Auf Azubisuche

Es wird immer schwieriger, gute Auszubildende zu finden – der Wettbewerb um die „besten Köpfe“ hat längst begonnen. Umso wichtiger ist es, sich rechtzeitig Gedanken über geeignete Strategien für die Nachwuchssuche zu machen. Noch ist der demografische Wandel nicht in seinem ganzen Ausmaß spürbar. In den nächsten Jahren wird der Fachkräftemangel jedoch stetig zunehmen.

Betriebe, die ihre Zukunft sichern wollen, müssen ihren Bedarf an Experten selbst ausbilden und den Nachwuchs im Betrieb halten. Gute Azubis werden allerdings knapp: Rückläufige Schulabgänger-Zahlen bestimmen den Ausbildungsmarkt; ein sinkendes Bildungsniveau und fehlende Ausbildungstauglichkeit der Abgänger, der Trend zum höheren Schulabschluss sowie die neuen Bachelor-Studiengänge schränken die Anzahl potenzieller Auszubildenden weiter ein. Das bedeutet: Wer einen Azubi haben will, der wirklich zum Unternehmen passt, braucht gute Strategien.

Genaues Anforderungsprofil erstellen

Vor der Suche steht erst einmal das Anforderungsprofil: Wer sich genau überlegt, was er von seinem neuen Azubi erwartet, hat es bei der Auswahl leichter und wird später seltener enttäuscht. Je besser Azubi und Betrieb zueinander passen, desto eher bleibt der Nachwuchs im Unternehmen. Überlegen Sie, was Ihr Unternehmen jetzt braucht, aber schauen Sie auch in die Zukunft: Welche Art Mitarbeiter benötigt Ihr Unternehmen in 10 Jahren? Welche Schulausbildung, welche Fächerkombination ist notwendig?

Legen Sie fest, welche Schulnoten eine Rolle spielen und wie der Bewerber in den einzelnen Fächern abgeschnitten haben sollte. Auch besondere Charaktereigenschaften können für einen Lehrberuf wichtig sein: Überlegen Sie, welche Eigenschaften – zum Beispiel Einfühlungsvermögen, Redegewandtheit, Fähigkeit zur Teamarbeit – Sie in Ihrem Unternehmen brauchen. Fehlende Kompetenzen können eventuell ausgeglichen oder nachqualifiziert werden, planen Sie Maßnahmen wie Kurse oder Paten im Unternehmen ein, vielleicht kommt auch eine Teilzeitausbildung infrage. Bestimmen Sie Kriterien, anhand derer Sie die Bewerbungsunterlagen vorsortieren und bewerten wollen.

Was erwarten die Bewerber?

Obwohl es 350 anerkannte Ausbildungsberufe gibt, entfallen drei Viertel aller abgeschlossenen Verträge auf nur 44 Berufe – häufig aus Unkenntnis der Bandbreite! Wollen Sie die besten und motiviertesten Bewerber ihres Jahrgangs, müssen Sie überlegen, was Auszubildende wollen und was Ihr Betrieb dem Azubi zu bieten hat. Auszubildende wünschen sich eine Verzahnung von Lern- und Arbeitsprozessen und damit eine praxisnahe Ausbildung. Auch kompetente Ausbilder, Lernerfolg und ein sicherer Abschluss stehen auf der Wunschliste ganz oben. Ganz wichtig für die Jugendlichen: Die Möglichkeit, nach der Ausbildung übernommen zu werden. Zahlreiche Überstunden, ungerechte Behandlung und das Gefühl, eine billige Arbeitskraft zu sein, sind für Auszubildende hingegen das größte Manko von Ausbildungsbetrieben.

Was bietet der Betrieb?

Erstellen Sie ein Berufs- und Unternehmensprofil: Was macht diesen Ausbildungsberuf für Bewerber interessant? Neben dem Verdienst können das bestimmte Lehrinhalte sein, die Möglichkeit zur späteren Selbstständigkeit – ein gutes Argument für einen Handwerksberuf – oder die Basis für ein anschließendes bzw. ein duales Studium. Stellen Sie zusammen, was Ihr Unternehmen für einen Bewerber interessant macht: Spätere Übernahmemöglichkeiten, Entwicklungspotenziale im Betrieb, eine große Lehrwerkstatt, die persönliche Betreuung, Möglichkeiten auf Zuschüsse zur Fort- und Weiterbildung – betrachten Sie Ihr Unternehmen wie ein Außenstehender, fragen Sie Mitarbeiter oder Kunden. Überlegen Sie, welche Rahmenbedingungen Sie ändern können, um für Auszubildende attraktiver zu werden. Je mehr Punkte auf der Habenseite stehen, umso besser.

