Arbeitsschutz ist Chefsache

Angefangen beim sicheren Umgang mit Gefahrstoffen über den ergonomisch eingerichteten Büroarbeitsplatz bis hin zum guten Betriebsklima: Arbeitsschutz hat oberste Priorität. Wenn es um die Sicherheit und Gesundheit Ihrer Mitarbeiter geht, dürfen Arbeitgeber nichts dem Zufall überlassen. Doch wie gehen Sie am besten vor?

Offensichtlich wird Sinn und Zweck von Arbeitsschutzmaßnahmen vor allem dort, wo mit Gefahrstoffen hantiert wird und deshalb Unfälle sowie Verletzungen vermieden werden sollen. Beim modernen Arbeitsschutz geht es jedoch um mehr – nämlich auch um die Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz. Dabei liegt der Fokus auf dem Wohlbefinden und den Erhalt der Leistungsfähigkeit der Beschäftigten.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Können alle Mitarbeiter ihr Potenzial umfassend ausschöpfen, steigen nicht nur Mitarbeiterzufriedenheit und Arbeitsqualität. Letztlich wirkt sich das wiederum positiv auf die Kundenzufriedenheit und das betriebswirtschaftliche Ergebnis aus. Arbeitsschutz ist also Chefsache!

Arbeitswelt im Wandel

Unter Arbeitsschutz versteht man alle Maßnahmen, Mittel und Methoden zum Schutz der Beschäftigten vor arbeitsbedingten Sicherheits- und Gesundheitsgefährdungen.

Dazu zählen heute auch immer mehr psychische Belastungen. Neben dem technischen und medizinischen Arbeitsschutz spielt deshalb der soziale Arbeitsschutz eine immer größere Rolle. Darunter fallen auch Maßnahmen zum Erhalt der Arbeitskraft bei älteren Arbeitnehmern.

  • Technischer Arbeitsschutz: Abwendung von Gefahren für das Leben und die Gesundheit, die durch Arbeitsmittel, Stoffe, Produkte, Prozesse sowie die Umgebung und Gestaltung des Arbeitsplatzes ausgehen.
  • Medizinischer Arbeitsschutz: Gesundheitsförderung und –vorsorge durch eine entsprechende Arbeitsumgebung.
  • Sozialer Arbeitsschutz: Spezielle Schutzrechte für besonders schutzbedürftige Arbeitnehmergruppen wie Jugendliche und Schwangere, aber auch Maßnahmen zum Schutz vor psychischen Belastungen und zum Erhalt der Arbeitskraft bei älteren Arbeitnehmern.

Unternehmer in der Verantwortung

Laut Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) sind Arbeitgeber verpflichtet, mögliche Gefährdungen zu beurteilen und über notwendige Schutzmaßnahmen zu entscheiden. Konkretisiert werden die entsprechenden Anforderungen in zahlreichen Arbeitsschutzverordnungen, die beispielsweise Maßnahmen zur Arbeitsstätten- und Arbeitsplatzgestaltung, zur arbeitsmedizinischen Vorsorge und zur technischen Sicherheit enthalten. Denn Arbeitsschutzverantwortliche sollten wissen, welche branchenspezifischen Vorschriften für ihren Betrieb gelten und wie diese eingehalten werden können. Erste Ansprechpartner sind immer die jeweiligen Berufsgenossenschaften, die für diesen Zweck oft eigene Beratungsgesellschaften gegründet haben.

Gefährdungsbeurteilung als wichtigster Baustein

Die zentrale Säule des Arbeitsschutzes ist die Gefährdungsbeurteilung. Denn wer alle Gefährdungen im Unternehmen bzw. Betrieb vermeiden will, muss sie erst einmal kennen. Sinn und Zweck ist es, Unfall- und Gesundheitsrisiken am Arbeitsplatz systematisch zu ermitteln und die erforderlichen Schutzmaßnahmen festzulegen.

Unterstützung dabei bieten praxisbezogene Handlungsanleitungen, die u. a. von den Berufsgenossenschaften, der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), den Arbeitsschutzbehörden der Länder, den Trägern der gesetzlichen Unfallversicherung sowie gewerblichen Anbietern bereitgestellt werden. Die Vorgehensweise richtet sich idealerweise nach der jeweiligen Betriebsart und -größe.

