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Leben im Nebel

Das Risiko, an Demenz zu erkranken, steigt mit zunehmendem Alter rapide. In unserer immer älter werdenden Gesellschaft häufen sich die Fälle deshalb. Jedes Jahr kommen etwa 245.000 bis 270.000 Betroffene hinzu. Heilende Medikamente sind nicht in Sicht. Die Ursachen sind immer noch weitgehend unbekannt. Offenheit und passende Konzepte im Umgang mit der Krankheit ermöglichen Lebensqualität für die Kranken und für die Angehörigen.

Demenz und Alzheimer

Der Begriff „Demenz“ kommt aus dem Lateinischen (mens = Verstand, de = abnehmend) und beschreibt einen Verlust kognitiver, sozialer, motorischer und emotionaler Fähigkeiten. Meist steht dahinter eine fortschreitende Erkrankung des Gehirns, bei der so wichtige Aufgaben wie das Gedächtnis, das räumliche Orientierungsvermögen oder auch die Sprache zunehmend schlechter funktionieren. Auch die Persönlichkeit des Erkrankten leidet. Dadurch ändern sich sein Verhalten und seine grundlegenden Wesenseigenschaften. Gedächtnisstörungen und Verhaltensauffälligkeiten sind deshalb die zwei wichtigsten Aspekte der Erkrankung.

Die häufigste Form (etwa 60 Prozent) der Demenz ist die Alzheimerkrankheit, die zweithäufigste mit ca. 20 Prozent ist die gefäßbedingte (vaskuläre) Demenz. In etwa 15 Prozent der Fälle liegen Mischformen vor. Bei der Alzheimer-Demenz kommt es zu einem Absterben von Nervenzellen. Dabei treten die ersten Veränderungen im Gehirngewebe bereits im jungen Erwachsenenalter auf und nehmen mit steigendem Lebensalter stetig zu. Zusätzlich werden Eiweißablagerungen im Gehirn sowie die Verminderung eines für das Gedächtnis wichtigen Botenstoffs beobachtet. Während sich anfangs noch keine Symptome zeigen, folgt ein zunächst geringfügiger, später fortschreitender Gedächtnisabbau. Zur Demenz kommt es erst, wenn ein großer Teil der Gehirnzellen zerstört ist.

Ursachen und Vorbeugung

Die Ursachen für die Entstehung der Alzheimerkrankheit sind bisher nicht erforscht. Bekannt sind hingegen eine Reihe von Risikofaktoren, die die Erkrankung begünstigen. Hier ist an erster Stelle das Lebensalter zu nennen. Während in der Altersgruppe der 65-bis 70-Jährigen weniger als 3 Prozent an einer Alzheimer-Demenz erkranken, ist im Alter von 80 Jahren ungefähr jeder Fünfte, mit 90 Jahren bereits jeder Dritte betroffen. Aus Studien weiß man, dass durch körperliche Bewegung und gesunde Ernährung sowie durch geistige Aktivität und ein aktives soziales Leben das Risiko, im späteren Leben an Demenz zu erkranken, verringert werden kann.

Vaskuläre Demenzerkrankungen hingegen entstehen in Folge von Durchblutungsstörungen im Gehirn. Häufigste Ursache sind größere oder kleinere Schlaganfälle. Die Symptome ähneln denen der Alzheimer-Demenz. Zusätzlich klagen die Betroffenen oft über körperliche Beschwerden wie Taubheitsgefühle und Lähmungserscheinungen. Außerdem beginnen vaskuläre Demenzen in der Regel nicht schleichend, sondern plötzlich und verschlechtern sich stufenweise. Als Hauptursachen gelten Bluthochdruck, Herzerkrankungen, Diabetes und Rauchen – also alle Erkrankungen, die den Gefäßverschleiß begünstigen.

