltungen für die Mitarbeiter. 

Welche Risiken gibt es, wenn das Thema Sucht tabuisiert wird (egal ob es bereits Betroffene gibt)?

Das Schlimmste sowohl für den Betroffenen als auch für den Betrieb ist, wenn nichts passiert. Das heißt, eine Tabuisierung schadet allen Beteiligten. Werden suchtmittelbedingte Auswirkungen nicht angesprochen, rutscht der betroffene Mitarbeiter immer tiefer in einen möglichen Suchtprozess mit all den begleitenden gesundheitlichen Risiken und Schäden. Dem Betrieb entstehen dadurch verstärkte Kosten auf Grund von Schlechtleistung und Fehlzeiten. Das Betriebsklima leidet und es kann negative Auswirkungen auf das Image des Betriebes geben.

Was heißt eigentlich süchtig sein?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert Sucht wie folgt: Sucht ist ein Zustand periodischer oder chronischer Vergiftung, hervorgerufen durch den wiederholten Gebrauch einer natürlichen oder synthetischen Droge und ist gekennzeichnet durch 4 Kriterien. Ein unbezwingbares Verlangen zur Einnahme und Beschaffung des Mittels, eine Tendenz zur Dosissteigerung (Toleranzerhöhung), die psychische und meist auch physische Abhängigkeit von der Wirkung der Droge und die Schädlichkeit für den einzelnen und/oder die Gesellschaft.  

Falls es bereits Betroffene gibt: Was sollte der Arbeitgeber/die Führungskraft nun tun?

Die Führungskraft sollte schnellstmöglich ein offenes Gespräch mit dem betroffenen Mitarbeiter führen. Voraussetzung dafür ist, dass es Auffälligkeiten (beobachtete Fakten) gibt, auf welche im Gespräch Bezug genommen werden kann. Dem Mitarbeiter muss deutlich signalisiert werden, dass eine Verhaltensänderung notwenig ist, um mögliche Konsequenzen abzuwenden.

Spätestens hier wird deutlich, wie wichtig ein im Betrieb festgelegtes Handlungskonzept im persönlichen Umgang mit suchtmittelbedingten Auffälligkeiten für die Führungskräfte ist. 

10 praktische Tipps für Führungskräfte:

  • Vereinbarungen mit dem Betroffenen treffen, wie das konkrete weitere Vorgehen aussieht
  • Mögliche Hilfsangebote aufzeigen
  • Klares und konsequentes Vorgehen des Betriebes bei weiteren Auffälligkeiten deutlich machen
  • Die festgestellten Auffälligkeiten in den Zusammenhang mit einem beobachteten oder vermuteten Suchtmittelkonsum bringen
  • Beim Gespräch „Ich-Botschaften“ und die eigene Sorge zum Ausdruck bringen
  • Frühzeitiges Ansprechen dieser möglichen suchtmittelbedingten Auffälligkeiten
  • Bei Auffälligkeiten sich selbst ein Bild machen und Fakten sammeln
  • Informationen zum Thema „Sucht am Arbeitsplatz“ für alle Mitarbeiter
  • Verfügbarkeit von Suchtmitteln im Betrieb einschränken oder abstellen
  • Sich als Führungskraft klar machen, dass der Weg aus einer Sucht ein Prozess ist, der nicht mit einem Gespräch abgeschlossen sein wird.

Die IKK classic bietet Ihnen umfassende Unterstützung in Sachen Gesundheit im Betrieb in Form vom betrieblichen Gesundheitsmanagement an.