Leistungsträger mit Handicap

Viele Arbeitgeber haben Vorbehalte, Menschen mit Behinderungen einzustellen. Sie fürchten komplizierte Rechtsvorschriften, Produktivitätseinbußen oder ausgedehnte Fehlzeiten. Dabei sagt das Attribut „behindert“ nicht viel über die Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft eines Menschen aus.

Unternehmen mit mehr als 20 Arbeitsplätzen im Jahresdurchschnitt sind gesetzlich dazu verpflichtet, Menschen mit Schwerbehinderung einzustellen. Wer die nach Größe gestaffelte Quote von mindestens fünf Prozent nicht erreicht, ist zu einer Ausgleichsabgabe verpflichtet. Diese liegt derzeit zwischen 115 und 290 Euro monatlich je Arbeitsplatz, der nicht mit einem schwerbehinderten Menschen besetzt wurde.

Ein Mensch mit Behinderung im Sinne des § 2 des neunten Sozialgesetzbuches (SGB IX) ist jemand, dessen körperliche, geistige oder seelische Gesundheit länger als sechs Monate beeinträchtigt ist und daher seine Teilhabe am sozialen Leben einschränkt. Dabei bedeutet ein Grad der Behinderung (GdB) ab 50 eine Schwerbehinderung.

Behinderte Menschen mit einem GdB von mindestens 30 können Schwerbehinderten gleichgestellt werden, wenn sie sonst keinen geeigneten Arbeitsplatz erhalten oder behalten können. Die Gleichstellung wird bei der Agentur für Arbeit beantragt.

Grundlose Befürchtung

Nicht jede Behinderung bedeutet eine Funktionseinschränkung in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit. Viele Behinderungen stellen keine besonderen Anforderungen an den Arbeitsplatz.

Die Fehlzeiten von Menschen mit Behinderung sind laut Statistik nicht höher als die von Menschen ohne Behinderung. Behinderte Menschen haben eine hohe Motivation sich in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

Im Bereich der Sozialversicherung entsteht dem Arbeitgeber kein Mehraufwand. Denn behinderte Mitarbeiter unterliegen denselben sozialversicherungsrechtlichen Bestimmungen wie die übrigen Beschäftigten.  

Unterstützung für Arbeitgeber

Arbeitgeber, die behinderte Menschen beschäftigen, können Leistungen der Bundesagentur für Arbeit, der Integrationsämter und anderer Rehabilitationsträger erhalten. Die Agentur für Arbeit vergibt beispielsweise Zuschüsse zur Ausbildungsvergütung, zu den Kosten einer Probebeschäftigung und zur behindertengerechten Ausgestaltung von Ausbildungs- und Arbeitsplätzen. Zusätzlich spart der Arbeitgeber die Ausgleichsabgabe für jeden eingestellten schwerbehinderten Menschen. Das Integrationsamt unterstützt das betriebliche Eingliederungsmanagement.

Behindertengerechte Arbeitsplätze

In Einzelfällen muss über eine behindertengerechte Anpassung des Arbeitsplatzes nachgedacht werden. Dabei lässt sich kaum pauschal beantworten, was behindertengerecht ist, denn jede Behinderung bringt andere Bedürfnisse mit sich: So stellen Hör- und Sehbehinderte andere Anforderungen an den Arbeitsplatz als Rollstuhlfahrer. Optimale Leistungen sollen ermöglicht, Belastungen abgebaut und gesundheitlichen Schäden vorgebeugt werden. Oft reichen organisatorische Maßnahmen aus. Ist eine technische Umgestaltung des Arbeitsplatzes nötig, erfahren Unternehmen und Schwerbehinderte von den Ingenieuren des Integrationsamtes, welche Maßnahmen ergriffen werden können. Gemeinsam wird auf Wunsch ein individuelles Arbeitsplatzkonzept entwickelt, das den Anforderungen entspricht.

Integrationsamt und Agentur für Arbeit stellen vielfältige Fördermittel für Betriebe und Schwerbehinderte bereit. Wichtige Ansprechpartner sind die beratenden Integrationsfachdienste des Integrationsamtes. Sie klären am Einzelfall, welche finanziellen Leistungen in Betracht kommen. Dabei kann es sich um unterschiedlich hohe Zuschüsse handeln, aber auch um zinsgünstige Darlehen.

Zusatzurlaub und Kündigungsschutz

Schwerbehinderte haben Anspruch auf eine zusätzliche Woche bezahlten Urlaub. Das entspricht fünf Tagen Urlaub bei einer 5-Tage-Woche, bei mehr oder weniger Arbeitstagen verlängert oder verringert sich der Anspruch. Das gilt auch für Teilzeit. Besonderheiten ergeben sich zum Beispiel, wenn erst im Verlauf des Kalenderjahres der Status als Schwerbehinderter festgestellt wird oder das Beschäftigungsverhältnis beginnt. In diesen Fällen besteht grundsätzlich ein anteiliger Urlaubsanspruch von einem Zwölftel für jeden vollen Monat der Beschäftigung.

Schwerbehinderten und ihnen Gleichgestellten darf ohne schriftliche Zustimmung des Integrationsamtes nicht gekündigt werden. Generell strebt das Amt dabei eine einvernehmliche Lösung an, die den Kündigungsgrund beseitigt, sofern dies möglich ist. Liegt der Kündigungsgrund allerdings im Verhalten des schwerbehinderten Menschen, wenn er zum Beispiel gegen seine im Arbeitsvertrag vereinbarten Pflichten verstößt, ist ein besonderer Kündigungsschutz nicht gegeben. 

Bewerber mit Behinderung

Unternehmen erleichtern schwerbehinderten Menschen die Bewerbung, wenn sie in Stellenausschreibungen hervorheben, dass Behinderte willkommen sind. Wer passende Bewerber für ein spezielles Stellenprofil sucht, sollte sich jedoch besser direkt an die Agentur für Arbeit bzw. den Integrationsfachdienst wenden. Auch nach erfolgreicher Vermittlung stehen sie Arbeitgebern und Schwerbehinderten zur Seite.