Früherkennung ist wichtig

Medikamente, die die Demenz heilen können, gibt es bisher trotz intensiver Forschung leider nicht. Wird die Alzheimer-Demenz jedoch in einem frühen Stadium diagnostiziert, können Arzneimittel den Verlauf der Erkrankung verzögern und das Auftreten gravierender Symptome hinausschieben. Deshalb ist es wichtig, bei den ersten Anzeichen, die auf eine Demenz hindeuten können, einen Facharzt zu konsultieren.

Warnsignale können z. B. sein:

  • Vergessen kurz zurückliegender Ereignisse,
  • Sprachstörungen,
  • nachlassendes Interesse an Hobbys und sozialen Kontakten,
  • bislang nicht gekannte Stimmungsschwankungen und aggressives Verhalten,
  • hartnäckiges Abstreiten von Fehlern oder Irrtümern.

Wer lieber erst einmal im gewohnten Umfeld eine Einschätzung erhalten möchte, kann sich z. B. mit dem sogenannten „Uhrentest“ oder dem ADAM-Fragebogen einen ersten Eindruck verschaffen. Als nächster Schritt sollte aber auf jeden Fall der Hausarzt oder ein Neurologe hinzugezogen werden. Erst unter Einbeziehung von Experten ist eine eindeutige Diagnosestellung und entsprechende Behandlung gewährleistet.

Wenn die Worte fehlen – Kommunikation mit Demenzkranken

Nichts, was ein Dementer sagt, ist sinnlos! Dass Angehörige und Pflegende den Demenzpatienten oft nicht verstehen, kann verschiedene Ursachen haben. Entweder ist das Sprachzentrum der erkrankten Person bereits angegriffen. Oder die verminderte Erinnerung führt dazu, dass der Patient sich umständlich und unverständlich ausdrückt. Solange aber jemand etwas sagt, sollten wir davon ausgehen, dass die Person uns etwas mitzuteilen hat! Es gilt, die Aussagen ernst zu nehmen und sie vor dem Hintergrund der Situation und des Krankheitsstadiums zu interpretieren. Demente verwenden oft symbolische Aussagen, manchmal fast poetische Ausdrücke, um ihre Bedürfnisse und Emotionen auszudrücken. Es ist Sache der Pflegenden und Angehörigen, sich in die Situation des Patienten einzufühlen und seine Aussagen zu deuten. „Ich möchte nach Hause“, sagen viele Demente, wenn sie sich nicht wohlfühlen in ihrer Umgebung. Dass sie sich in ihrem Zuhause befinden, erkennen sie nicht mehr. Ihnen ein seit Kindertagen vertrautes Lied vorzusingen, hilft da oft mehr als die Entgegnung: „Aber das hier ist doch dein Zuhause.“

Hier gibt es Hilfe für Betroffene und Angehörige

Kompetente Ansprechpartner bieten Rat und Unterstützung in allen Fragen vom Umgang mit der Diagnose bis zur Betreuung der Patienten. Hier sind zunächst die Angebote und Unterstützungsmaßnahmen der IKK-Pflegekasse zu nennen:

  • zusätzliche Betreuungsleistungen für Pflegebedürftige, die in ihrer häuslichen Umgebung gepflegt werden (§ 45 SGB XI)
  • verbesserte Pflegeleistungen für Personen mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz (§ 123 SGB XI)
  • häusliche Betreuung (§ 124 SGB XI)
  • ausführliche Pflegeberatung, auf Wunsch zu Hause
Leistungen für Pflegebedürftige

Information und Selbsthilfe

Bei der Weissen Liste können Ratsuchende sich darüber informieren, welche Unterstützungsleistungen sie zum Beispiel bei der Körperpflege oder im Haushalt in Anspruch nehmen können. Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft e. V. ist nur eine von zahlreichen Selbsthilfe-Organisationen, die Rat und Hilfe bei allen Problemen im Umgang mit der Diagnose Demenz bieten können. Nicht zuletzt gibt es in den meisten Städten sogenannte Gedächtnissprechstunden. Hier finden Betroffene und Angehörige Rat von der Diagnose bis zum fortgeschrittenen Stadium einer Demenz-Erkrankung.