Osteoporose – Kalzium, Kraft und Kondition

Osteoporose, auch als Knochenschwund bezeichnet, wird oftmals für eine Erkrankung ausschließlich älterer Frauen gehalten. Doch auch Männer und Frauen mittleren Alters können davon betroffen sein. Wer schon in jungen Jahren durch eine gesunde Lebensweise auf sein Knochenkonto einzahlt, kann Risiken vermeiden oder zumindest minimieren.

Osteoporose ist eine Erkrankung, bei der es zu einem Verlust an Knochenmasse und -festigkeit kommt. Die Folge ist ein erhöhtes Knochenbruchrisiko. Schon bei alltäglichen Belastungen können die Knochen Schaden nehmen. In Deutschland ist etwa ein Viertel der Bevölkerung über 50 Jahre von der Volkskrankheit Osteoporose betroffen. Infolge des zu erwartenden demografischen Wandels wird sich weltweit der Anteil der Menschen über 50 Jahre bis zum Jahr 2020 verdoppeln. Dadurch wird auch die Osteoporose an Häufigkeit zunehmen. Von den derzeit rund 7,8 Millionen Patienten in Deutschland – davon 6,5 Millionen Frauen und 1,3 Millionen Männer – erleiden jedes Jahr vier bis fünf Prozent einen Knochenbruch.

Osteoporose geht alle an

Mediziner unterscheiden zwischen zwei Formen der Osteoporose: Die sekundäre Form ist relativ selten. Allerdings verursacht sie mit einem Anteil von fünf Prozent aller Fälle von Osteoporose etwa 20 Prozent aller osteoporosebedingten Knochenbrüche. Diese Form tritt bei Menschen auf, die an bestimmten Krankheiten, z. B. Diabetes mellitus Typ I („Zuckerkrankheit“), entzündlichen rheumatischen Erkrankungen oder einer Überfunktion der Schilddrüse leiden. Außerdem steigt das Risiko einer Osteoporose bei Menschen, die regelmäßig bestimmte Medikamente wie Kortison, Antiepileptika oder Präparate gegen Krebserkrankungen einnehmen müssen. Dies gilt für Frauen und Männer gleichermaßen und ist unabhängig vom Lebensalter.

Sehr viel häufiger liegt eine so genannte primäre Osteoporose vor. Diese tritt bei etwa 30 Prozent der Frauen nach den Wechseljahren auf, in höherem Alter sind Frauen und Männer gleichermaßen betroffen. Auch eine familiäre Veranlagung kann vorliegen: So ist z. B. das Risiko, eine Oberschenkelhalsfraktur zu erleiden, deutlich erhöht, wenn auch bei den Eltern eine derartige Fraktur auftrat. Ursache der primären Osteoporose ist ein Ungleichgewicht zwischen Knochenauf- und Knochenabbau. Die Knochenmasse des Menschen nimmt in den ersten 30 Lebensjahren zu (Knochenaufbau), erreicht einen Höhepunkt und fällt dann langsam wieder ab. Bei den Frauen beschleunigt sich der altersabhängige Knochenschwund nach den Wechseljahren durch den Abfall des weiblichen Geschlechtshormons Östrogen.

Doch die Osteoporose ist kein unausweichliches Schicksal. Besonders Frauen sollten rechtzeitig vorbeugen! Zum Aufbau der Knochen benötigt der Körper ausreichend Kalzium sowie Vitamin D, das die Kalziumaufnahme im Organismus unterstützt. Mangelernährung, die oft im Alter und bei jungen Menschen mit Essstörungen wie Bulimie oder Magersucht auftritt, begünstigt durch den entstehenden Mangel an Kalzium und Vitamin D ebenfalls den Abbau der Knochensubstanz. Die Gefahrenzone beginnt hier bereits ab einem Body-Mass-Index (BMI) von unter 20.

Rechtzeitig vorbeugen

Es gilt die Regel: Das Skelett isst mit! Zur Vorbeugung des Knochenabbaus trägt eine kalziumreiche Ernährung entscheidend bei. Ein großes Glas Milch, zwei Scheiben Emmentaler (60 g) und eine Portion gegarter Brokkoli (200 g) decken den täglichen Kalziumbedarf, der bei 1.000 bis 1.500 mg liegt. Denn auch in grünem Gemüse findet sich Kalzium, allerdings nur etwa ein Achtel der Menge, die etwa Hartkäse dem Körper liefert.

