Die Fitness-Trends 2017: von Bungee bis Soulcycling

Von Bungee-Fitness bis Soulcycling – dieses Jahr gibt es wieder jede Menge neuer Trends im Bereich Indoor-Fitness. Viele Fitness-Klassiker bleiben aber auch 2017 nach wie vor beliebt: Konventionelles Geräte-, Handel oder Cardiotraining ist weiterhin genauso gefragt wie klassische Entspannungstraining von Yoga bis Pilates zum Stressabbau. Immer wichtiger werden Präventionskurse zur Gesundheitsvorsorge.

Indoor-Fitness ist in! Die Mitgliederzahl in deutschen Fitness-Studios nähert sich der Zehn-Millionen-Marke. Damit hat sich die Zahl der Fitness-Freaks seit 1989 mehr als versechsfacht. Das hängt auch mit immer neuen Trends zusammen. Wir stellen Ihnen die wichtigsten Entwicklungen für das Jahr 2017 genau wie die weiterhin beliebten Evergreens in diesem Bereich vor:

Bungee-Fitness ist ein bisschen wie eine Hüpfburg für Erwachsene im Fitnessstudio. „Das Training mit seinem weltweit ersten elastischen Schlingentrainer, dem 4D PRO Bungee-Trainer, macht mit hüpfenden, schwingenden Bewegungen Spaß und Lust auf mehr – wie Bungee-Springen ohne Angst. Die Nutzer umfassen alle Altersklassen und jedes Fitnesslevel – von Sportprofis, die sich so auf Weltmeisterschaften und Olympiaden vorbereiten bis hin zu wenig trainierten Studiobesuchern“, sagt Dustin Tusch vom Arbeitgeberverband deutscher Fitness und Gesundheits-Anlagen (DSSV). Er glaubt, dass sich Bungee-Fitness 2017 wegen der potenziell großen Nutzerzahl, dem riesigen Trainingseffekt und dem gewaltigen Spaßfaktor als großer Trend durchsetzen wird. Der Name kommt aus den USA, aber das Workout dahinter hat der deutsche Sportarzt und Olympiatrainer Dr. Dr. med. Homayun Gharavi in Deutschland erfunden.

Der Stress im Job und in der Gesellschaft wird immer größer und immer mehr Menschen suchen ihren Ausgleich in speziellen Fitnessangeboten mit Entspannungsgarantie. Yoga oder Pilates bieten neben körperlicher Anspannung vor allem die Chance, innerlich zur Ruhe zu kommen. „Der Yoga- und Entspannungstrend ist weiterhin ungebrochen. Im Gegensatz zum harten und kurzen Training, wie beim Trendsport HIT (Hochintensitätstraining), wird als Gegenströmung Entspannungstraining stark nachgefragt. Hierbei reicht das Angebot vom klassischen Yoga über Pilates bis hin zum Stressmanagement“, sagt Tusch. Übrigens kann man neuerdings auch Pilates mit hochintensivem Cardio- und Krafttraining mischen: Das Ganze heißt PHIIT.

Spinning gehört weiterhin zu den am meisten nachgefragten Aktivitäten in deutschen Fitnessstudios – aber 2017 wird das Ganze auf eine neue Stufe gehoben. Soulcycling heißt der aus New York stammende Trend, beim dem das Radeln auf dem Hometrainer mit Lichteffekten und coolen Beats gemischt wird. So kann man quasi Sport mit Disco kombinieren, was auch Stars wie David Beckham oder Lady Gaga cool finden. Offenbar begeistert Soulcycling auch die deutschen Fitnessfreaks vor allem in den Metropolen, wie auch Dustin Tusch bestätigt: „Soulcycling ist im englischsprachigen Raum schon längst ein Trend und kommt nun auch in Deutschland auf – vorwiegend in Ballungsräumen.“

Klingt vom Begriff langweilig, ist aber aus mehreren Gründen eine überaus spannende Sache. Mit Präventionskursen – sei es nun zur Stärkung des Rückens, im Kampf gegen das Übergewicht oder in Sachen Stressmanagement - kann man Gesundheitsschäden und Krankheiten vorbeugen. Damit werden ganz neue Zielgruppen zum Fitness und zu einer sportlich-gesünderen Lebensweise animiert. Der Clou dabei durch das neue Präventionsgesetz: Die Krankenkassen übernehmen einen großen Teil der Kosten. „Präventionskurse werden im Jahr 2017 eine erhöhte Nachfrage erleben. Immer mehr Menschen nutzen die Möglichkeit einer regelmäßigen Ausübung von gesundheitsförderlicher körperlicher Aktivität, da sie dabei finanziell unterstützt werden“, weiß der DSSV.

Ebenfalls immer stärker nachgefragt wird laut der Fitnessbranche das Training mit elektronischer Muskel-Stimulation durch Reizstrom, kurz EMS genannt. Einmal 20 Minuten EMS bringen so viel wie stundenlanges Hanteltraining – durch die Stromimpulse werden schwer erreichbare Muskelgruppen stimuliert und gestärkt. Allerdings sollte das EMS-Training, auch wegen der Einstellung der Stromstärke, nur unter Anleitung eines qualifizierten Trainers durchgeführt werden. Am besten ist die Kombination von EMS mit klassischem Kraft- und Ausdauertraining.

