Olympia: Ein Sport-Spektakel begeistert die Welt seit Jahrtausenden

Bei den Olympischen Spielen von Rio de Janeiro (5. bis 21. August 2016) werden wieder Millionen vor den TV-Bildschirmen sitzen und sich scheinbar seltsame Sportarten wie Synchronschwimmen oder Modernen Fünfkampf anschauen. Dabei war früher alles noch viel verrückter.

Die Geschichte der Olympischen Spiele

Olympia's verrückte Historie

In den Anfangszeiten der modernen Olympischen Spiele zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es für Sportarten wie Tauziehen oder Seilklettern olympische Goldmedaillen. Im Wasser konnte man sich im Kopfweitsprung, Unterwasserschwimmen oder Hindernisschwimmen zum Olympiasieger krönen. Vierbeiner waren im Pferdeweitsprung und Pferdehochsprung gefordert. Am ärmsten dran waren jedoch bei den Olympischen Spielen 1900 in Paris die Tauben. Beim Schießen holte der Australier Donald Mackintosh mit 22 Schüssen 22 Tauben vom Himmel.

Ursprung von Olympia in Griechenland

Schießen gibt es im Programm der Olympischen Spiele immer noch – aber es wird glücklicherweise auf Tontauben (Scheiben) geschossen. Lebendige Tauben flattern traditionell höchstens bei der Eröffnungsfeier als Friedensbotschafter durchs Stadion. Die Olympischen Spiele als größtes Sport-Spektakel der Welt sollen noch heute die Nationen im sportlichen Wettstreit friedlich zusammenführen. Das war schon im antiken Griechenland ein Grundgedanke. Dort, genauer gesagt im Ort Olympia auf der Halbinsel Peleponnes, haben die Olympischen Spiele ihren Ursprung. Bis heute wird dort traditionell das Olympische Feuer für das im Wechsel zwischen Winter- und Sommerspielen alle zwei Jahre stattfindende Megaevent entzündet.

Einst zu Ehren der Götter

Im antiken Griechenland wurden die Spiele einst zu Ehren der Götter ins Leben gerufen. Die ersten Siegerlisten sind auf das Jahr 776 vor Christus datiert. In den Anfangsjahren stand nur ein Stadionlauf auf dem Programm. Stadion war damals eine Maßeinheit, die gut 192 Metern entsprach. Mit der Zeit wurde das Programm um weitere Laufwettbewerbe, Faust- und Ringkämpfe, einen Fünfkampf und Pferdesportwettbewerbe erweitert. Nicht nur junge Athener, sondern auch Bürger aus anderen Stadtstaaten durften teilnehmen. Die Riten zu Ehren der Götter wurden immer unwichtiger, der Sport immer bedeutsamer. Unfitte Griechen durften nicht mehr teilnehmen, eine echte Chance auf den Sieg hatten nur noch Berufssportler.

Schon damals ging es um Ruhm und Geld

Es ging auch damals schon um Ruhm und viel Geld. Wer gewann, hatte ausgesorgt, wurde von Steuerzahlungen befreit und ein Leben lang auf Staatskosten verpflegt. Es gab sogar schon Vorläufer des Dopings und Betrug. Im Jahre 67 nach Christus nahm Kaiser Nero an den Olympischen Spielen teil und gewann eine Handvoll Goldmedaillen durch Bestechung. Unter anderem im Wagenrennen, obwohl er vom Wagen gefallen war. Mit dem Aufkommen des Christlichen Glaubens verloren die griechischen Götter – und damit auch die Olympischen Spiele – an Bedeutung und wurden schließlich 394 nach Christus verboten.

Wiederauferstehung der Olympia-Idee dank Coubertin

Erst gut 1500 Jahre später erlebten die Olympischen Spiele ihre Wiederauferstehung. Dank Pierre de Coubertin, einem französischen Studenten. Er hatte die blendende Idee, dass Sport die Nationen zusammenbringen könnte und entwickelte eine moderne Vision Olympischer Spiele. Bei der ersten Austragung 1896 in Athen waren jedoch hauptsächlich Griechen und ein paar zufällig anwesende Touristen am Start. Erst nach und nach – 1900 zum Beispiel fanden die Spiele während der Weltausstellung in Paris statt – entwickelten sich die Olympischen Spiele zu dem großen Sport-Spektakel, das sie heute sind.

Olympia von der Politik missbraucht

Coubertin hatte die Vision von unpolitischen und für jede Nation frei zugänglichen Olympischen Spielen. Er entwickelte auch das offizielle Symbol der Olympischen Spiele, die fünf miteinander verbundenen Ringe, die fünf Kontinente symbolisieren sollen. Der Gedanke der Einigkeit aller Völker wurde jedoch in der Vergangenheit oft torpediert. 1936 nutzten die Nationalsozialisten die Sommerspiele in Berlin als Propagandaveranstaltung. Olympia 1980 in Moskau wurde von einem Großteil der kapitalistischen Staaten boykottiert (auch von der damaligen Bundesrepublik Deutschland), bei den Spielen 1984 in Los Angeles schauten viele sozialistische Länder zu (darunter auch die damalige DDR).

