Schilddrüse: Kleine Drüse, große Wirkung

Ein nur circa 20 Gramm schweres Organ nimmt entscheidenden Einfluss darauf, ob wir uns fit und wohl fühlen: die Schilddrüse. Sie liegt unterhalb des Kehlkopfes und vor der Luftröhre und lenkt mit ihren Hormonen den gesamten Stoffwechsel.

Ohne die nur walnussgroße Schilddrüse läuft im menschlichen Körper fast gar nichts: Sie beeinflusst den Stoffwechsel, Herz und Kreislauf, Wachstum und Gewicht, die Psyche und die körperliche Leistungsfähigkeit. Gesteuert durch zwei Zentren im Gehirn produziert sie Hormone, die für all das verantwortlich sind.

Um arbeiten zu können, braucht das Organ Jod. Nur mit Hilfe dieses Spurenelements kann die Schilddrüse ihre so wichtigen Hormone bilden. Fehlt Jod, geraten Schilddrüse und Stoffwechsel aus dem Takt. Leider kann der Körper Jod nicht selbst bereitstellen, sondern nur über die Nahrung zu sich nehmen. Anhand der Blutwerte kann festgestellt werden, ob die Schilddrüse einwandfrei funktioniert. Bei rund einem Drittel der Erwachsenen ist dies jedoch nicht der Fall.

Gezielt untersucht werden die Schilddrüsenwerte, wenn Patienten über bestimmte Symptome klagen, die auf eine Über- oder Unterfunktion des Organs hindeuten.

Überfunktion der Schilddrüse

Von einer Überfunktion spricht man dann, wenn mehr Schilddrüsenhormone produziert werden als der Körper benötigt. Das Organ überschwemmt den Körper mit seinen Hormonen und kurbelt den Stoffwechsel an. Die Betroffenen sind unruhig, nervös, schlafen schlecht, haben einen erhöhten Blutdruck, klagen über Schweißausbrüche, einen schnellen Herzschlag oder sogar Herzrhythmusstörungen. Oft kommt es – trotz normalen Appetits – zu einem Gewichtsverlust. Weitere Anzeichen können Haarausfall und Durchfall sein. Betroffen sind vor allem Frauen zwischen 40 und 50 Jahren. Da diese Symptome den Organismus belasten und die Herzrhythmusstörungen gefährlich werden können, muss die Überfunktion der Schilddrüse behandelt werden.

Eine häufige Ursache für die Überproduktion von Schilddrüsenhormonen ist Jodmangel. Wird mit der Nahrung zu wenig des Spurenelements aufgenommen, vergrößert sich die Schilddrüse. So nimmt sie auch die geringsten Mengen Jod auf. Eine vergrößerte Schilddrüse lässt sich ertasten. Bisweilen verursacht sie auch ein Druckgefühl im Hals oder Schluckbeschwerden. Im fortgeschrittenen Stadium ist sie als Kropf zu erkennen.

Eine nicht oder nicht ausreichend behandelte Schilddrüsenüberfunktion kann durch Stress, Infektionen oder die Aufnahme einer großen Menge Jod eine so genannte thyreotoxische Krise auslösen. Zu den Symptomen gehören Störungen des Bewusstseins, Verwirrtheit bis hin zu Bewusstlosigkeit.

Zumeist wird eine Überfunktion mit Jodpräparaten, Schilddrüsenhormonen oder einer Kombination aus beidem behandelt. Hat sich durch die Medikamente der Hormonspiegel normalisiert, muss über die weitere Therapie entschieden werden. Menschen mit einer Überfunktion sollten sich vitaminreich ernähren, viel trinken und auf Alkohol und Koffein besser verzichten.

