Brustkrebs – Vorsorge, Diagnose, Therapie

Am Anfang steht meist der Tastbefund – ein kleiner Knoten in der Brust. 80 Prozent der Betroffenen entdecken ihn selbst, oft zufällig. Wenn auf diese Weise das Thema aus heiterem Himmel in den Alltag einbricht, sind viele Ängste vorprogrammiert.

Da ist die Furcht, aus dem Leben gerissen zu werden, die Sorge vor Operation und Chemotherapie oder eventuell auch die Angst vor der Wiederkehr eines schon besiegt geglaubten Tumors. Jeder, ob jung oder alt, direkt betroffen oder Angehöriger, kämpft hier mit ganz eigenen Gedanken und Empfindungen.

Vorsorge heißt Früherkennung

Das Mammakarzinom – so der medizinische Fachausdruck für Brustkrebs – ist mit rund 57.000 Neuerkrankungen jährlich die häufigste Krebserkrankung bei Frauen in Deutschland. Bisher galt Brustkrebs eher als eine Frauenkrankheit der über 50-Jährigen, doch es gibt wesentlich jüngere Patientinnen.

Auch wenn die moderne Krebsforschung in den letzten Jahren durch verbesserte und schonendere Therapien viel erreicht hat, bleibt eine Behandlung besonders erfolgversprechend, wenn sie dem Tumor im Anfangsstadium begegnen kann. Dass dies nötig ist, zeigt die Statistik, denn in Deutschland sterben jährlich noch immer circa 18.000 Menschen an Brustkrebs.

Zu einer Trendwende können unter anderem sogenannte Screening-Programme beitragen. Frauen zwischen 50 und 69 Jahren erhalten alle zwei Jahre eine Einladung zur Mammographie in eine Screening-Einheit, bei der dank hochleistungsfähiger Geräte präzise Röntgenabbildungen der Brust erstellt werden. „Screening“ kommt aus dem Englischen und bedeutet so viel wie „Reihenuntersuchung“: Anders als bei herkömmlichen Röntgenaufnahmen wird die Beurteilung der Bilder durch mindestens zwei Ärzte vorgenommen. Weichen die Befunde voneinander ab, begutachtet ein dritter Arzt die Ergebnisse. Daher erfahren die Teilnehmerinnen eines Screenings ihre Ergebnisse auch nicht direkt nach der Untersuchung. Die Teilnahme an einem Screening-Programm ist kostenlos und freiwillig. Alle Daten und Aufnahmen werden verschlüsselt erfasst und im Laufe der Jahre miteinander verglichen. Auf diese Weise können selbst kleinste Veränderungen bemerkt und, falls nötig, umgehend behandelt werden. Manche Frauen befürchten Risiken und Strahlenbelastung beim Screening. Hier gilt es im eigenen Interesse, die Vor- und Nachteile gründlich abzuwägen.

Oft gestellt wird die Frage: Warum ist ein Mammographie-Screening für jüngere Frauen meist nicht geeignet – wenn doch Früherkennung so  entscheidend ist? Die Gründe liegen im jugendlichen Körper selbst. Die Gewebestraffheit der Brust bildet für die Röntgenstrahlen ein zu massives Hindernis, um genaue Ergebnisse liefern zu können. Daher wird bei jüngeren Frauen bei einem unklaren Tastergebnis auf die Untersuchung per Ultraschall zurückgegriffen. Sind auch diese Ergebnisse nicht eindeutig, bleibt – wie bei allen anderen Patienten auch – die Entnahme einer Gewebeprobe das einzig sichere Mittel, um Klarheit zu erlangen.

Risikofaktoren kennen

Die Gene werden heute gern für vieles verantwortlich gemacht. Doch beim Thema Brustkrebs gehen Experten inzwischen davon aus, dass höchstens fünf bis zehn Prozent der weiblichen Patienten ein vererbtes oder vererbbares Risiko aufweisen.

Als Entwarnung ist dies allerdings nicht zu verstehen: Gibt es nahe Verwandte, die an Brust- oder auch Eierstockkrebs erkrankt sind, ist erhöhte Wachsamkeit geboten.

Umwelteinflüsse haben sich als weit geringere Krankheitsauslöser herausgestellt als bisher angenommen. Gleiches gilt für Stress oder eher depressiv gestimmte Menschen: Wer sich etwas zu Herzen nimmt, erkrankt deshalb nicht zwangsläufig öfter an der Brust als andere Menschen.

Den weitaus größten Einfluss auf Brustkrebserkrankungen scheinen jedoch generell Übergewicht, Alkohol und Bewegungsmangel zu haben – und das sowohl bei älteren als auch bei jüngeren Frauen. Daher sollte in jedem Alter auf eine gesunde und ausgewogene Lebensweise – wenig Fleisch, viel Gemüse und Salate, wenig Alkohol und viel sportliche Betätigung – geachtet werden. Und falls Sie ein Kind bekommen haben: Stillen Sie es, wenn möglich. Denn das mindert die Gefahr, an einem Mammakarzinom zu erkranken. Auch Hormone beeinflussen das Brustkrebsrisiko. Die Entscheidung für die Pille zur Empfängnisverhütung oder eine Hormonersatztherapie in den Wechseljahren sollte jede Frau gemeinsam mit dem Gynäkologen verantwortungsbewusst treffen.

