Selbstständige - gesetzlich oder privat versichert?

Wer bereits selbstständig ist oder den Schritt der Existenzgründung plant, muss sich Gedanken über die Art der Krankenversicherung machen. Selbstständige sind nicht versicherungspflichtig in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) und können wählen, ob sie freiwillig bei einer GKV oder bei einer privaten Krankenversicherung (PKV) versichert sein möchten. Dasselbe gilt für höherverdienende Angestellte.

Nach dem Ende der Pflichtmitgliedschaft – also mit dem Beginn der Selbstständigkeit oder bei Überschreiten der Jahresarbeitsentgeltgrenze – setzt sich die Krankenversicherung als freiwillige Mitgliedschaft (so genannte obligatorische Anschlussversicherung) in der GKV fort.

Ein Austritt aus der GKV muss der Krankenkasse innerhalb von zwei Wochen nach dem Hinweis der Kran­kenkasse über die Möglichkeit des Austritts erklärt werden. Außerdem ist der Nachweis einer anderen Absicherung in der PKV notwendig.

Soziale Absicherung: Neben der Krankenversicherung müssen sich Selbstständige auch über Altersvorsorge oder Berufsunfähigkeit Gedanken machen. 

GKV und PKV auf einen Blick

GKV

PKV

Beitrag: abhängig vom Einkommen und eventuell gewählten Zusatztarifen

abhängig vom Gesundheitszustand und von gewünschten Leistungen

Familienangehörige: beitragsfrei mitversichert

jede Person ist extra zu versichern

Leistungen: gesetzlich festgeschrieben, erweiterbar durch Wahltarife

frei vereinbar

Gesetzlicher Komplettschutz

Selbstständige können zwischen dem ermäßigten Beitragssatz ohne Krankengeld oder dem allgemeinen Beitragssatz mit Anspruch auf Krankengeld ab dem 43. Tag wählen. Krankengeld ist für Selbstständige bedeutsam, da eine Arbeitsunfähigkeit schnell zu existenziellen finanziellen Problemen führen kann. Ein früherer Beginn der Krankengeldzahlung kann zusätzlich über den Wahltarif Krankengeld plus abgesichert werden.

Um den Beitrag zur GKV zu berechnen, werden das Bruttoeinkommen bei Angestellten oder die beitragspflichtigen Einnahmen (Einkommen aus der Selbstständigkeit und sonstige Einnahmen wie Kapitalerträge und Mieteinnahmen) bei Selbstständigen mit dem gesetzlich festgeschriebenen Beitragssatz inkl. Zusatzbeitrag multipliziert.

Dabei werden die Mindest- und Höchstgrenzen der Einnahmen von Selbstständigen jährlich gesetzlich festgelegt, die für die Berechnung des Beitrags zugrunde gelegt werden. Verdienen Selbstständige mehr als das Mindesteinkommen (2016: 2.178,75 Euro/Monat), orientiert sich die Beitragshöhe zunächst bei Existenzgründern an den geschätzten monatlichen Einnahmen. Angepasst werden die Beiträge erst, wenn der erste Steuerbescheid für die Selbstständigkeit vorliegt.

Wer weniger als das Minimum verdient, kann bei der Krankenkasse einen Antrag auf Beitragsanpassung stellen. Details erfahren Sie bei Ihrer IKK classic. Insbesondere Existenzgründer können so häufig einen Großteil des Regelbeitrags sparen.

  • Beiträge sind einkommensabhängig

In der GKV ist der Beitrag immer einkommensabhängig. Das heißt, er sinkt zum Beispiel, wenn das Einkommen geringer wird bei Berufsunfähigkeit oder geringer Rente. Bei längerer Krankheit ruht die Beitragszahlung.

Ist das tatsächliche Einkommen höher als das gesetzlich festgelegte Mindesteinkommen, werden die entsprechenden Beiträge bis zur Höhe der Beitragsbemessungsgrenze (2016: 4.237,50 Euro/Monat) fällig. Einkommen oberhalb dieses Betrags bleibt beitragsfrei.

Beitragsfrei mitversichert sind in der GKV Familienangehörige wie Ehe- und Lebenspartner sowie Kinder des Selbstständigen oder des Angestellten.