Zeichen für ein Hormon-Hoch:

  • Sie sind hypernervös, ruhelos und gereizt
  • Sie fühlen sich rasch erschöpft
  • Sie essen für drei und nehmen dabei ab
  • Ihr Herz rast häufig
  • Sie schwitzen sehr stark
  • Sie haben oft Durchfall

Unterfunktion der Schilddrüse

Von einer Schilddrüsenunterfunktion sind deutlich häufiger Frauen betroffen als Männer. Ursache sind oftmals Entzündungen des Organs oder eine Autoimmunerkrankung wie die Basedowsche Krankheit (Morbus Basedow) oder die Hashimoto-Thyreoiditis. In Folge dieser Krankheit betrachtet der Körper die eigene Schilddrüse als Fremdkörper und beginnt, diese zu zerstören. Auch nach einer Entbindung kann die Schilddrüse kurzzeitig zu wenige Hormone produzieren.

Im Unterschied zur Überfunktion der Schilddrüse, die den Körper auf Hochtouren laufen lässt, werden bei einer Unterfunktion alle Stoffwechselaktivitäten heruntergefahren. Die Betroffenen sind müde, kälteempfindlich, antriebslos, wenig leistungsfähig und nehmen zu. Oft klagen sie über depressive Verstimmungen, Verstopfung, Wassereinlagerungen in den Augenlidern, Gedächtnisstörungen, haben eine trockene, schuppende Haut und brüchiges Haar. Außerdem sind vielfach die Blutfette erhöht. Damit steigt das Risiko einer Arteriosklerose, wenn die Krankheit nicht erkannt und behandelt wird. Menschen, deren Schilddrüse nicht genug Hormone produziert, können diese durch entsprechende Medikamente ersetzen.

Zeichen für ein Hormon-Tief:

  • Sie fühlen sich matt und lustlos
  • Sie können sich schlecht konzentrieren
  • Mit der Verdauung klappt es schlecht
  • Sie nehmen bei normaler Ernährung zu
  • Ihr Haar ist brüchig und glanzlos
  • Sie frieren leicht

Jod ist wichtig für die Schilddrüsenfunktion

Jod ist für unsere Schilddrüsenfunktionen unverzichtbar, doch der Körper nimmt es nur in sehr geringen Mengen auf. Er kann keine großen Vorratslager bilden, weil er die Substanz über die Nieren und den Darm ständig ausscheidet. Deshalb zählt Jod zu den Spurenelementen und muss dem Körper regelmäßig über die Nahrung, gegebenenfalls auch künstlich, zugeführt werden. 

Die Schilddrüse braucht Jod, um ihre Hormone Thyroxin (T4) und Triiodthyronin (T3) herzustellen. T3 und T4 steuern Körpertemperatur und Verdauung, geistige und körperliche Leistung, Fruchtbarkeit, Herztätigkeit und Abwehrkraft. Auch für das Wachstum und die gesunde Entwicklung eines im Mutterleib heranwachsenden Kindes leisten sie einen unverzichtbaren Beitrag.

Fehlt Jod, versucht der Körper dies auszugleichen: Dazu vermehren sich die Schilddrüsenzellen, um möglichst viel von dem Spurenelement aus dem Blut herauszufiltern. Die Drüse nimmt an Umfang zu. Übersteigt ihre Größe ein bestimmtes Maß, bezeichnet der Arzt dieses Symptom als Kropf.

Jodreiche Ernährung

Obgleich eine ausreichende Versorgung durch jodhaltige Speisen nicht schwer fällt, leidet ein Großteil der Bevölkerung an den Folgen von Jodmangel. Vor allem Schwangere und Stillende sollten sicherstellen, dass sie genug Jod zu sich nehmen. So gewährleisten sie, dass auch das Kind ausreichend damit versorgt wird.

Von den benötigten 150 bis 250 Mikrogramm Jod pro Tag nimmt jeder Mensch im Schnitt nur 30 bis 70 Mikrogramm über Nahrung und Trinkwasser zu sich. Damit der Körper ausreichend versorgt ist, empfiehlt es sich, auf angereicherte Lebensmittel zurückzugreifen und immer wieder auch besonders jodhaltige Speisen auf den Tisch zu bringen.