Olympische Sommerspiele 2016 in Rio de Janeiro

Erstmals in Südamerika

Im August finden die Olympischen Sommerspiele bei ihrer 31. Auflage nun das erste Mal überhaupt in Südamerika statt – nachdem zuvor schon die Kontinente Europa, Nordamerika, Asien und Australien Austragungsort waren. In Afrika haben die Olympischen Spiele noch nie stattgefunden. Über 10.000 Sportler werden um 306 Goldmedaillen kämpfen. Neue Sportarten im Programm gegenüber London 2012 sind Golf und Rugby. Allerdings waren beide früher schon einmal bei Olympischen Spielen vertreten – Golf zuletzt 1904 und Rugby 1924.

Die einzigen Sommersportarten, die seit Beginn immer olympisch waren, sind Leichtathletik, Schwimmen, Radsport, Fechten und Gymnastik. Erfolgreichster Sportler in der Geschichte der Olympischen Spiele ist übrigens Schwimmer Michael Phelps mit unglaublichen 18 Goldmedaillen zwischen 2004 und 2012. Die erfolgreichste Nation ist die USA mit 977 Olympiasiegen. Deutschland belegt mit 411 Goldmedaillen hinter Russland (574) Platz drei.

50 deutsche Medaillen das Ziel

Auch in Rio will Deutschland wieder zahlreiche Medaillen absahnen. „Wir werden mit über 450 Athleten eine sehr große deutsche Mannschaft im Vergleich zu den letzten Sommerspielen haben“, sagt Michael Vesper als Vorstandsvorsitzender des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). In London waren nur 392 Sportler dabei. Fünf deutsche Teams sind in den Spielsportarten mit von der Partie, darunter Goldkandidaten wie die Handball-Europameister, die Hockey-Olympiasieger von 2008 und 2012 sowie die beiden Fußball-Teams. Entsprechend sollen auch die deutschen Medaillen-Bilanzen der Sommerspiele von 2008 (41) und 2012 (44) verbessert werden. Vesper nannte einen Zielkorridor von „38 bis 68 Medaillen, wo wir uns irgendwo in der Mitte einordnen werden.“ Die magische Zahl 50 würde man natürlich sehr gern übertreffen.

20.000 Euro für Gold

Die deutsche Olympia-Expedition nach Rio wird etwa neun Millionen Euro kosten, jeder deutsche Olympiasieger bekommt eine Prämie von 20.000 Euro. Für Sportler aus anderen Nationen geht es um weitaus mehr – einige Nationen loben Goldprämien von mehreren Hunderttausend Euro aus. Das erhöht natürlich den Reiz des Betrugs. Doping mit leistungssteigernden Substanzen wird sicher auch in Rio ein Thema sein, nachdem kurz vor den Spielen Staatsdoping in Russland aufgedeckt worden war.

Sicherheitsprobleme und Zika-Virus

Negativ-Schlagzeilen schallen auch aus der Olympiastadt wie der Absturz eines extra neu erbauten Olympia-Radwegs mit Toten oder die Probleme mit der Fertigstellung von Olympia-Bauten. Nicht zu vergessen die Angst vor dem Zika-Virus, das Behinderungen bei ungeborenen Kindern auslösen kann. Zudem leidet Brasilien unter massiven finanziellen Problemen, viele Menschen leben unter der Armutsgrenze. Kriminalität ist ein großes Problem speziell in der traumhaft gelegenen Stadt Rio de Janeiro, wo es zwischen Touristen-Attraktionen wie der Copacabana, der Christus-Statue oder dem Zuckerhut immer wieder Überfälle gibt.

Michael Vesper, Vorstandsvorsitzender des DOSB bleibt zuversichtlich: „Wir nehmen das Zika-Virus ernst, arbeiten mit Experten vom Robert-Koch-Institut zusammen. Ich bin mir auch sicher, dass alle wichtigen Bauten fertig sein werden und die Gastgeber die Sicherheit gewährleisten werden. Es werden gute, lebendige und bunte Spiele werden“.

Von Neymar bis Bolt: Viele Stars am Start

Einige Stars speziell aus den Profisportarten Golf und Tennis verzichten aus Angst vor dem Zika-Virus oder aus Sicherheitsbedenken wegen der zahlreichen Raubüberfälle und terroristischen Bedrohungen trotzdem auf ihren Start in Rio. Es werden aber auch jede Menge Weltstars des Sports mit von der Partie sein: Im Fußball wird beispielsweise Weltstar Neymar für Gastgeber Brasilien zaubern. In der Leichtathletik jagt der schnellste Mann der Welt, Usain Bolt (Jamaika), nach weiteren Goldmedaillen. Auch im deutschen Team gibt es zahlreiche prominente Athleten wie Golfer Martin Kaymer, Diskus-Olympiasieger Robert Harting, Turner Fabian Hambüchen oder die Fußballer Lars und Sven Bender sowie Weltmeister Matthias Ginter. Letzterer könnte etwas Historisches schaffen und als erster Deutscher Fußball-Weltmeister und Fußball-Olympiasieger werden.

Alle deutschen Sportler freuen sich schon jetzt auf das einmalige Erlebnis Olympia, bei dem Athleten aus über 200 Teilnehmernationen zusammen im Olympischen Dorf wohnen werden. „Olympia ist ein Kindheitstraum von mir. Das gibt es nur aller vier Jahre und es ist das Größte, was ein Sportler erleben kann“, schwärmt Ringerin Aline Focken. Die Faszination Olympia ist auch nach fast 3000 Jahren noch riesig.