  • Vergleich zwischen Krankenkassen lohnt

Die Leistungen der GKV sind festgeschrieben und können nur per Gesetz erweitert oder eingeschränkt werden. Eine notwendige Versorgung ist immer gewährleistet. Gesetzliche Krankenkassen haben jedoch einen Spielraum, weitere Leistungen als inklusiv einzubeziehen. Daher lohnt sich auch ein Vergleich zwischen den Krankenkassen. Darüber hinaus bieten viele Kassen gegen einen zusätzlichen Beitrag Wahltarife an, die ergänzende Leistungen zum gesetzlichen Katalog enthalten.

Individuell privat versichert

Private Krankenversicherungen bieten Tarife an, bei denen die Prämienhöhe abhängig vom personenbezogenen Risiko und den gewünschten Leistungen ist.

Das Risiko ergibt sich aus dem Eintrittsalter zu Beginn der Versicherung und dem tatsächlichen Gesundheitszustand. Eine Gesundheitsprüfung ist für die PKV somit notwendig. 

Mit steigendem Alter des Versicherten steigt für die PKV auch das Risiko höherer Kosten. Privatversicherte sollten während ihrer Berufstätigkeit Geld zurücklegen, um als Rentner die vergleichsweise höheren Prämien bezahlen zu können.

  • Familien: Jeder braucht eine eigene Versicherung

In der PKV müssen für alle Familienmitglieder private Krankenversicherungen abgeschlossen werden. Zusammengerechnet können die Kosten dafür deutlich über dem Höchstbeitrag der GKV liegen.

Die gewünschten Leistungen für ambulante und stationäre Behandlungen sowie für Zahnbehandlungen können in der PKV frei gewählt werden. Um die Prämien zu senken, können beispielsweise Leistungen bei bestimmten Erkrankungen oder die Kostenerstattung von Medikamenten vom Vertrag ausgenommen oder eine generelle Selbstbeteiligung vereinbart werden. Vertraglich zugesicherte Leistungen müssen erbracht und können nicht nachträglich eingeschränkt werden.

  • Basistarif bei finanziellem Engpass

PKV sind gesetzlich verpflichtet, einen sogenannten Basistarif anzubieten, der den Höchstbeitrag der GKV für Selbstständige oder Angestellte nicht überschreiten darf. Die Leistungen entsprechen denen der GKV und auch der Gesundheitszustand wird nicht geprüft. Bei finanziellen Schwierigkeiten können Privatversicherte in den Basistarif wechseln.

Wer Hartz-IV-Empfänger wird und unmittelbar davor privat versichert war, kann in der PKV bleiben. Die Agentur für Arbeit übernimmt jedoch nur die Kosten bis zur Höhe des gesetzlichen GKV-Beitrags; die Differenz zur Prämie bei der PKV muss selbst gezahlt werden. 

Entscheidung will gut überlegt sein

Für junge, ledige Selbstständige und höherverdienende Angestellte können die Prämien der PKV günstiger sein als die Beiträge zur GKV. Sobald eine Familie gegründet wird, dreht sich in der Regel der Vorteil.

Gewünschte Leistungen können über Wahltarife auch bei der GKV vereinbart werden.

Selbstständige können nicht von der PKV in die GKV zurückkehren. Ein Wechsel ist nur möglich, wenn die hauptberufliche Selbstständigkeit aufgegeben und stattdessen in einem Beschäftigtenverhältnis gearbeitet wird, bei dem das Einkommen unter der Versicherungspflichtgrenze für die GKV liegt. Die selbstständige Tätigkeit kann weiter ausgeführt werden, wenn sie nachweislich nicht den Hauptanteil der Einnahmen und der Arbeitszeit ausmacht.

Privat versicherte Angestellte, die arbeitslos werden und Arbeitslosengeld I erhalten sind wieder versicherungspflichtig und kehren somit automatisch in die GKV zurück. Liegt bei einem neuen Arbeitsverhältnis das Einkommen erneut oberhalb der Jahresarbeitsentgeltgrenze, können sie als freiwillig Versicherte in der GKV bleiben.

Diese Möglichkeiten einer Rückkehr in die GKV gelten nur für Personen, die noch nicht 55 Jahre alt sind. Über 55-Jährige haben nur eine Chance, wenn sie in den letzten fünf Jahren mindestens einen Tag in der GKV versichert waren.

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