In der Regel ist die Gefährdungsbeurteilung ein fortlaufender Prozess und umfasst folgende Schritte:

  1. Arbeitsbereiche und Tätigkeiten festlegen
  2. Gefährdungen ermitteln
  3. Gefährdungen beurteilen
  4. Maßnahmen festlegen
  5. Maßnahmen durchführen
  6. Wirksamkeit prüfen
  7. Gefährdungsbeurteilung fortschreiben

Gebündelte Informationen und viele praktische Handlungshilfen finden Sie unter www.gefaehrdungsbeurteilung.de

Arbeitsschutz ist keine einmalige Maßnahme, sondern ein Prozess. Daher sollte die Gefährdungsbeurteilung bei Verfahrens- und sonstigen wesentlichen Änderungen, spätestens aber nach fünf Jahren, überarbeitet werden.

Unterweisung und Arbeitnehmerpflichten

Ist die Gefährdungsbeurteilung erstellt, sind Arbeitgeber verpflichtet, ihre Beschäftigten regelmäßig zu unterweisen. Ziel ist es, Gesundheitsgefährdungen zu erkennen und entsprechend zu reagieren. Die jährliche Unterweisung muss dokumentiert werden.

Auch Arbeitnehmer haben Verpflichtungen. Sie müssen die Arbeitsschutzanweisungen einhalten und dürfen die Arbeitsmittel nur bestimmungsgemäß verwenden. Zu den Arbeitsmitteln zählt neben Maschinen, Geräten, Werkzeugen und Arbeitsstoffen auch die persönliche Schutzausrüstung (PSA), die Arbeitgeber kostenlos zur Verfügung stellen müssen. Dazu gehören beispielsweise Schutzhandschuhe, Schutzhelme und Schutzbrillen, aber auch komplexe Ausstattungen, die Schutz vor Gefahren wie Strahlung und Sauerstoffmangel bieten. Was Lagerung und Pflege der PSA angeht, sollten die Herstellerhinweise strikt eingehalten werden.

Ebenso wichtig: Arbeitnehmer dürfen durch ihre Tätigkeit andere Personen nicht gefährden – und zwar nicht nur durch ihre Handlungen, sondern auch durch Unterlassungen, wie z. B. fehlende Wartungen. Stellen sie Mängel fest, die die Sicherheit und Gesundheit der Arbeitnehmer gefährden könnten, sind sie verpflichtet, diese zu melden.

Organisatorische Einbindung des Arbeitsschutzes

Für einen wirkungsvollen und strukturierten Arbeitsschutz eine entsprechende betriebliche Organisation sehr sinnvoll. Ziel ist die klare Zuordnung von Verantwortlichkeiten zu Personen. Ein Organisationsplan vermittelt einen Überblick, während Funktionsbeschreibungen Auskunft über die mit der Stelle verbundenen Aufgaben, Pflichten, Kompetenzen und Rechte geben.

Darüber hinaus müssen Betriebe je nach Tätigkeitsfeld bestimmte Betriebsbeauftragte benennen, wie beispielsweise die Fachkraft für Arbeitssicherheit und einen Betriebsarzt. In größeren Betrieben werden die Funktionen in einer Abteilung gebündelt, die ihre Tätigkeiten dokumentiert und mindestens einmal jährlich der Geschäftsleitung vorstellt.

Bei mehr als 20 Beschäftigten muss ein Sicherheitsbeauftragter bestellt und ein Arbeitsschutzausschusses (ASA) eingerichtet werden. Der ASA hat die Aufgabe, regelmäßig Anliegen des Arbeitsschutzes und der Unfallverhütung zu beraten. Er setzt sich aus dem Arbeitgeber bzw. einen von ihm Beauftragten, zwei Betriebsratsmitgliedern, Betriebsärzten, Fachkräften für Arbeitssicherheit und Sicherheitsbeauftragten zusammen.

Das effektivste Instrument zur Verbesserung des Arbeitsschutzes ist ein integriertes Arbeitsschutzmanagementsystem (AMS) mit IT-Unterstützung, das sich bei kleinen Betrieben jedoch in der Regel nicht lohnt. Ziel ist es, den Arbeitsschutz in die Prozesse des Unternehmens zu integrieren.

Ausnahme: Betriebe mit bis zu 50 Beschäftigten können auch das so genannte Unternehmermodell wählen, bei dem der Arbeitgeber die von Betriebsärzten und Fachkräften für Arbeitssicherheit zu erfüllenden Aufgaben selbst wahrnimmt, vorausgesetzt er hat bestimmte allgemeine und branchenbezogene Motivations- und Informationsangebote der Unfallversicherungsträger absolviert.

Tipp: Die Berufsgenossenschaften bieten neben umfangreichen Informationen aus Aus- und Fortbildungsseminare für Sicherheitsbeauftragte und Fachkräfte für Arbeitssicherheit an.

Arbeitsschutz in kleinen Betrieben

Knapp 38 Prozent aller Beschäftigten in Deutschland arbeiten in Klein- und Kleinstbetrieben mit bis zu neun bzw. bis zu 50 Mitarbeitern. Auch hier ist Arbeitsschutz unverzichtbar, denn er kann im Vergleich zu Großunternehmen, wo die Unfallrate erheblich niedriger ist, noch deutlich verbessert werden. Häufig ist jedoch die Personal- und Finanzdecke dünn und es fehlt die Unterstützung durch fest angestellte Experten wie Betriebsärzte. Zudem sind Unternehmer meistens selbst ins Tagesgeschäft eingebunden.

Daher ist es sinnvoll, im Rahmen einer so genannten Regelbetreuung externe Fachkräfte hinzuzuziehen. Ein Betriebsarzt und eine Fachkraft für Arbeitssicherheit werden dann zum Beispiel zur Erstellung einer Gefährdungsbeurteilung und zu besonderen Anlässen wie der Gestaltung neuer Arbeitsplätze hinzugezogen. Mit dem jeweils beauftragten Arbeitsschutzexperten wird ein Betreuungsvertrag abgeschlossen. Musterverträge gibt es bei den Berufsgenossenschaften.

Detaillierte Infos und praktische Tipps für Klein- und Kleinstbetriebe sowie eine Übersicht wichtiger Initiativen bietet die Broschüre „Arbeitsschutz in kleinen Betrieben“, die fachlich von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) begleitet wurde.

Arbeitsunfall, was nun?

Allen Schutzmaßnahmen zum Trotz passiert in Deutschland alle acht Minuten ein schwerer Unfall während der Arbeitszeit.

Zunächst sind die folgenden Schritte wichtig:

  • Rettungskette starten: Erste Hilfe leisten und parallel den Rettungsdienst rufen
  • Verletzten zum Durchgangsarzt bringen: Ist kein Krankenhaus nötig, muss der Verletzte zum qualifizierten Unfallarzt gebracht werden.
  • Leichte Verletzungen dokumentieren: Vorfall im Verbandbuch vermerken, das mindestens fünf Jahre lang aufgehoben werden muss.
  • Meldung an die zuständige Berufsgenossenschaft machen: Bei einer Arbeitsunfähigkeit von voraussichtlich mehr als drei Kalendertagen innerhalb von drei Tagen die Berufsgenossenschaft informieren. Bei schweren Unfällen auch die zuständige Aufsichtsbehörde.
  • Entgeltfortzahlung und Verletztengeld: Die Kosten für Rehabilitation und das bis zu sechswöchige Verletztengeld übernimmt bei vorschriftsmäßig angezeigten Unfällen die zuständige Berufsgenossenschaft als Unfallversicherungsträger.
  • Analyse und Abklärung weiterer Folgen: Auch psychische Folgen beim Unfallopfer und ggf. den Unfallzeugen abklären.

Für den Arbeitsschutz wichtig: Im Nachgang ist notwendig, den Unfallhergangs zu analysieren, denn ein Unfall gibt Hinweise auf sicherheitswidrige Zustände oder Verhaltensweisen. Deshalb sind auch Unfälle im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung zu betrachten und zu analysieren!

Hinweis: Auszubildende sind unerfahren und damit besonders gefährdet, einen Arbeitsunfall zu erleiden. Laut Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG) müssen Mitarbeiter und Auszubildende unter 18 Jahren über alle Unfall- und Gesundheitsgefahren unterrichtet werden. Am wichtigsten ist die Erstunterweisung, die in eine allgemeine Sicherheitsunterweisung und eine arbeitsplatzbezogene Unterweisung unterteilt werden kann. Die Unterweisungen sollten halbjährlich wiederholt und idealerweise unter Beteiligung von Fachkräften bzw. Betriebsärzten geplant und durchgeführt werden.

Weitere Informationen

Beratung und Unterstützung in allen Fragen rund um den Arbeitsschutz bieten die Berufsgenossenschaften.

Außerdem