Wer keine Milch trinkt und keinen Käse isst, sollte mit seinem Arzt besprechen, ob es sinnvoll ist, Kalzium in Tablettenform einzunehmen. Alkohol und Nikotin sowie phosphatreiche Lebensmittel (z. B. Cola) gelten als Knochenräuber – und auch Diäten hungern den Knochen aus. Körperliche Aktivität hingegen schützt vor Knochenschwund. Bewegung stärkt die Knochen, da bei Muskelbetätigung ein mechanischer Reiz auf den Knochen ausgeübt wird: Dort, wo die größte Krafteinwirkung am Skelett stattfindet, wird vermehrt Knochen angebaut. Positiver Nebeneffekt für ältere Menschen: Regelmäßige körperliche Aktivität stärkt nicht nur Knochen, Muskeln und Gelenke, sondern fördert auch die Koordination, also die Sicherheit beim Gehen und Balancieren. Außerdem verbessert sich die allgemeine körperliche Fitness sowie die Gehirnleistung und das Reaktionsvermögen. Das sorgt für Gang- und Standsicherheit und verhindert Stürze – und damit auch Knochenbrüche.

Knochendichtemessung

Ist eine Osteoporose bereits eingetreten, dann ist der Arzt gefragt. Er wird möglicherweise eine medikamentöse Therapie verordnen und eine Schmerzbehandlung in die Wege leiten. Die Entscheidung hängt von der konkreten Diagnose ab und muss im Einzelfall erwogen werden. Die Diagnose stellt der Arzt unter anderem mithilfe einer Knochendichtemessung, der sogenannten DXA-Messung. Hierbei wird der sogenannte T-Wert ermittelt. Dies ist ein statistischer Wert, der einen Vergleich der gemessenen Knochendichte mit dem Durchschnittswert gesunder 30-Jähriger anstellt und eine Aussage zum Bruchrisiko ermöglicht. In medizinisch begründeten Fällen wird diese Leistung von der Krankenkasse übernommen. Für alle anderen Patienten empfiehlt sich eine Messung auf eigene Kosten beim Facharzt im Rahmen einer sogenannten IGeL (Individuelle Gesundheitsleistung). 

Experteninterview: Der Spirale vorbeugen

Prof. Dr. med. Heide Siggelkow ist Fachärztin für Innere Medizin, Endokrinologie und Diabetologie (DDG) und 1. Vorsitzende des Dachverbands Osteologie.

Warum heißt es, Bewegung im Freien sei besser als in geschlossenen Räumen?

Jede Bewegung, die den Körper fordert, aber nicht überfordert, ist geeignet. Gegen den Knochenverlust sind knochenbelastende Sportarten (Krafttraining, Gymnastik, Aerobic, etc.) die beste Vorbeugung. Bei Bewegung im Freien hat man noch den Vorteil einer zusätzlichen Bildung von Vitamin D in der Haut, in unseren Breiten allerdings nur von Mai bis Oktober. Ansonsten ist Bewegung in geschlossenen Räumen genauso gut und auf jeden Fall besser als gar keine Bewegung!

Kann man denn Vitamin D nicht über die Nahrung aufnehmen?

Vitamin D bekommen wir über die Nahrung nur in sehr geringen Mengen, und zwar über Eier und fetthaltigen Seefisch. Der Hauptlieferant von Vitamin D ist somit die Haut über das Sonnenlicht. Jeder Sonnenschutz, auch in der Gesichtscreme, reduziert die Bildung in der Haut erheblich, sodass in Deutschland ein großer Teil der Bevölkerung bereits in jungen Jahren keine optimalen Vitamin-D-Werte hat.

Mit welcher Ernährung schützen wir unsere Knochen am effektivsten?

Kalzium- und Phosphatmangel und im höheren Alter auch Proteinmangel bereiten den Weg zu der Spirale Gewichtsverlust, Muskelfunktionsverlust, Sturz, Knochenbruch und damit Einschränkung der Mobilität und Selbstbestimmtheit. Um hier vorzubeugen, ist eine ausgeglichene Ernährung mit ausreichend Protein und Kalzium erforderlich. Milchprodukte sind dabei wegen ihres hohen Proteingehalts der Hauptlieferant von Kalzium, denn Kalzium wird zusammen mit Protein am besten aufgenommen.