Fußball-EM 2016: Deutschland im Fußball-Fieber

Ein Sport fördert die Gesundheit und das Zusammengehörigkeitsgefühl

Als sich Deutschland vor zwei Jahren mit einem 1:0 gegen Argentinien zum Fußball-Weltmeister krönte, schauten kurz vor dem Schlusspfiff 36,40 Millionen deutsche Zuschauer im TV zu (weltweit war es übrigens eine Milliarde). Dabei waren die jubelnden Fans in Kneipen und beim Public Viewing noch nicht einmal mitgerechnet. Keine Frage: Fußball ist in Deutschland Volkssport Nummer 1 und bei der Europameisterschaft vom 10. Juni bis 10. Juli 2016 in Frankreich werden wieder Millionen am Fernseher und beim Public Viewing mit Kapitän Bastian Schweinsteiger und Co. mitfiebern.

Faszination Fußball: Niemand weiß, wie das Spiel ausgeht

Aber warum ist Fußball eigentlich so beliebt? "Die Leute gehen zum Fußball, weil sie nicht wissen, wie das Spiel ausgeht", sagte Bundestrainer Sepp Herberger schon 1954. Damals glückte seinem Team das „Wunder von Bern“ – Deutschland wurde zum ersten Mal Fußball-Weltmeister. Nach den Schrecken des 2. Weltkrieges hatten die Deutschen erstmals wieder einen Grund, stolz auf ihre Nation zu sein. Sie versammelten sich hinter der Fußball-Nationalmannschaft und fieberten mit.

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Deutsche Fußball-Erfolgsserie

Es war der Beginn einer wunderbaren Erfolgs-Story: Mit vier WM-Titeln (1954, 1974, 1990, 2014) sowie je vier zweiten und dritten Plätzen ist Deutschland hinter Brasilien (fünf Titel) die zweiterfolgreichste Nation bei Weltmeisterschaften. In der Geschichte der Europameisterschaften steht Deutschland sogar mit drei Titeln (1972, 1980, 1996) an Position 1 gemeinsam mit Spanien. Oliver Bierhoff, der beim letzten deutschen Titelgewinn vor 20 Jahren das Golden Goal erzielte, ist bei dieser EM übrigens Teammanager des deutschen Nationalteams. Spieler wie Bastian Schweinstiger, Philipp Lahm, Thomas Müller oder Manuel Neuer sind Nationalhelden und Vorbilder für die Jugend. Die stetigen Erfolge des deutschen Nationalteams genau wie vom deutschen Abonnement-Meister Bayern München – mit über 270.000 Mitgliedern übrigens der mitgliederstärkste Verein der Welt – sind sicher ein Grund für die Popularität des Sports.

Fußball bringt die Menschen zusammen

Es gibt aber auch weitere Gründe: Fußball ist ein gesellschaftliches Phänomen, das einen Großteil der Menschen in Deutschland verbindet. Ob direkt im Stadion, beim Public Viewing, beim gemeinsamen Grillen vor dem großen Fernseher oder beim anschließenden Autokorso – Fußball bringt die Menschen im Onlinezeitalter zusammen. Mindestens 90 Minuten wird gemeinsam in der Realität mitgefiebert. Fußball ist in Zeiten von großen Flüchtlingszahlen übrigens auch einer der wichtigsten Integrationsmotoren – und das hängt auch etwas mit seiner Einfachheit zusammen. Zwei Mannschaften, zwei Tore, ein Ball, leicht verständliche Regeln und das Runde muss ins Eckige; das versteht praktisch jeder. Ein paar Regel gibt es natürlich trotzdem...

Fußballregeln

  • Spielfeld: Zwischen 45 und 90 Metern breit, zwischen 90 und 120 Metern lang. Üblich sind 68 x 105 Meter.
  • Ball: 68 bis 70 Zentimeter Umfang, 410 bis 450 Gramm schwer, früher aus Leder, heute aus Kunststoff
  • Mannschaften: Zwei Teams mit je elf Spielern, einem Torwart und zehn Feldspielern
  • Spielzeit: 90 Minuten (plus Nachspielzeit) unterteilt in zwei Halbzeiten à 45 Minuten, in K.o.-Spielen bei einem Remis noch 30 Minuten Verlängerung, unterteilt in 2 x 15 Minuten
  • Spielerwechsel: Maximal drei pro Spiel und Mannschaft
  • Abseits: Man spricht von Abseits, wenn ein angreifender Spieler beim Pass eines Mitspielers im Moment der Ballabgabe: 1. in der gegnerischen Hälfte ist, 2. der gegnerischen Torlinie näher ist als der Ball und 3. der gegnerischen Torlinie mit einem für eine Torerzielung geeigneten Körperteil (nicht Arm oder Hand) näher ist als der vorletzte verteidigende Spieler
  • Elfmeter: Gibt es bei einem Foul oder einem Handspiel eines verteidigenden Spielers im Strafraum, das vom Schiedsrichter entsprechend geahndet wird
  • Spielpositionen: Wird in Torwart, Abwehr, Mittelfeld, Angriff unterteilt Gelbe, Gelb-Rote und Rote Karten: Kann der Schiedsrichter bei Fouls, Handspielen oder disziplinarischen Vergehen verteilen. Bei Gelb-Roter Karte (zwei mit Gelber Karte geahndeter Vergehen) und Roter Karte muss der jeweilige Spieler das Spielfeld sofort verlassen, seine Mannschaft spielt dann in Unterzahl weiter
  • Fouls: Führen zu einem Freistoß für das gegnerische Team, im Strafraum können sie zum Elfmeter führen. Können mit Gelber oder Roter Karte bestraft werden.
  • Schiedsrichter: Ein Schiedsrichter (der Mann mit der Pfeife, der für alle Entscheidungen hauptverantwortlich ist), zwei Linienrichter (zum Beispiel für Abseits zuständig und das Anzeigen von Fouls in ihrer Nähe) und zusätzliche Offizielle an der Seitenlinie, die das Verhalten der Trainer überwachen, Auswechslungen sowie die Nachspielzeit anzeigen
  • Torlinientechnologie: Bei der EM 2016 kommt das „Hawk Eye“ zum Einsatz. Mit sieben Kameras wird überprüft, ob ein Ball hinter der Linie war. In diesem Fall bekommt der Schiedsrichter ein Signal auf seine Armbanduhr.
  • EM-Vorrunde: Die sechs Gruppensieger, sechs Gruppenzweiten und vier besten Gruppendritten auch den sechs Vierergruppen (Deutschland spielt in Gruppe C gegen die Ukraine, Polen und Nordirland) qualifizieren sich fürs Achtelfinale
  • Verlängerung und Elfmeterschießen bei der EM: In den K.o.-Spielen ab Achtelfinale gibt es eine 30-minütige Verlängerung, wenn es nach 90 Minuten noch Unentschieden steht. Gibt es auch dann noch ein Remis, geht ein Elfmeterschießen über die Bühne, zu dem jeweils fünf Schützen aus jedem Team antreten. Falls es danach immer noch unentschieden steht, wird so lange mit jeweils einem Schützen aus jedem Team weitergeschossen, bis der Sieger feststeht.

Fußball als Integrationshilfe

Auch beim aktiven Fußballspiel braucht es wenig Worte, hier kann man gemeinsam spielen, Spaß haben und auf friedliche Art Aggressionen abbauen. „Mesut Özil oder Jérôme Boateng sind Brückenbauer und wichtige Vorbilder für Migranten: Wer sich anstrengt, kann den sozialen Aufstieg schaffen“, sagt Prof. Dr. Maria Böhmer, die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung. Fußball ist mit großem Abstand der Sport, den die meisten Menschen in Deutschland aktiv betreiben. Im Jahr 2015 waren laut des Statistik-Portals statista knapp 6,9 Millionen Menschen Mitglied im Deutschen Fußball-Bund (DFB). Das ist klar der Platz 1 vor dem Deutschen Turner-Bund (gut 4,9 Millionen). Den nach Fußball populärsten Mannschaftssport Handball betreiben nur knapp 800.000 Menschen. Beim Fußball kommt hinzu, dass noch viele Millionen mehr das Spiel einfach so in der Freizeit mit ihren Kindern betreiben.

Der perfekte Sport, nicht nur für Kinder

Für die Kids ist Fußball der perfekte Sport. Hier können sie ihren Helden wie Müller, Neuer oder Schweinsteiger nacheifern, sammeln durch Erfolgserlebnisse Selbstbewusstsein, verstehen, dass Erfolg nur in der Gemeinschaft möglich ist. Es ist auch wissenschaftlich erwiesen, dass sportliche Betätigung die schulischen Erfolge erhöht. Je häufiger sich der Nachwuchs mit elf Jahren körperlich intensiv betätigt hatte, desto besser schnitt er in diesem Alter und auch bei den Tests in Englisch, Mathe und Naturwissenschaften ab, stellten einst englische Forscher fest. Natürlich tut man beim Fußball auch etwas für die Gesundheit – und das gilt nicht nur für Kinder. Durch die Bewegung an der frischen Luft wird der Körper abgehärtet, Herz und Kreislauf sowie das Immunsystem gestärkt.

Fußball stärkt die Muskeln

Beim Fußball werden alle Muskelgruppen gefördert und entwickelt – von der Nackenmuskulatur beim Kopfball, über die Rumpf- und Oberschenkelmuskulatur für schnelles Rennen bis zu den Fußmuskeln für einen strammen Schuss. Beim Fußball braucht es Schnellkraft genauso wie Ausdauer – und das Mitdenken sowie die Spielintelligenz sind Pässen zu Mitspielern oder dem Voraussehen bestimmter Spielsituationen auch noch gefragt.

Positive Wirkungen auf die Gesundheit wissenschaftlich nachgewiesen

Dass Fußball gut für die Gesundheit ist, konnten dänische Forscher auch wissenschaftlich nachweisen. Sie teilten 50 untrainierte Frauen in drei Gruppen auf, die entweder Fußball spielten, joggen gingen oder gar kein Sport betrieben. Nach Ende der Studie war die Knochendichte bei den Fußballerinnen deutlich höher als in den anderen beiden Gruppe. Auch bei der Sprungkraft und beim Kraftzuwachs in der Wadenmuskulatur lagen die Fußballerinnen klar vorne. Dadurch verringert sich das Risiko von Knochenbrüchen. In einer anderen Untersuchung mit Männern sank der Blutdruck deutlich, gleichzeitig stieg die maximale Sauerstoffaufnahme um acht Prozent. Perfekt für die Vorbeugung vor Herkreislauf-Erkrankungen. Natürlich gibt es beim Fußball auch ein Verletzungsrisiko. Marco Reus wurde von Bundestrainer Joachim Löw wegen Adduktorenproblemen aus dem EM-Aufgebot gestrichen, nachdem er schon die WM 2014 wegen einer Verletzung verpasst hatte. Auch Knieverletzungen und Zerrungen sind Gefahren.

Fußball als „Diät“

Doch die positiven Effekte überwiegen: Fußball ist übrigens auch etwas für Menschen, die abnehmen wollen: In einer wissenschaftlichen Untersuchung verloren die Kicker im Durchschnitt 1,7 Kilogramm reine Fettmasse. Eine Fußballerin mit einem Gewicht von 60 Kilogramm verbrennt laut den Forschern meistens mehr als 1.000 Kalorien pro Spiel, eine Joggerin bei mittlerer Geschwindigkeit dagegen nur 400 Kalorien in der gleichen Zeit.

Auf dem Vormarsch: Frauenfußball

Das ist sicher nicht der Hauptgrund, warum Fußball inzwischen auch bei Frauen höchst populär geworden ist. Was in früheren Zeiten gesellschaftlich verpönt war, ist inzwischen längst akzeptiert. Heutzutage spielen viele Mädchen in Kinder- und Jugendmannschaften gemeinsam mit den Jungs oder später in reinen Frauenteams. Seit 1984 gibt es im Frauenfußball Europameisterschaften, und natürlich ist Deutschland mit acht Titeln auch hier Rekord-Champion.