Zu den angereicherten Lebensmitteln gehört beispielsweise jodiertes Salz. Kampagnen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und der Deutschen Gesellschaft für Ernährung haben den Gebrauch von jodiertem Speisesalz im Haushalt und der Lebensmittelindustrie populär gemacht. So enthalten viele Wurstwaren und Brotsorten eine Extraportion des Spurenelements. Informationen darüber finden Verbraucher auf dem Etikett. Im Normalfall sind keine Nebenwirkungen durch das in Lebensmitteln enthaltene Jod zu erwarten.

Milch, Quark, Joghurt und Eier spielen als Jodlieferanten ebenfalls eine wichtige Rolle. Wenn sie täglich auf den Tisch kommen, decken sie mehr als ein Drittel des Bedarfs. Der Jodgehalt in diesen Lebensmitteln hat sich deutlich erhöht, seitdem Futtermittel mit dem Spurenelement angereichert werden.

Auch viele Mineralwässer haben einen hohen Jodanteil sowie Spinat und Kiwi.

Der beste Jodlieferant jedoch sind Seefische und Krustentiere wie Schellfisch, Seelachs, Rotbarsch, Kabeljau oder Garnelen. Das liegt an dem hohen Jodgehalt ihrer Nahrung: der Meeresalgen. Die Deutschen verspeisen im Durchschnitt etwa 15 Kilogramm Fisch im Jahr. Diese Menge deckt jedoch nur etwa 10 Prozent ihres Jodbedarfs.

Jodlieferanten

So viel Jod enthalten 100 Gramm:

  • Schellfisch/Seelachs: 250 μg
  • Miesmuscheln: 130 μg
  • Kabeljau: 120 μg
  • Rotbarsch: 80 μg
  • Spinat: 15 μg
  • Hühnerei: 10 μg
  • Milch: 9 μg
  • Radieschen: 8 μg
  • Kartoffeln: 4 μg

Jodtabletten

Wie Jodsalz kann auch die Einnahme von Jodtabletten helfen, den in der Natur bestehenden Jodmangel auszugleichen. Es gibt sie rezeptfrei in der Apotheke. Allerdings ist es empfehlenswert, die Einnahme mit dem Hausarzt abzustimmen. Ein Bluttest zeigt, ob ein Mangel vorliegt. Bei bestimmten Erkrankungen der Schilddrüse wie bei Morbus Basedow, der Hashimoto-Entzündung und heißen Knoten in der Drüse müssen Betroffene zu hohe Mengen an Jod vermeiden.

Jodbedarf von Kindern

Stillende Mütter versorgen ihre Säuglinge über die Muttermilch. Sie benötigen das Spurenelement in dieser Zeit in noch größeren Mengen als während der Schwangerschaft. Viele Frauenärzte empfehlen darum auch jungen Müttern die Einnahme von Jodtabletten.

Für Babys ab dem Breikostalter und für Kleinkinder sind Milch, Milchprodukte und Eier als Jodlieferanten besonders wertvoll – sofern keine Eiweißallergie vorliegt. Jodzugaben in fertiger Nahrung sind auf dem Etikett angegeben.

Eltern sollten auch bei Schulkindern und pubertierenden Jugendlichen darauf achten, dass diese ausreichend jodreiche Lebensmitteln verzehren. Nur dann können die für das Wachstum wichtigen Schilddrüsenhormone in ausreichender Menge gebildet werden.

Besteht in der Familie eine Veranlagung zur Kropfbildung oder hat das Kind eine Allergie gegen Milch, Ei und/oder Fisch, rät der Kinderarzt oft zur Einnahme von Jodtabletten.

Tipps zur besseren Jodaufnahme im Alltag

  • Salzen Sie Speisen erst nach dem Garen, damit kein Jod verkocht
  • Achten Sie beim Lebensmittelkauf auf den Jodsalzhinweis
  • Fragen Sie beim Bäcker oder Metzger, ob Jodsalz bei der Herstellung der Ware verwendet wurde