Auch das Vibrationstraining galt vor ein paar Jahren noch als Geheimtipp unter Spitzensportlern. Inzwischen ist es längst in den Fitnessstudios angekommen und gehört laut DSSV-Mann Dustin Tusch in den Fitness-Studios zu den zehn am meisten nachgefragten Tätigkeiten. Dabei steht man auf einer Vibrationsplatte, die den Trainierenden mit verschiedenen Frequenzen kräftig durchschüttelt. Damit wird der Trainierende aus dem Gleichgewicht gebracht, sodass sein Körper mit Bewegungen reagiert. So werden Muskeln angesprochen und der Muskelaufbau gefördert. Das Spannende daran: Bei normalem Muskeltraining werden nur etwa 60 Prozent der Muskeln erreicht, beim Vibrationstraining sind es nahezu 100 Prozent und damit auch die Tiefenmuskulatur. Die Wahrscheinlichkeit ist also relativ groß, dass man Muskelkater an Stellen fühlt, wo man bislang noch nicht einmal Muskeln vermutete.

Zumindest in den USA ist Aerobic wieder total angesagt und die amerikanischen Trends schwappen ja gewöhnlich relativ schnell über den großen Teich. Es gibt ein Revival der 80-er Jahre: Leggings Schweißband und Jane-Fonda-Videos können wieder aus der Mottenkiste geholt werden. Übrigens gab es Aerobic damals auch in der DDR, allerdings durfte es nicht so heißen. Popgymnastik war der Name. Egal, wie es heißt, auch heute gilt noch: Aerobic ist perfekt für die Ausdauer und einen straffen Körper. Außerdem schult es das Gleichgewicht und es macht ja auch Spaß, zu toller Musik herumzuhüpfen.

Fitness und ein gesunder Lebensstil werden auch als Gegengewicht zum stressigen Berufs- und Privatleben immer wichtiger. Ergo sind die Menschen bereit, dafür auch mehr Geld auszugeben. Der persönliche Trainer oder das Üben in kleiner Gruppe liegen also voll im Trend. So kann gezielt auf die Bedürfnisse eines jeden persönlich eingegangen werden. Ebenfalls im Kommen: Spezialisierte Fitnessstudios, die auf die Bedürfnisse bestimmter Gruppen angepasste Angebote anbieten. Manche locken mit einer jungen Clubatmosphäre vor allem junge Kunden, andere setzen mit Präventionskursen vor allem auf die Best-Ager.

Ob konventionelles Gerätetraining, Zirkeltraining an Geräten, Cardio- oder Hanteltraining – die Klassiker im Fitnessstudio gehören laut DSSV auch weiterhin zu den am meisten nachgefragten Aktivitäten im Bereich Indoor-Fitness. Niemand muss sich also schämen, wenn er sich in der „Muckibude“ wie schon seit Jahren mit Eisen quält oder sich beim Aerobic-Kurs auspowert. Der Fitnesstrend aus den 80-er Jahren ist übrigens 2017 wieder stark im Kommen. Viele versüßen sich das Training durch mitreißende Musik in den Ohren und überprüfen mit neuen Wearables, also Fitnessarmbändern, jederzeit Puls, Herzfrequenz, Kalorienverbrauch und sogar ihr Schlafverhalten. Auch diese Art von Selbstüberwachung ist ein Trend.

Musik hatten die meisten im Fitnessstudios schon immer auf den Ohren – ob nun aus Lautsprechern oder über den I-Pod mit einem kleinen Knopf im Ohr. Immer populärer werden allerdings auch Wearables, die in Echtzeit Puls, Herzfrequenz und Kalorienverbrauch messen und anzeigen. Entweder man kann alles auf den kleinen Wundergeräten direkt ablesen oder die Daten werden via Bluetooth an eine Handy-App geliefert. So hat man seinen Körper im wahrsten Sinne des Wortes jederzeit im Blick und unter Kontrolle. Auch das ist ein Trend.

Bislang überhaupt nicht in sind übrigens laut DSSV exotische US-Trends wie Crunning und Poolbiking. Crunning ist eine Mischung aus Krabbeln und Laufen – also quasi entwickelt man sich im Fitnessstudio zum Baby zurück. Beim Poolbiking fährt man gegen den Widerstand des Wassers Fahrrad, stärkt damit seine Beinmuskulatur und verbrennt massenhaft Kalorien. „Poolbiking und Crunning sind bislang in Deutschland nicht wahrzunehmen“, sagt Tusch. Aber was 2017 nicht ist, kann 2018 ja noch werden...

Die Geschichte der Fitnessbewegung

Die Fitnessbewegung hat ihre Ursprünge neben den USA auch in Deutschland. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts begründete Friedrich Ludwig Jahn eine organisierte Sportbewegung, die politisch motiviert war. Er wollte eine fitte Bürgerwehr schaffen, um Preußen von Napoleon zu befreien. Daraus entwickelten sich die ersten gewerblichen Fitnessanstalten, die schon damals als Gegenpol zur zunehmend industrialisierten Umwelt verstanden wurden. Zahlreiche Fitnessgeräte wie Rudermaschinen und Spinningräder stammen aus dieser Zeit. Sie wurden anfangs allerdings meist für den Rehasport verwendet.

Deutsche Emigranten brachten die Idee von gemeinschaftlichen Turn- und Sportvereinen in die USA, wo sie kommerzialisiert wurde. Zu den bedeutendsten Vertretern der Fitnessbewegung wurden der Bodybuilder Arnold Schwarzenegger und die Aerobic-Queen Jane Fonda. In den 80-er Jahren begann in Deutschland ein regelrechter Fitnessboom, der die Zahl der Studios rasant steigen ließ. Inzwischen ist Fitnesstraining die mitgliedsstärkste Trainingsform in Deutschland, die in den letzten Jahren eine phantastische Entwicklung genommen hat. Heute sind etwa 9,5 Mio. Menschen in einem der über 8.300 Fitness-Studio angemeldet – Tendenz steigend.