Fußball-Geschichte: Ursprünge aus China

Die Geschichte des Fußballs reicht übrigens mehr als 2000 Jahre zurück. Schon im dritten Jahrhundert vor Christus gab es laut Aufzeichnungen eines Militärhandbuchs aus der Han-Dynastie in China ein Spiel mit dem Namen "Tsu' Chu". Ziel des Ballspiels war es, einen mit Federn und Haaren gefüllten Lederball durch eine nur 30 bis 40 cm breite Öffnung in ein schmales Netz zu befördern, das an zwei langen Bambusstangen befestigt war. Handspiel war schon damals verboten. 1848 verfassten Studenten der Universität Cambridge die ersten Fußballregeln – ein Grund, warum England als Mutterland des Fußballs gilt.

1874 wurde das Fußballspiel erstmals in Deutschland von Konrad Koch eingeführt, einem Lehrer am Gymnasium Martino-Katharineum in Braunschweig. Seine in der heutigen Zeit noch aktuellen Ziele: Er wollte den Bewegungsmangel der Jugend bekämpfen und ethische Grundtugenden fördern. „Beim Fußballspiel findet unsere deutsche, des frischen Spiels im Freien entwöhnte Jugend am schnellsten ihre verlorene Spiellust wieder“, sagte Koch damals. Es war der Beginn des Siegeszugs einer Sportart in Deutschland, der heute Millionen verfallen sind. Die englische Fußball-Legende Gary Lineker prägte einen berühmten Satz: „Fußball ist ein Spiel, bei der 22 Spieler einem Ball hinterherrennen und am Ende gewinnt immer Deutschland.“ Möge es bei dieser EM so bleiben…

Die 5 erfolgreichsten deutschen Fußballer

Der aktuelle Kapitän des deutschen Nationalteams ist seit dem WM-Finale 2014, wo er trotz zahlreicher Fouls und Blessuren weiterspielte, eine Legende und der größte Titelsammler: Er gewann 2014 den WM-Titel mit Deutschland, dazu mit Bayern München die Klub-WM, den europäischen Supercup und die Champions-League, wurde achtmal deutscher Meister und siebenmal Pokalsieger.

Der „Kaiser“ ist sicher weltweit der berühmteste deutsche Fußballer aller Zeiten. Er führte Deutschland als Kapitän zum EM-Titel 1972, wurde als grandioser Libero 1974 mit Deutschland Weltmeister, gewann zwischen 1974 und 1976 dreimal in Serie den Europapokal der Landesmeister (heute Champions League), holte den Weltpokal und zahlreiche nationale Titel. Als Trainer führte er Deutschland 1990 zum WM-Titel und hatte wesentlichen Anteil daran, dass die WM 2006 nach Deutschland vergeben wurde.

Mit 150 Länderspielen deutscher Rekordnationalspieler und mit 75 Titeln Rekordspielführer der Nationalmannschaft. Er nahm zwischen 1982 und 1996 an fünf Weltmeisterschaften teil, 1990 führte er Deutschland als Kapitän zum WM-Titel. 1991 wurde er der erste Weltfußballer des Jahres. Außerdem gewann er zahlreiche nationale und internationale Titel mit Bayern München und Inter Mailand.

Der „Bomber der Nation“ ist mit 365 Toren Rekordtorschütze der Fußball-Bundesliga. Sein Torriecher galt als einmalig, er schoss auch in der Nationalmannschaft 68 Tore. Mit Deutschland wurde er 1972 Europa- und 1974 Weltmeister, mit Bayern München gewann er dreimal den Europapokal der Landesmeister, den Europapokal der Pokalsieger, den Weltpokal und viele nationale Titel.

Der Torjäger gilt als Nachfolger von Gerd Müller und ist momentan mit Torhüter Manuel Neuer der beliebteste deutsche Nationalspieler. Bei der WM 2010 erhielt er den Goldenen Schuh als Torschützenkönig und trug auch bei der WM 2014 mit fünf Toren zum Titelgewinn von Deutschland bei. Er gewann mit Bayern München die europäische Champions League, den europäischen Supercup, die Klub-WM und zahlreiche nationale Titel.