Yoga: Gut für Rücken und Seele

Beim Gedanken an Yoga kommt vielen nur das Wort „Om“ oder der Lotussitz in den Kopf. Die Zeiten, in denen Yogis als esoterische Außenseiter belächelt wurden, sind jedoch in Deutschland längst vorbei. 

Yoga ist längst keine Randerscheinung mehr, sondern ein Massenphänomen. 2014 praktizierten laut einer Umfrage schon 3,3 Prozent der Deutschen Yoga, das sind etwa 2,6 Millionen. Noch wesentlich mehr Menschen interessieren sich für die Übungen, die Körper und Seele besser in Einklang bringen sollen. Und bei gesundheitlichen Beschwerden helfen können.

 „Es kommen immer mehr Menschen in die Studios. Yoga boomt sehr, und es wird immer selbstverständlicher“, sagt Tanja Zieger. Die Yoga-Lehrerin beim Sivananda Yoga Vedanta Zentrum in München macht in ihren Anfängerkursen meist ähnliche Erfahrungen. „Die Menschen kommen oft mit Symptomen wie Stress und Rückenbeschwerden zu uns. Nach einer Yoga-Stunde gehen sie mit neuer Energie und kommen immer wieder. Der Effekt ist immer da und das hat nichts mit Zauberei zu tun.“

Was ist eigentlich Yoga?

Die Yoga-Philosophie stammt aus Indien und ist über 2500 Jahre alt. Yoga bedeutet im Wortsinn „anschirren“ oder „zusammenbinden“ – übertragen kann darunter die Vereinigung von Körper, Geist und Seele verstanden werden. Körperliche Übungen – Asanas genannt – werden beim Yoga mit geistiger Sammlung durch Meditation, Atem- oder Entspannungsübungen kombiniert.

Welche Yoga-Arten gibt es?

Dabei gibt es viele verschiedene Strömungen, die unterschiedliche Akzente setzen. Die Übergänge zwischen den einzelnen Yoga-Arten sind fließend. Vielerorts werden Mutter-Kind-Yoga, Yoga für Schwangere, für Senioren, für Kinder, für Frauen oder für Männer und andere Kurse angeboten. Wie findet man das passende Yoga für die eigenen Wünsche und Bedürfnisse? Ein kleiner Wegweiser:

  • Hatha-Yoga: sozusagen die Mutter aller bei uns praktizierten Yoga-Richtungen. Hatha umfasst insgesamt 26 Asanas (Körperhaltungen), außerdem Pranayamas (Atemübungen) und Meditation.
  • Sivananda-Yoga: nach seinem Erfinder, dem indischen Arzt Swami Sivananda benannt. Es ist die weltweit am häufigsten praktizierte Unterart des Hatha-Yoga. Jede Übungsstunde besteht aus Anfangsentspannung, Atemübungen, Sonnengruß sowie zwölf  Asanas und endet mit der Tiefenentspannung.
  • Bikram-Yoga: nichts für Yogis mit schwachem Kreislauf! Die Asanas aus dem Hatha-Yoga werden hier bei einer Temperatur von rund 40 Grad durchgeführt. Das Verletzungsrisiko ist geringer, der Körper ist aufgrund der Wärme wesentlich geschmeidiger.
  • Kundalini-Yoga: spirituelle Form des Yoga. Der Schwerpunkt liegt hier eher auf den Meditations-, Atem- und Konzentrationsübungen, weniger auf den Asanas. 
  • Ashtanga- oder Vinyasa-Yoga: Es wird auch „bewegte Meditation“ genannt, da man hier die Asanas in einer festgelegten Reihenfolge und im Rhythmus der eigenen Atmung fließend miteinander verbindet.
  • Iyengar-Yoga: Unterart des Ashtanga-Yoga. Besonderes Augenmerk liegt auf der exakten Ausführung der Asanas, die teilweise sehr lange gehalten werden, um Kraft aufzubauen. Hilfsmittel wie Klötze, Gurte oder Stühle sollen die Ausführung der Übungen insbesondere für Anfänger vereinfachen. Deshalb bei Rückenproblemen, Skelettverletzungen und auch für Senioren geeignet.
  • Jivamukti-Yoga wird auch als Power-Yoga bezeichnet. Es ist sehr körperorientiert und anstrengend und wird mit Musik (Pop, Hip-Hop, Rock, aber auch indischer Mantramusik) praktiziert.
  • Das Nada-Yoga hat seinen Ursprung in der heilenden Kraft des Klangs. Deshalb stehen die Rezitation von Mantras sowie Atem- und Meditationstechniken mit Klang im Zentrum der Übungen.
  • Beim Yoga der Stille oder Tibetischen Traumyoga steht das Streben nach Selbsterkenntnis ohne körperliche Übungen im Vordergrund.
  • Hormon-Yoga soll Frauen bei Beschwerden in den Wechseljahren helfen.

Yoga ist positiv für körperliche und geistige Gesundheit

Dass Yoga positive Auswirkungen auf die körperliche und geistige Gesundheit hat, ist längst wissenschaftlich nachgewiesen. Yoga lindert psychische Probleme wie Stress, Schlaf- und Angststörungen, Depressionen und auch körperliche Leiden wie Migräne, Rückenschmerzen und Durchblutungsstörungen. Das hat etwas damit zu tun, dass bei den Yoga-Übungen (Asanas) Kraft, Flexibilität, Gleichgewichtssinn und Muskelausdauer trainiert werden. Die Rückenmuskulatur wird gekräftigt, die Durchblutung verbessert. Atemübungen und Meditation helfen vielen Menschen in diesen stressigen Zeiten wiederum dabei, innerlich zur Ruhe zu kommen und ihr Verhalten zu reflektieren.

„Der Mensch ist Körper und Geist. Beides beeinflusst sich gegenseitig. Wenn man Stress hat, bekommt man Rückenschmerzen. Wenn man wiederum Rückenschmerzen hat, wird man immer gestresster. Yoga hilft, alles wieder in Einklang zu bringen“, berichtet Zieger. Mitmachen kann praktisch jeder, denn die Übungen werden an die Fähigkeiten der Yogaschüler angepasst und werden mit wachsendem Können immer anspruchsvoller. Eine klassische erste Übung in ihrem Anfängerkurs wäre zum Beispiel der Schulterstand (Kerze) – gefolgt von einer Entspannungsstellung.

Yoga ist auch etwas für Männer

Bevor man sich für ein Yogastudio entscheidet, sollte man sich darüber klar werden, auf was der Fokus liegen soll. Ob Fitness-Fan oder meditativ Veranlagter – für jeden gibt es speziell in Großstädten die passende Spielart des Yoga. Und die Zeiten, in denen fast nur Frauen in die Yogastudios pilgerten, sind vorbei. Längst mischen sich auch Männer in die Gruppen, obwohl das weibliche Geschlecht immer noch deutlich in Überzahl ist.

„Frauen sind offener, ihnen fällt die Innenschau und die Konzentration auf den eigenen Körper leichter. Manchmal habe ich das Gefühl, dass sie auch weniger gestresst sind“, sagt Zieger mit einem Lächeln. Dabei hilft Yoga ja gerade beim Stressabbau – und ist deshalb auch für Männer ein guter Tipp: „Ich würde mir wünschen, dass noch mehr Männer zum Yoga finden. Man geht ein Stück nach innen, beobachtet sein Verhalten und schafft eine harmonischere Atmosphäre zu seinen Mitmenschen.“

Yoga-Übungen allein zu erlernen, ist übrigens nicht angeraten. Viele Asanas beanspruchen Muskeln, die im Alltag nicht gefordert werden. Dauernde Fehlbelastungen durch falsch ausgeführte Übungen können auch zu körperlichen Schäden führen. Gute Yogalehrer fragen ihre Schüler nach Vorerkrankungen passen die Übungen an die körperliche Verfassung an. Einmal pro Woche Yoga zu praktizieren ist ein guter Start. Für das Bindegewebe, auch Faszien genannt, wären sogar bis zu dreimal pro Woche perfekt. Der Lotussitz ist dabei übrigens keinesfalls Pflicht. Tanja Zieger: „Das ist eine Übung nur für Fortgeschrittene. Dafür sind wir Westler gar nicht gebaut.“