Zweites Pflegestärkungsgesetz zum 01.01.2017

Das Wichtigste im Überblick

Jetzt stehen Sie als Mensch mit Ihren Fähigkeiten, Ihrer Selbständigkeit und Ihren individuellen Einschränkungen im Mittelpunkt.

Neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff

Die vor allem auf körperlichen Einschränkungen beruhenden Feststellungen der Vergangenheit sind um die Berücksichtigung der geistigen und seelischen Beeinträchtigungen, etwa bei demenziellen Erkrankungen, erweitert worden.

Bei der Begutachtung werden die gesundheitlich bedingten Einschränkungen Ihrer Selbständigkeit oder Ihrer Fähigkeiten in sechs Lebensbereichen (sogenannte Module) ermittelt; und damit der Unterstützungsbedarf durch andere Personen. Die Lebensbereiche sind:

  • Mobilität
  • Kognitive und kommunikative Fähigkeiten
  • Verhaltensweisen und psychische Problemlagen
  • Selbstversorgung
  • Bewältigung von und selbständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen
  • Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte

Pflegegrad

Fünf Pflegegrade geben jetzt die gesundheitlich bedingten Einschränkungen Ihrer Selbständigkeit oder Ihrer Fähigkeiten in den sechs Lebensbereichen wieder.

Die Pflegegrade orientieren sich an der Schwere der Beeinträchtigung. Sie geben damit den Unterstützungsbedarf durch andere Personen in den sechs Lebensbereichen wieder. Je höher der Pflegegrad ist, desto mehr Beeinträchtigungen bestehen und umso größer ist der Unterstützungsbedarf durch andere Personen. Die Pflegebedürftigen bekommen durch die Umstellung auf Pflegegrade keinen Cent weniger als vorher.

Für viele Menschen bedeutet dies eher höhere Leistungsansprüche.

Leistungsbeträge ab 2017

Bis zu den folgenden Höchstbeträgen können Leistungen in Anspruch genommen werden:

Pflegegrad

1

2

3

4

5

Pflegesachleistung (Monat)

--*

   689 €

1.298 €

1.612 €

1.995 €

Pflegegeld (Monat)

--

   316 €

   545 €

   728 €

   901 €

Verhinderungspflege (Jahr)

--

1.612 €

1.612 €

1.612 €

1.612 €

Tages-/Nachtpflege (Monat)

--*

   689 €

1.298 €

1.612 €

1.995 €

Kurzzeitpflege (Jahr)

--*

1.612 €

1.612 €

1.612 €

1.612 €

Vollstationäre Pflege (Monat)

125 €

   770 €

1.262 €

1.775 €

2.005 €

Entlastungsbetrag (Monat)

125 €

   125 €

   125 €

   125 €

   125 €

*) Nutzung Entlastungsbetrag in Höhe von 125 Euro pro Monat (zweckgebunden). Nicht verbrauchte Beträge eines Kalenderjahres können angespart und bis zum 30. Juni des Folgejahres verbraucht werden.

Einrichtungseinheitlicher Eigenanteil in der vollstationären Pflege

Die bisher unterschiedlich hohen pflegebedingten Eigenanteile innerhalb jeder einzelnen Pflegeeinrichtung in der vollstationären Pflege werden vereinheitlicht. Jeder soll einen einrichtungseinheitlichen Eigenanteil innerhalb seiner vollstationären Pflegeeinrichtung zahlen. Das bedeutet aber auch – unterschiedliche vollstationäre Pflegeeinrichtungen werden ebenfalls unterschiedliche einrichtungseinheitliche Eigenanteile haben. Der pflegebedingte Eigenanteil steigt damit künftig nicht mehr mit zunehmender Pflegebedürftigkeit. Hiermit sollen sich unter anderem die langfristigen Kosten besser abschätzen lassen. Ist bei Bewohnern von vollstationären Pflegeeinrichtungen dieser Eigenanteil im Januar 2017 höher als im Dezember 2016, wird die Differenz von der Pflegekasse als Zuschlag an die Einrichtung gezahlt. Das bedeutet, auch hier keine Mehrkosten für die Pflegebedürftigen.

Soziale Absicherung von pflegenden Angehörigen

Die IKK-Pflegekasse wird für deutlich mehr pflegende Angehörige Rentenbeiträge entrichten. Schon ab einem wöchentlichen Umfang der Pflege von mindestens zehn Stunden, verteilt auf regelmäßig zwei Tage in der Woche, zahlen wir unter bestimmten Voraussetzungen Beiträge zur Rentenversicherung für die nicht erwerbsmäßig pflegenden Angehörigen. Die Höhe richtet sich nach dem Pflegegrad und der bezogenen Leistung des Pflegebedürftigen.

Für den Unfallversicherungsschutz der nicht erwerbsmäßig pflegenden Angehörigen ist während der häuslichen Pflege ebenfalls gesorgt. Sie oder der pflegende Angehörige müssen keine Anträge stellen – dieser Schutz ist für Sie kostenlos.

Ab 2017 zahlt die IKK-Pflegekasse für die Dauer der Pflege auch Beiträge zur Arbeitslosenversicherung für Pflegepersonen, die wegen der Pflege die Beschäftigung unterbrechen oder ganz aufgeben.