Auf die persönliche, fachliche und arbeitspädagogische Eignung kommt es an

Im Unternehmen muss es einen Verantwortlichen geben, der persönlich, fachlich und arbeitspädagogisch für die Ausbildung geeignet ist. Neben den formalen Anforderungen des Gesetzgebers zeichnet sich ein guter Ausbilder durch eine ausgeprägte Persönlichkeitskompetenz aus. Idealerweise ist er aufgrund seiner fachlichen Fähigkeiten selbstsicher, kann mit Stress gut umgehen, ist einsatzbereit und an Werten orientiert; er bemüht sich um Objektivität und Gerechtigkeit gegenüber den Lernenden.

Wichtig ist seine Kommunikationsfähigkeit: Neben der Vermittlung von Lerninhalten muss er in der Lage sein, die konkreten Anforderungen des Betriebs an „den Mann zu bringen“, wie zum Beispiel Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Selbstorganisation, Eigenverantwortung und spürbare Leistungsmotivation. Aber auch die Lösung von Konflikten gehört zu seinem Repertoire: Werden individuelle Gespräche einfühlsam geführt und mit greifbaren Vereinbarungen beendet, können sie durchaus Verhaltensänderungen bewirken. Kurz: Ein kompetenter Ausbilder fördert und fordert seine Azubis – und bindet sie so an das Unternehmen.

Die ersten Tage prägen

Das Verhältnis des Auszubildenden zum Betrieb hängt in hohem Maße von den Eindrücken der ersten Tage ab. Eine sorgfältige Vorbereitung ist daher eine gute Investition in die Zukunft. Mit Ausbildungsbeginn haben Sie alle notwendigen Formalitäten erledigt und die erforderlichen Arbeitsmittel liegen bereit. Zeigen Sie dem Auszubildenden, dass er im Betrieb willkommen ist! Um Unsicherheiten zu begegnen, geben Sie ihm bereits vor Ausbildungsbeginn eine Checkliste mit den wichtigsten Formalitäten an die Hand. Die persönliche Begrüßung, ein ausführlicher Rundgang durch den Betrieb, bei dem alle Einrichtungen erklärt werden und die Vorstellung der wichtigsten Kollegen und Ansprechpartner schaffen die Basis für ein gutes Verhältnis. Der Auszubildende startet mit viel Elan, motivieren Sie ihn durch erste Unterweisungen und Aufgaben.

Wie finde ich einen Azubi?

Nutzen Sie Jobbörsen und Ausbildungsberater der Handwerkskammern, Kreishandwerkerschaften, der Industrie- und Handelskammern (IHK), der Agentur für Arbeit und die Azubisuche Ihrer IKK classic.

  • Azubi-Messen und -börsen sind eine gute Gelegenheit, potenzielle Mitarbeiter kennenzulernen und Ihren Betrieb vorzustellen.
  • Der Kontakt zu Schulen in Ihrer Nähe über Schulpartnerschaften oder Schulveranstaltungen kann sich lohnen.
  • Schauen Sie sich bei Berufshilfe-Initiativen um, Adressen finden Sie im Internet.
  • Bieten Sie Praktika oder Ferienjobs an.
  • Betriebsbesichtigungen oder Tage der offenen Tür bringen Interessierte ins Haus.
  • Schalten Sie Anzeigen in Zeitungen oder im Internet, hängen Sie diese auch in Schulen aus.
  • Keine Angst vor neuen Medien, nutzen Sie Social Media: Facebook, Twitter, Xing und Co.
  • Plakate im Betrieb (Schaufenster) und die Startseite Ihrer Website weisen daraufhin, dass Sie ausbilden.
  • Eigene Azubis oder Mitarbeiter können neue Azubis vermitteln, setzen Sie eine „Werbeprämie“ aus.

Das könnte Sie auch interessieren