Bluthochdruck: Blutdruck im Griff

Ungefähr ein Fünftel der Erwachsenen  in Deutschland leidet unter einem hohen Blutdruck. Das kann fatale Folgen haben. Denn Bluthochdruck gilt als bedeutsamer Risikofaktor für  Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Zum Glück kann jeder selbst etwas tun, um den Blutdruck in den Griff zu bekommen.

Was bedeuten die Blutdruckwerte?

„130 zu 80“,  sagt die Sprechstundenhilfe zum Patienten, nachdem sie den Blutdruck gemessen hat. Doch was heißt das genau? Der Blutdruck wird mit zwei Werten bestimmt: dem systolischen und dem diastolischen. Der höhere Druck entsteht, wenn das Herz sich anspannt und das Blut in die Adern drückt. Dieser systolische Blutdruck wird immer zuerst genannt. Der diastolische Blutdruck wird gemessen, wenn sich das Herz und die Adern wieder entspannen, er ist darum niedriger. Nach den Leitlinien zur Behandlung der Hypertonie der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie e.V. und der Deutschen Hochdruckliga e.V. liegt der normale Blutdruck bei einem systolischen Druck zwischen 120 und 129 Millimeter Quecksilbersäule (mmHG) und/oder einem diastolischen Druck zwischen 80 bis 84 mmHG. Von einem Bluthochdruck, einer Hypertonie, wird gesprochen, wenn der Blutdruck bei wiederholten Messungen 140/90 mmHg und mehr beträgt. Doch auch der sogenannte hochnormale Blutdruck zwischen 130-139/85-89 mmHG kann schon Schäden verursachen, wenn weitere Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wie erhöhte Blutfettwerte, vorliegen.

Einteilung des Blutdrucks

Kategorie

Systolisch in mmHg

Diastolisch in mmHg

optimal

< 120

< 80

normal

120-129

80-84

hochnormal

130-139

85-89

Hypertonie Grad 1

140-159

90-99

Hypertonie Grad 2

160-179

100-109

Hypertonie Grad 3

>= 180

>= 110

Isolierte systolische Hypertonie

>= 140

<90

Der stille Killer

Schwindel, Kopfschmerz, Sehstörungen, verminderte Leistungsfähigkeit, Atemnot und Herzklopfen, Wahrnehmung des Pulsschlags oder Ohrensausen können auf einen erhöhten Blutdruck hinweisen. Doch diese Krankheitszeichen setzen langsam und nahezu unmerklich ein. Nicht selten treten sie erst dann auf, wenn Organe und Gefäße bereits geschädigt sind. Viele Menschen wissen daher nicht, dass sie einen zu hohen Blutdruck haben. Die Messung des Blutdrucks ist daher heute Bestandteil vieler Vorsorgeuntersuchungen, wie dem Check-up 35, um frühzeitig etwas dagegen zu tun. Hoher Blutdruck schädigt in erster Linie das Endothel, das heißt die innerste Schicht der Gefäßzellen. Die Folge sind Ablagerungen (Plaque) an den Gefäßwänden und die Entwicklung einer Arteriosklerose. Schlaganfall, Herzinfarkt und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen können die Folge sein. Auch Nieren und Augen können geschädigt werden.

Die Veranlagung wird vererbt

Ungefähr 95 Prozent aller Blutdruckkranken leiden unter der primären Hypertonie. Bei ihrer Entstehung spielen genetische Faktoren eine Rolle. Doch die Veranlagung muss noch nicht zur Erkrankung führen. Erst wenn bestimmte Risikofaktoren hinzukommen, schnellt der Blutdruck in die Höhe. Bei der sekundären Hypertonie liegt zuvor eine Grunderkrankung vor, zum Beispiel eine Nierenerkrankung, in deren Folge es dann zur Hypertonie kommt.

Risikofaktoren für Bluthochdruck

Übergewicht

Wer unter Übergewicht leidet – Body-Mass-Index (BMI) über 25 –, hat ein erhöhtes Risiko, Bluthochdruck zu bekommen. Besonders gefährdet sind Menschen mit Bauchfett und einem Taillenumfang von mehr als 94 cm bei Männern und über 88 cm bei Frauen. Fettzellen des Bauchfettes bilden verstärkt Botenstoffe, die ein Zusammenziehen der Blutgefäße bewirken. Zudem fördern sie eine Insulinresistenz mit nachfolgend erhöhtem Insulinspiegel, der unter anderem zu einer Steigerung des Blutdrucks führt.

Stress

Unter Anspannung produziert der Körper Stresshormone, die den Blutdruck steigen lassen. Bluthochdruckpatienten bilden genetisch bedingt größere Mengen an Stresshormonen und reagieren empfindlicher auf diese als gesunde Menschen.

Zigaretten, Kaffee und Alkohol

Rauchen erhöht das Risiko für Gefäßschäden, der Einfluss auf den Blutdruck selbst ist jedoch minimal. Der Effekt von Kaffee wird heute als gering eingeschätzt. Er steigert nur bei den Personen den Blutdruck, die keinen oder nur selten Kaffee trinken. Bei regelmäßigem Konsum entwickelt der Körper eine Toleranz, sodass keine schädliche Wirkung zu erwarten ist. Allerdings erhöhen schon geringe Mengen Alkohol den Blutdruck. Alkohol und Rauchen vermindern zudem die Wirkung von blutdrucksenkenden Medikamenten.

Natrium in Speisesalz

Studien zeigen, dass der Mineralstoff Natrium, den wir in großen Mengen über Speisesalz (Natriumchlorid) in unserer Nahrung aufnehmen, das Risiko für Bluthochdruck erhöht. Eine Salzbeschränkung wiederum senkt bei etwa der Hälfte der Erkrankten und bei 20 bis 30 Prozent der Personen mit normalen Werten den Blutdruck. Ob Patienten von einer salzärmeren Ernährung profitieren, lässt sich nur durch Ausprobieren feststellen, zum Beispiel eine kochsalzarme Ernährung über mehrere Wochen.

Kalium

Der Mineralstoff Kalium gilt als Gegenspieler von Natrium. Eine kaliumreiche Ernährung kann den Blutdruck senken; eine kaliumarme fördert dagegen die Entstehung einer Hypertonie.

Lebensstil ändern lohnt sich

Bei einer leichten Hypertonie ohne zusätzliche Risikofaktoren ist die konsequente Änderung der Lebensführung die erfolgreichste Maßnahme. Sie alleine bewirkt schon, dass der Blutdruck in die Nähe des normalen Bereichs sinkt, ganz ohne Medikamente. Bei einer mittelschweren (160/100 bis 179/109 mm Hg) bis schweren (> 179/109 mm Hg) Hypertonie kann der zu hohe Blutdruck effektiv nur durch eine Behandlung mit blutdrucksenkenden Medikamenten (Antihypertensiva)  gesenkt werden. Dies gilt auch für leichte Formen (140/90 bis 159/99 mm Hg) des Hochdrucks, wenn zusätzlich Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorliegen.

Bei der Medikamenteneinnahme sollten unbedingt die Empfehlungen des Arztes beachtet werden. Denn auch wenn sich am Anfang noch kein Erfolg zeigt, müssen die Medikamente weiter genommen werden. Bis Antihypertensiva voll wirken, kann es einige Wochen dauern. Doch auch hier ist ein gesunder Lebensstil wichtig. Er kann dazu beitragen, dass Medikamente eingespart werden können. Es lohnt sich also in jedem Fall, selbst etwas gegen den zu hohen Blutdruck zu tun. Wer seinen Bluthochdruck senkt, senkt auch das Risiko für einen Schlaganfall oder Herzinfarkt.

1. Blutdruck regelmäßig messen

Für Patienten mit Bluthochdruck ist es wichtig, täglich den Blutdruck selbst zu messen und die Werte zu notieren. Denn für den Arzt ist der Verlauf wichtiger, als gemessene Einzelwerte aus seiner Praxis. Die Messung des Blutdrucks sollte stets am Morgen nach fünf Minuten ruhigen Sitzens in ruhiger Umgebung, entspannter Sitzhaltung und nebeneinander stehenden Beinen durchgeführt werden. Der Messpunkt am Arm sollte sich immer in Herzhöhe befinden. Messen Sie den Blutdruck immer an dem Arm mit den höheren Blutdruckwerten. Welcher das ist, sagt Ihnen Ihr Arzt. Es empfiehlt sich, den Blutdruck zweimal in Folge mit einer Pause von ein bis zwei Minuten zu messen. Meist liegt der Wert der zweiten Messung niedriger. Diesen sollten Sie notieren. Bei der Auswahl des richtigen Gerätes, dem korrekten Anlegen der Manschette und der richtigen Messung hilft Ihnen Ihr Arzt bzw. das Praxisteam.

2. Alkohol und Tabak meiden

Wer unter einem hohen Blutdruck leidet, sollte von Nikotin und Alkohol möglichst ganz die Finger lassen. Sie steigern nicht nur den Blutdruck, sondern mindern auch die Wirkung der blutdrucksenkenden Medikamente. Die IKK classic untertützt Sie auf Ihrem Weg zum Nichtraucher oder im Umgang mit anderen Suchtmitteln. Wenn Sie professionelle Hilfe benötigen, finden Sie in unserem umfangreichen Kursangebot den für Sie passenden Gesundheitskurs unter geschulter Anleitung. Mit dem IKK Gesundheitskonto können Sie Ihre Teilnahme finanzieren. Außerdem haben wir die wichtigsten Tipps zum Thema Nichtrauchen für Sie zusammengestellt.