Positiver Befund – was nun?

Ist die Brust von einem Tumor befallen, muss zügig gehandelt werden, da sich die Krankheit schnell im Körper ausbreiten kann. Bekannte therapeutische Maßnahmen sind Chemo-, Hormon- und Strahlentherapie, aber eine generell gültige „Standardbehandlung“gibt es nicht: Zum einen muss die körperliche, psychosoziale und emotionale Situation der Patientin berücksichtigt werden. Zum anderen hängt die Therapie maßgeblich von Größe und Beschaffenheit des Tumors ab. Ist er klein und hat er vor allem noch nicht gestreut – also metastasiert – wird eine komplette Heilung angestrebt. Sind Metastasen bereits in anderen Organen nachweisbar, steht therapeutisch die Lebenszeitverlängerung im Vordergrund. Im Spätstadium soll dann eine Linderung der Krankheitsbeschwerden erreicht werden. Der Erhalt der Lebensqualität ist zu jeder Zeit das wichtigste Ziel.

„Wir sind auf einem guten Weg, Brustkrebs in Deutschland zu einer heilbaren Erkrankung zu machen. Schon jetzt hat eine 50-jährige Frau doppelt so hohe Heilungschancen wie noch ihre Mutter“, stellte Prof. Dr. med. Diethelm Wallwiener auf der Jahrestagung 2011 der Deutschen Gesellschaft für Senologie fest.

Brusterhaltende Operation oft machbar

Jede Entfernung eines Tumors aus der Brust geschieht mit der Maßgabe, ihn möglichst vollständig zu entfernen. Einerseits, um eine Ausbreitung durch Metastasen zu vermeiden und andererseits, um ein erneutes Auftreten an derselben Stelle – also eine Rezidivbildung – zu verhindern. Dabei ist bei etwa 60 bis 70 Prozent der Erkrankten eine brusterhaltende Operation möglich – vor allem dann, wenn das Verhältnis zwischen Tumorgröße und Brustvolumen günstig und der Krebs noch nicht in die Haut oder Muskulatur eingedrungen ist. Im Gegensatz dazu steht die Mastektomie, eine komplette Entfernung der Brust. Manchmal jedoch entscheiden sich Patientinnen auch selbst zu einer Totaloperation: Sie fühlen sich sicherer, wenn der „Risikoherd“ fehlt und wollen damit gleichzeitig eine anschließende Strahlentherapie vermeiden. Nach einer Brustoperation haben Frauen Anspruch auf eine Prothese, auch Epithese genannt. Auch ein Wiederaufbau der Brust kann sofort oder später erfolgen.

Selten, aber nicht ausgeschlossen: Brustkrebs bei Männern

Methoden zur Früherkennung von Brustkrebs sind natürlich auf den weiblichen Körper ausgerichtet. Aber auch Männer können an Brustkrebs erkranken. Viel seltener zwar – nach Schätzungen sind es etwa 400 jährlich – aber häufig genug, um wachsam zu sein.

Auf den Punkt gebracht: Auch als Mann sollten Sie auf Vorsorge setzen. Beobachten Sie Ihren Körper – nicht nur die Brust – aufmerksam. Besprechen Sie Auffälliges mit Ihrem Arzt. Dieser kann dann mit geeigneten Untersuchungsmethoden die Diagnose stellen.

Gemeinsam gut beraten

Wenn die eigene Offenheit gegenüber vertrauten Personen beim Thema „Brustkrebs“ plötzlich ihre Grenzen findet oder Freunde und Verwandte als Ansprechpartner überfordert sind, helfen neben professioneller Beratung auch Selbsthilfegruppen weiter.

Mut machen letztlich aber auch die Heilungschancen selbst: Abhängig davon, wie aggressiv der Brustkrebs auftritt, können 80 bis 90 Prozent der Erkrankten geheilt werden – vorausgesetzt, der Tumor wird im Frühstadium entdeckt. Hoffnungsvolle Zahlen, die gleichzeitig darauf hinweisen, wie überlebenswichtig Vorsorge durch Früherkennungsprogramme ist. Und dabei steht Ihnen die IKK classic gern zur Seite.

MammaCare

Dank des medizinischen Fortschritts sind die Heilungschancen bei Brustkrebs besser denn je – vorausgesetzt, die Erkrankung wird so früh wie möglich erkannt. Deshalb sollte jede Frau zusätzlich zu den jährlichen Vorsorgeuntersuchungen beim Gynäkologen ihre Brust regelmäßig selbst abtasten. So fallen eventuelle – in den meisten Fällen ganz harmlose – Veränderungen viel früher auf. Der Arzt kann bei Bedarf rechtzeitig weitere Untersuchungen veranlassen. Wie wichtig die regelmäßige Selbstuntersuchung der Brust ist, wissen die meisten Frauen. Viele sind allerdings unsicher, ob sie als medizinische Laien auch alles richtig machen.