3. Normalgewicht anstreben

Versuchen Sie, vorhandenes Übergewicht in den Griff zu bekommen. Denn Übergewichtige, die ihr Gewicht um zehn Kilogramm verringern, senken ihren Blutdruck um durchschnittlich 30/20 mmHg. Ein Hochdruck von 170/110 mmHg lässt sich damit ohne Medikamente auf 140/90 mmHg senken. Am besten gelingt das Abnehmen mit einer Kombination aus einer energiereduzierten, vollwertigen Mischkost und reichlich Bewegung. Nutzen Sie auch unser umfangreiches Kursangebot, wenn Sie lieber in einer Gruppe abnehmen möchten. Mit dem IKK Gesundheitskonto können Sie Ihre Teilnahme finanzieren.

4. Mehr Gemüse, Obst, Vollkornprodukte

Obst, Gemüse und Vollkornprodukten liefern reichlich gesundheitsfördernde Vitamine, Mineral-, Ballast- und sekundäre Pflanzenstoffe. Sie sind von Natur aus salz- und damit natriumarm, dafür aber reich an Kalium, das sich positiv auf den Blutdruck auswirkt. Günstig sind fünf Portionen Obst und Gemüse pro Tag, fettarme Milchprodukte, Vollkornerzeugnisse, Geflügel, Fisch und Nüsse.

Für Menschen mit Bluthochdruck ist es besonders empfehlenswert, weniger Lebensmittel mit gesättigten Fetten wie Fleischwaren, Wurst, Sahne, Schmalz und Butter zu essen, dafür aber mehr Lebensmittel mit  mehrfach ungesättigte Fettsäuren, zum Beispiel Fettfische wie Lachs und Hering, Speiseöle beispielsweise Lein-, Walnuss- oder Rapsöl und daraus hergestellte Margarine. Verzichten Sie beim Kochen und Zubereiten von Speisen auf Konserven und Fertiglebensmittel, sondern verwenden Sie frische Produkte, die sie salzarm zubereiten.

5. Weniger Kochsalz, mehr Kräuter und Gewürze

Durchschnittlich 10 Gramm Speisesalz essen Männer pro Tag, Frauen liegen mit 8,4 Gramm etwas darunter. Damit nehmen wir zu viel blutdrucksteigerndes Natrium zu uns. Die Weltgesundheitsorganisation und die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfehlen jedoch höchstens fünf bis sechs Gramm Salz pro Tag. Das entspricht 2 bis 2,4 Gramm Natrium pro Tag. Patienten mit Bluthochdruck wird daher empfohlen, weniger Salz zu essen. Spitzenreiter im Kochsalzgehalt sind Brot, Wurst, Schinken und Käse. Auch Fertiggerichte, Konserven, Räucher- und Pökelware aus Fleisch und Fisch enthalten reichlich Salz. Besser kommen unverarbeitete Nahrungsmittel wie Obst, Gemüse, Kartoffeln, Getreide, Milch, Öle, frisches Fleisch und Fisch sowie Quark und Naturjoghurt regelmäßig auf den Tisch, die Betroffene salzarm zubereiten können. Als Alternative zu Käse- und Wurstaufschnitt bieten sich selbstgemachte Brotaufstriche oder spezielle kochsalzverminderte Erzeugnisse an, die es in Reformhäusern oder bei speziellen Käsereien und Fleischereien gibt, zum Beispiel über den Onlinehandel.

Gewürzmischungen, Brühen und Fertigsuppen sollten Sie wegen ihres hohen Salzgehalts meiden. Zum Würzen eignet sich am besten die große Vielfalt der Kräuter und Würzgemüse wie Zwiebeln, Knoblauch, Sellerie, Lauch und Petersilienwurzel. Als Durstlöscher eignen sich Mineralwässer mit weniger als 20 mg Natrium je Liter. Sie sind mit dem Zusatz „natriumarm“ gekennzeichnet. Salzgebäck wie Salzstangen, Chips, Cracker oder Laugengebäck sind aufgrund des hohen Natriumgehalts ungeeignet. Knabbern Sie stattdessen eine kleine Handvoll Nüsse oder reichlich klein geschnittenes knackiges Gemüse.

Eine kochsalzärmere Kost ist für jeden eine große Umstellung. Bei guter Beratung und mit dem Wissen, dass sich auch mit Kräutern und Gewürzen schmackhafte Speisen zubereiten lassen, können sich die meisten Patienten nach einigen Wochen allerdings gut umstellen. 

6. Mehr Bewegung und Entspannung

Schon dreimal wöchentlich jeweils eine halbe Stunde Joggen, Walken, Radfahren in der Natur oder auf dem Trimmrad, Schwimmen oder Skilanglauf wirken sich positiv auf den Blutdruck aus. Doch auch wer kein Freund von Ausdauersport oder dafür (noch) nicht fit genug ist: Selbst Spaziergänge oder gymnastische Übungen nach eigenem Können tragen zur Blutdrucksenkung bei. Gegen Stress hilft das Erlernen von Entspannungstechniken wie Yoga, Progressive Muskelentspannung oder Autogenes Training. Probieren Sie aus, was zu Ihnen passt. Nutzen Sie auch unser umfangreiches Kursangebot. Mit dem IKK Gesundheitskonto können Sie Ihre Teilnahme finanzieren.