Die Lösung: Erlernen Sie die MammaCare-Methode. In einem etwa 90-minütigen Kurs tasten Sie zunächst an einem Modell; dabei stellt sich das erforderliche Fingerspitzengefühl ein. Danach wird das Tasten an der eigenen Brust geübt. Damit die Trainerin jeder Frau die Handgriffe ganz genau zeigen kann, finden die Kurse in kleinen Gruppen mit vier Frauen statt. Außerdem ist ausreichend Gelegenheit für alle Fragen, die Frauen zum Thema Brustkrebs beschäftigen.

IKK-Versicherte können den MammaCare-Kurs mit ihrem Gesundheitskonto finanzieren.

IKK Promed

Nur zu verständlich ist die Frage, ob der Krebs nicht irgendwann doch zurückkehrt. Deshalb gehören zur Nachsorge neben regelmäßigen Kontrolluntersuchungen auch Kuren, therapeutische Kurse und Angebote zur Stärkung der Psyche.

IKK-versicherte Brustkrebspatientinnen profitieren dabei von dem strukturierten Behandlungsprogramm IKK Promed. Es umfasst die sichere Diagnose zu Beginn der Behandlung, die koordinierte Therapie und individuell abgestimmte Nachsorgeangebote. Wichtigstes Ziel ist es, für die Betroffenen so viel Lebensqualität wie möglich zu erreichen.

Rechtzeitige Vorsorge rettet Leben

Interview mit Prof. Dr. Diethelm Wallwiener, Ärztlicher Direktor der Universitäts-Frauenklinik Tübingen:

Leider stellen sich immer noch Patientinnen erst in fortgeschrittenen Stadien der Tumorerkrankung vor. Allerdings nimmt die Zahl der Frauen, die sich bereits frühzeitig bei uns melden, deutlich zu – nicht zuletzt auch durch das Mammographie-Screening.

Bundesweit liegt die Teilnehmerrate bei 55 Prozent. Generell wird es in ländlichen Gebieten besser angenommen als im städtischen Bereich.

Von Ländern mit längerer Beobachtungszeit wissen wir, dass die Sterblichkeit in bis zu 30 Prozent der Fälle gesenkt werden kann – allerdings bei einer Screening-Teilnahme von über 75 Prozent. Angesichts dieser Quote haben wir in Deutschland noch etwas Nachholbedarf.

Durch gute Information, aber auch vor allem durch die Offenheit der Betroffenen – nicht zuletzt durch prominente Brustkrebspatientinnen – wird eine sicherlich teilweise noch vorhandene Tabuisierung stetig abgebaut. Dazu trägt zusätzlich das große Engagement der Selbsthilfegruppen bei. Alles in allem, so denke ich, sind wir damit auf einem guten Weg.

MammaCare: tasten – aber richtig

Interview mit Helga Marion Hoyme, Hebamme und zertifizierte MammaCare-Trainerin aus Erfurt

Fast jede Frau weiß zwar inzwischen, wie wichtig die eigene Kontrolle der Brust ist. Doch: Mache ich es richtig? Worauf muss ich achten? Was ist normal – was nicht? Hier setzt MammaCare an: Nach Abschluss unseres zweistündigen Kurses sind die maximal vier Teilnehmerinnen in der Lage, ihre Wahrnehmung zu schulen und entsprechend zu reagieren. Das heißt, wenn ihnen etwas Verdächtiges auffällt, warten sie nicht bis zur nächsten Vorsorge und gewinnen die für die Heilungschancen so wichtige Zeit.

Zunächst gehen wir auf Anatomie und Physiologie der Brust ein. Dann wird selbst Hand angelegt: An einsehbaren Silikonmodellen der Brust ertasten und sehen wir gleichzeitig die diversen Knoten. Anschließend wird an einem geschlossenen Brustmodell weiter geübt und zu guter Letzt – für den maximalen Lerneffekt – das Erlernte auf die eigene Brust übertragen.

Ich möchte, dass die Teilnehmerinnen den Kurs sicher und informiert verlassen: Ja, es gibt bis zu 20 verschiedene Brustkrebskarzinome – aber Knoten gehören trotzdem in eine Brust: Vier von fünf sind nämlich gutartig. Wachsamkeit ist also erwünscht, Panik nicht. Wer MammaCare regelmäßig anwendet in Ergänzung mit den Vorsorgeuntersuchungen optimiert die Früherkennung. Getreu unserem MammaCare-Motto: Geben Sie sich in erfahrene Hände – Ihre eigenen!

Weiterführende Webseiten zum Thema Brustkrebs

Interessenten und Betroffene finden im Internet zahlreiche Informations- und Beratungsangebote. Oft stehen auch Medien zum Download bereit. Eine kleine Auswahl: